Unterreiner: Leitbild zur Theaterreform erster positiver Schritt

Reform soll Rolle als Mediator zwischen Kreativen und Publikum einnehmen

Wien, 2003-12-18 (fpd) - 15 Jahre lang wurde großzügigst das Füllhorn öffentlicher Gelder über einen Bereich der Wiener Theaterlandschaft - die Freien Gruppen – ausgeschüttet ohne dass der Geldsegen den gewünschten Erfolg hervorgebracht hätte. Bis auf wenige Ausnahmen war das Geld von einer breiten Öffentlichkeit unbemerkt und unbeachtet versickert. Die Idee, mit den großzügigen Geldvergaben das kreative Potential zu fördern, ist gescheitet, denn nur wenige Gruppen konnten bei den Fachleuten und beim Publikum den gewünschten Erfolg verbuchen. „Ohne Transparenz, ohne Kontrolle, ohne Evaluierung, ohne Leistungsnachweise dümpelte der Freie Gruppen Bereich vor sich hin. In den letzten 6 Jahren wurden jährlich über 5 Millionen Euro (72,5 Millionen Schilling) zur Verfügung gestellt, im gesamten Zeitraum seit 1989 insgesamt 815 Millionen Schilling. Wir Freiheitlichen haben über all die Jahre hinweg dieses Versagen in der Theaterförderung angeprangert und der Kontrollamtsbericht des Vorjahres über das Jahr 2000 bestätigte unsere Kritik und zeigte das gesamte Desaster auf“, sagte heute die Kultursprecherin der Wiener Freiheitlichen, LAbg. Mag. Heidemarie Unterreiner im Rahmen der „Aktuellen Stunde“ des Wiener Gemeinderates. ****

Ausgehend von diesem Hintergrund begrüßt die Wiener FPÖ den Entschluss von Stadtrat Mailath-Pokorny zu einer Theaterreform und die Idee, dieses Vorhaben gemeinsam mit allen Fraktionen umzusetzen. Diese Reform schafft zwar als Schwerpunkt ein neues Regelwerk für den Freien Gruppen Bereich, aber die Auswirkungen werden den gesamten Theaterbereich ohne die großen Institutionen (Vereinigte Bühnen Wien, Theater in der Josefstadt, Volkstheater Wien, Theater der Jugend, Wiener Festwochen) erfassen.

„Wir sehen in der Erstellung eines „Leitbildes zur Wiener Theaterreform“ einen ersten Schritt und damit die Chance auf mehr Effizienz, Kontrolle und Transparenz. Während in anderen Kulturmetropolen Europas (z.B Berlin) für den freien Szenebereich die öffentlichen Gelder drastisch gesenkt wurden, soll es in Wien keinerlei Kürzungen geben. Deshalb legen wir Freiheitlichen großen Wert darauf, an die Neuerungen mit großem Verantwortungsgefühl heranzugehen, da die Reform weitreichende Konsequenzen auf die gesamte Theaterlandschaft hat. Die Leistungs- und Erfolgsorientierung bzw. die Verantwortlichkeit gegenüber dem Steuerzahler muss für gutes Theater ein wichtiges, selbstverständliches Messkriterium darstellen. Ein Katalog für messbare Kriterien muss noch erstellt werden“, betonte die FP-Kultursprecherin.

Eine der ganz entscheidenden Änderungen ist die Aufhebung der Trennung der Fördervergabe in die Bereiche Klein- und Mittelbühnen sowie Freie Gruppen. Damit wird die neu zu schaffende Theaterjury, die Anfang kommenden Jahres für die Konzeptförderung eingerichtet wird und die Theaterkommission für die Projektförderung von großer Bedeutung für das Gelingen der Theaterreform sein. Die Zusammensetzung dieser beiden Gremien muss so erfolgen, dass der Reichtum einer lebendigen Theaterszene sowie die Vielfalt und Unabhängigkeit – auch parteipolitisch - der einzelnen Theater und Projekte gewährleistet ist. Es muss sichergestellt sein, dass Persönlichkeiten ausgewählt werden, die garantieren, dass neben Innovativem und Neuem die Identität und Eigenständigkeit der gewachsenen Theaterlandschaft gewahrt und die gesamte Bandbreite der darstellenden Kunst gesichert bleibt. „In diesem Zusammenhang legen wir großen Wert darauf, dass sich die Stadt Wien weiterhin zu wichtigen Institutionen, wie z.B. er Kammeroper, bekennt und deren Zukunft als Spartenhäuser sichergestellt werden“.

„Uns Freiheitlichen sind die Bedürfnisse des Publikums ein wichtiger Gradmesser. Deshalb ist es für uns wichtig, dass nicht nur junges und neues Publikum erschlossen werden soll, sondern die Interessen breiter Publikumsschichten befriedigt werden. Eine gute Theaterreform muss danach trachten, eine Rolle als Mediator zwischen neuen, jungen Talenten und Künstlern sowie Theaterdirektoren auf der einen Seite und den Bedürfnissen des Publikums auf der anderen Seite, einzunehmen“, so Unterreiner abschließend. (Schluss) lb

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