OeNB - Deutliche Verbesserung der Ertragssituation der österreichischen Banken im Jahresverlauf 2003

~ Direktor Christl präsentiert den Finanzmarktstabilitätsbericht 6 der OeNB ~

Wien (OTS) - "Die österreichischen Banken haben das schwierige
Jahr 2002 gut überwunden und die Ertragslage hat sich im bisherigen Jahresverlauf wieder deutlich verbessert", stellte der Direktor der Oesterreichischen Nationalbank Dr. Josef Christl bei der Präsentation der Ergebnisse der sechsten Ausgabe des Finanzmarktstabilitätsberichts der OeNB fest.

Das unkonsolidierte Betriebsergebnis der österreichischen Banken ist im 3. Quartal 2003 im Jahresvergleich um 7,4% gestiegen. Im Vergleich zur Entwicklung des ersten und zweiten Quartals, wo die Wachstumsraten bei 4,7% bzw. 6,4% lagen, zeigt sich eine weitere sukzessive Verbesserung der Ertragssituation. Auch die konsolidierten Ergebnisse, die insbesondere die Erträge und Aufwendungen der Tochterbanken im Ausland berücksichtigen, bestätigen diesen Trend. Verantwortlich für diese positive Entwicklung sind zum einen die konjunkturelle Lage, deren Ausblick für die kommenden Quartale sich seit Mitte 2003 verbessert hat, und zum anderen die Entwicklung der Aktienmärkte, die seit Mitte März wieder deutliche Kursgewinne verzeichnen.

Direktor Christl stellte weiters fest, dass die Bedeutung der Geschäfte aus den zentral- und osteuropäischen Ländern weiter zugenommen hat. Die Tochtergesellschaften der österreichischen Großbanken in Zentral- und Osteuropa liefern überproportionale Ergebnisbeiträge: mit einem Bilanzsummenanteil von knapp über 11% wird ein Periodenergebnisbeitrag von 31% erzielt. Für das gute Geschäftsergebnis in dieser Region sind vor allem die höheren Margen im Zins-, Provisions- und Handelsgeschäft, die stärkere Preisdurchsetzungskraft und eine günstige Kostenstruktur verantwortlich. Der bevorstehende EU-Beitritt und die positiven Wachstumsperspektiven dieser Länder stellen erfreuliche Rahmenbedingungen dar.

Dennoch dürfe nicht übersehen werden, dass die Ertragslage der österreichischen Banken im europäischen Vergleich unter dem Durchschnitt liege. "Die österreichischen Banken müssen ihre Handlungsspielräume aktiv nutzen und weitere Maßnahmen setzen, um die Kostenstrukturen und die Wettbewerbsfähigkeit noch weiter zu verbessern" meinte Direktor Christl.

Mit der Erholung der Aktienmärkte in den USA, Japan und im Euroraum beginnt sich auch die Performance der Lebensversicherungen, Investmentfonds und Pensionskassen wieder zu verbessern. Die aktuellsten Zahlen für das 3. Quartal 2003 zeigen, dass sich der Vermögensbestand der österreichischen Pensionskassen im Jahresvergleich um 14,7% auf 8,8 Mrd EUR erhöht hat. Direktor Christl wies darauf hin, dass "auch die österreichischen Pensionskassen vom deutlichen Kurszuwachs des ATX profitiert haben".

Seit Mitte der Neunziger Jahre haben die Unternehmen ihre Bilanzen umstrukturiert und der Anteil des Eigenkapitals am gesamten Kapitalbestand hat sich bis Mitte 2003 auf 25,9% erhöht. Für Direktor Christl ist die höhere Eigenkapitalquote ein Zeichen, dass die Risikotragfähigkeit des Unternehmenssektors gestiegen ist, da eine höhere Stabilität gegenüber konjunkturellen Schocks gegeben ist und mit der besseren Bonität die Kreditaufnahme erleichtert wird. Es ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Eigenkapitalquote der Unternehmen - trotz dieser Zuwächse - unter den Werten anderer Länder des Euroraums liegen.

Die nunmehr drei Jahre anhaltende Wirtschaftsschwäche dürfte die privaten Haushalte veranlasst haben, ihr Verschuldungsverhalten anzupassen, um eine Überschuldung bzw. Liquiditätsschwierigkeiten zu vermeiden. "Das Wachstum der Haushaltskredite hat sich weiter abgeschwächt und liegt nun bei knapp über 3%, obwohl die Zinsen für Privatkredite auf dem tiefsten Niveau der letzten Jahre liegen", stellte Direktor Christl fest. Auch wenn die Verschuldung der privaten Haushalte seit Mitte der Neunziger Jahre deutlich stärker gestiegen ist als die verfügbaren Einkommen, gehört Österreich im internationalen Vergleich zu den Ländern mit einer geringen Verschuldensquote. Weiterhin genau beobachtet wird die Entwicklung der Fremdwährungskredite, die bei den privaten Haushalten noch immer sehr beliebt sind. Aus stabilitätspolitischen Überlegungen ist die anhaltende Umschichtung von Fremdwährungskrediten in Japanischen Yen zu solchen in Schweizer Franken wegen der geringeren Wechselkursschwankungen zu begrüßen, wenngleich weiterhin Risikopotentiale bestehen.

Abschließend betonte Direktor Christl, dass die Risikotragfähigkeit der österreichischen Finanzintermediäre insgesamt positiv beurteilt werden kann. Die Banken konnten ihre Eigenmittelausstattung in den letzten Perioden trotz angespannter Wirtschaftslage stabil halten und waren daher in der Lage, auch in konjunkturell schwierigen Zeiten Risiken angemessen zu absorbieren.

Der Stabilitätsbericht der OeNB betrachtet nicht nur die Risikosituation der Banken und anderer Finanzintermediäre sondern auch die Lage im Unternehmens- und Haushaltssektor. Er enthält auch Studien zu aktuellen Schwerpunktthemen und ist auf der Website der OeNB unter www.oenb.at abrufbar.

Text und erklärende Grafiken aller Presseaussendungen werden auch auf http://www.oenb.at veröffentlicht.

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