Einem zu BSA-Forschungsbericht: Vergangenen Dingen ins Auge schauen, um voranschreiten zu können

BSA präsentiert Zwischenbericht über die eigene Rolle bei der Reintegration ehemaliger Nationalsozialisten

Wien (SK) "Man muss vergangenen Dingen ins Auge schauen, um in die Zukunft schreiten zu können", begründete BSA-Präsident Caspar Einem am Mittwoch die Erstellung eines Forschungsberichts über "die Rolle des BSA bei der gesellschaftlichen Reintegration ehemaliger Nationalsozialisten". In einem Pressegespräch bezeichnete Einem den Zwischenbericht zu den Forschungsergebnissen als "ausgesprochen spannend", da er die Rolle des BSA im Umgang mit ehemaligen Nationalsozialisten nach 1945 in wissenschaftlicher Weise offen lege. Auch Wolfgang Neugebauer, wissenschaftlicher Leiter des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes, betonte, dass es sich bei der Methode des Forschungsberichts "nicht um Enthüllungsjournalismus, sondern um eine seriöse wissenschaftliche Untersuchung handelt". Ziel sei es, die komplexen politischen und gesellschaftlichen Prozesse in Österreich nach 1945 sichtbar zu machen, die zu der Reintegration ehemaliger Nationalsozialisten führten. ****

Als "gerade noch rechtzeitig" bezeichnete Caspar Einem den Zeitpunkt für die Studie über den BSA nach 1945, weil "viele, die in der NS-Zeit eine Rolle gespielt haben, heute schon sehr alt sind". Man müsse sich nun die Frage stellen, welche Möglichkeiten außer der Reintegration ehemaliger Nazis nach dem zweiten Weltkrieg bestünden hätten - "Wenn nur eine kleine Minderheit in Österreich an dem Regime beteiligt gewesen wäre, hätte man rechtlich scharf vorgehen können, bei dieser Masse an beteiligten Personen war das aber schwer möglich." Dennoch sei es aus heutiger Sicht "erschreckend", dass gerade die antifaschistisch geprägte Sozialdemokratie Rekrutierungen im Lager ehemaliger Nationalsozialisten vorgenommen hat und nicht die Rückholung der Vertriebenen forciert hat - "das ist der eigentliche Hammer", so Einem. Im ersten Halbjahr 2004 werde der BSA daher eine Serie von Veranstaltungen organisieren, um eine ausführliche Beschäftigung mit der speziellen österreichischen Vergangenheit zu ermöglichen.

Angesichts der immer stärker werdenden Kritik an den "braunen Flecken" innerhalb der SPÖ und des BSA sei die "selbstkritische Auseinandersetzung mit diesem Thema eine unausweichliche Notwendigkeit" gewesen, bestätigte Wolfgang Neugebauer. Er verwies auf die Diskussion über den Fall Gross. Der Forschungsbericht werde eine "kritische Bewertung der Vergangenheit des BSA ermöglichen, ohne moralisierend zu werden", fuhr Neugebauer fort. Der ausführliche Endbericht mit detaillierter Darstellung der Rolle einzelner Personen erscheint im Frühjahr 2004, kündigte Neugebauer an.

Der Zwischenbericht über "die Rolle des Bundes Sozialistischer Akademiker (BSA) bei der gesellschaftlichen Reintegration ehemaliger Nationalsozialisten" steht im Wortlaut als Download unter www.bsa.at zur Verfügung. (Schluss) dp

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