- 14.12.2003, 09:00:00
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"trend": Kippt Deponieverordnung die Mülltrennung?
Mit dem Inkrafttreten der Deponieverordnung 2004 könnte es in Österreich zum Ende der strikten Abfalltrennung kommen.
Wien (OTS) - Christian Stiglitz, der für die Verpackungssammlung
im Haushaltsmüll zuständige Chef der Altstoffrecycling Austria (ARA)
an, kündigt in der am Dienstag erscheinenden Ausgabe des
Wirtschaftsmagazins "trend" an, seine bisher vehement propagierte
strikte Trennungs-Strategie ändern zu müssen: "Wir werden unser
Sammelsystem in Absprache mit den Kommunen umstellen müssen."
Verpackungen aus Kunststoff und Altmetall - bislang von den
Haushalten noch zu Gänze penibel aus dem Restmüll für die
Kunststoffsammlung auszusortieren - sollen in Zukunft in einem
einzigen gemeinsamen Behälter (und nicht mehr von der ARA) abgeholt
werden.
Der Hintergrund ist ein Systemwechsel in Österreichs
Abfallwirtschaft. Ab 2004 ist die Deponierung von Abfall nämlich nur
erlaubt, wenn er nicht mehr brennbar ist, also inert. Das heißt aber:
Der Müll muss erst einmal inertisiert, also vorbehandelt werden. Und
im Laufe der achtjährigen Vorlaufzeit zum Inkrafttreten der
eigentlich schon 1996 erlassenen Verordnung des Umweltministeriums
hat sich ein Trend zu der ehemals von der Ökobewegung striktest
abgelehnten Verbrennungstechnologien durchgesetzt. Müll als
Brennstoff ist allerdings umso wertvoller, je mehr Kunststoffanteile
er enthält, ein Aussortieren daher kontraproduktiv. Isabella Kossina,
Umweltstadträtin in Wien, im "trend" dazu: "Deponieren ist eine
Technik der Steinzeit, Verbrennen ist die des neuen Jahrtausends.
Ziel muss es sein, einmal alles zu verbrennen".
Das Problem für die ARA: 80 Prozent der PET-Getränkeflaschen
müssen dennoch gesetzlich wieder eingesammelt, 50 Prozent stofflich
wiederverwertet werden. Daher appelliert ARA-Chef Christian Stiglitz
händeringend auch an die Konsumenten, nicht das Kind mit dem Bad
auszuschütten: "Der Konsument darf nicht glauben, er hat jetzt zehn
Jahre lang einen Blödsinn gemacht - die Flaschen müssen weiter
getrennt gesammelt werden".
Dass Metalle in Zukunft in vielen Regionen nicht mehr getrennt
gesammelt werden hat folgenden Grund: Der Trend zur Müllverbrennung
bedeutet auch gleichzeitig eine Zentralisierung der Müllströme in
Anlagen größerer Kapazität. Und dort ist die mechanische Trennung von
Altmetallen wirtschaftlicher, als sie getrennt aus den einzelnen
Haushalten abzuholen.
Rückfragehinweis:
trend Redaktion Tel: 01/53470-3402
OTS0006 2003-12-14/09:00
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