WirtschaftsBlatt-Kommentar Blindfahrt der Verkehrsminister

von Engelbert Washietl

Wien (OTS) - Österreich hat sich seit dem Jahr 2000 fünf Verkehrsminister geleistet: Caspar Einem aus dem alten Kabinett Klima, Michael Schmid, Monika Forstinger, Mathias Reichold und jetzt Hubert Gorbach. In dieser kurzen Zeit änderten sich die Kompetenzen des Ministeriums mindestens ein Mal, seit Februar gibt es zusätzlich einen Verkehrsstaatssekretär.

In derselben Zeitspanne verhandelte die EU zügig mit beitrittswilligen Staaten über deren Aufnahme und kam zum Abschluss. Wer wissen will, warum dieses Land verkehrstechnisch nicht im Geringsten auf die Öffnung der Grenzen vorbereitet ist, kann noch einmal die Ministerliste durchschauen. Nicht nur, dass die ministerielle Kompetenz zur Gänze für das Ein- und Ausräumen von Schreibtischen und das Aushandeln von hohen Beratungshonoraren aufgewendet werden musste, sind qualitative Mängel nicht zu übersehen. Warum sonst auch wäre das ominöse "Speed kills" im Verkehrsressort wörtlich genommen worden.

Die Fahrt von Linz in das künftige Wirtschaftszentrum Budweis gerät nach wenigen Autobahnkilometern in einen lähmenden Flaschenhals. Die Franz-Josefs-Bahn ist planmässig ihrer internationalen Bedeutung beraubt worden, vom Nebenstrecken-Elend soll gar nicht mehr geredet werden.

Nach Bratislava, der Nachbar-Hauptstadt Wiens, führt keine Verbindung, die man als vernünftig bezeichnen könnte. Die Ausnahme macht höchstens das Donauschiff, aber nur, wenn nicht Hoch- oder Niedrigwasser ist. Zu den in der Slowakei emporschiessenden Industriezentren an der March ebnen eine Behelfsbrücke, einige aus der Monarchie übrig gebliebene Brückenpfeiler und eine gemächliche, aber nachweislich ökologisch wertvolle Fähre den Weg.
Der Glaube, die grossen Infrastrukturleistungen seien stattdessen im Westen oder Süden der Republik erfolgt, geht in die Irre. Zwischen Semmering und Brenner nichts als Planungswirrwarr.

In der österreichischen Argumentation taucht immer wieder die entschuldigende Behauptung auf, dass auch die betreffenden Nachbarstaaten mit ihren Infrastrukturmassnahmen nicht so rasch vorankämen, wie es wünschenswert wäre. Das stimmt. Die betreffenden Staaten arbeiten nämlich die Planungsmängel von 40 Jahren Kommunismus auf, und irgendwann wird ihnen das gelingen. Wer aber rettet Österreichs Wirtschaft vor den eigenen Verkehrsministern?

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305
http://www.wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001