• 18.12.2003, 19:54:03
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MENSCHEN MIT DOWN-SYNDROM BRAUCHEN LIEBE STATT VORURTEILE Heinz Fischer stellt neuen Bildband von Angelika Kampfer vor

Wien (PK) - Die Mädchen und Buben, die heute Abend das Parlament
besuchten, hießen Martin, Christoph, Sarah und Christiane und sie
zeigten, dass man im Hohen Haus auch richtig spielen kann. Dass
einige von ihnen zu jenen Mädchen und Buben gehören, die mit dem
Down-Syndrom leben, schmälerte weder den Spaß mit dem Spielzeug
im Sprechzimmer noch die Freude am Buffet in der Säulenhalle. Und
damit führten die Kinder anschaulich vor Augen, worüber die
andern Gäste bei dieser letzten Veranstaltung im
vorweihnachtlichen Parlament intensiv sprachen - über das
vorurteilsfreie Miteinander von Menschen mit und solchen ohne
Beeinträchtigungen. Ein neuer Bildband der Autorin Angelika
Kampfer über 43 Kinder und Jugendliche bot berührende
Illustrationen zu diesem Thema. Der Titel des Buches, das im
Böhlau-verlag erschienen ist, lautet: "Aufgenommen. Leben mit
Down-Syndrom".

Zur Buchpräsentation eingeladen hatte der Zweite
Nationalratspräsident Heinz Fischer, der die Gäste herzlich
begrüßte und auf die Beobachtung hinwies, dass die Liste der
unerledigten Aufgaben auf dem Gebiet der Behindertenpolitik auch
am Ende des Jahres 2003, des Europäischen Jahres der Behinderten,
noch sehr lange sei. "Aber auch die längste Reise beginnt mit dem
ersten Schritt", sagte Präsident Fischer und begründete seinen
Optimismus mit der Erfahrung, dass der Einzug behinderter
Abgeordneter in das Parlament die Aufmerksamkeit der Abgeordneten
für die Anliegen der Behinderten sehr positiv verändert habe.

EINE FOTOGRAFIN ARBEITET AM VERSCHIEBEN INNERER GRENZEN

"Wie weit kann man Vorurteile abbauen?" lautete die Frage, die
Angelika Kampfer ihren Ausführungen voranstellte. Die Autorin und
Fotografin schilderte die Wirkung von Vorurteilen über behinderte
Menschen, indem sie freimütig den Schock beschrieb, den eine
unvorbereitete Begegnung mit behinderten Jugendlichen bei ihr
selbst einmal ausgelöst hatte. Vorurteile habe sie auch bei
Menschen beobachtet, die ihre Arbeit an dem vorliegenden Buch als
deprimierend empfanden und sie deswegen bedauerten. -
"Tatsächlich habe ich noch nie an einem Thema gearbeitet, das so
voll Liebe war", sagte Angelika Kampfer. Die 43 Kinder,
Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die sie fotografiert habe,
sind so "offen, fröhlich und grantig, laut und leise, charmant,
verlegen oder selbstbewusst, wie es Kinder und junge Menschen
eben sind". Sie bewundere die Eltern, die ihre Kinder annehmen,
wie sie sind, mit ihnen ein ganz normales Leben führen und wie
alle Eltern stolz auf ihre Töchter und Söhne sind. Aber nicht nur
die Eltern, alle, die ganze Gesellschaft müsse lernen, diese
Kinder so zu akzeptieren, wie sie sind. Angelika Kampfer wünschte
den Kindern von heute und morgen, dass sie aufgrund der
gelungenen sozialen Integration von Menschen mit Beeinträchtigung
nicht mehr schockiert einen Speisesaal verlassen müssen, wie
einst sie selbst, sondern sich unbefangen mit ihnen an einen
Tisch setzen können.

Abgeordnete Christine Muttonen würdigte das Bemühen von Angelika
Kampfer, Menschen durch ihre fotografischen Dokumentationen über
das Leben am Rande der Gesellschaft, seien es Bergbauern,
Krebskranke, Obdachlose oder eben Kinder mit Down-Syndrom, mit
Hilfe von Wort und Bild in die Gesellschaft "hereinzuholen" und
"innere Grenzen zu verschieben".

Abgeordnete Christine Lapp unterstrich das politische Ziel,
Menschen mit Behinderungen zu Partnern der Gesellschaft zu machen
und bekannte sich zur Ausarbeitung eines Gleichstellungsgesetzes
mit dem Motto "barrierefrei und gleichberechtigt" im kommenden
Jahr.

Angelika Kampfers Bildband "Aufgenommen. Leben mit dem Down-
Syndrom" erscheint im Böhlau-Verlag Wien und ist im Buchhandel
zum Preis von 29,90 € erhältlich. (Schluss)

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OTS0209    2003-12-18/19:54

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