Abschmelzen der Polar- und Gletschereis-Regionen führt zu weltweitem Klimawandel

Neues Buch zur Kryosphäre auf COP9 in Mailand präsentiert

Wien/Mailand (OTS) - Das Eis in den Polarregionen, in Grönland und die Gletscher in aller Welt schmelzen in alarmierender Geschwindigkeit entsprechend dem weltweiten Temperaturanstieg. Das Abschmelzen der so genannten Kryosphäre kann dramatische Auswirkungen auf das zukünftige Weltklima haben, befürchtet ein Team von Wissenschaftlern in einem neuen Buch. Das 2004 erscheinende Werk "Mass Balance of the Cryosphere", das von Dr. Jonathan Bamber und Dr. Anthony Payne von der Universität Bristol herausgegeben wird, wurde von einem Team aus 23 Wissenschaftlern geschrieben.

Die Kryosphäre umfasst den gesamten gefrorenen Boden und das Eis auf der Erdoberfläche. Dazu zählen die arktischen und antarktischen Regionen, Grönland, die Gletscher und das Meereseis. Der Zustand der Kryosphäre ist ein wichtiger Indikator für den kurz- und langfristigen weltweiten Klimawandel. "In der Arktis, Westantarktis und auf den Gletschern sind Eis- und Schneemengen weltweit rückläufig. Inzwischen gibt es wissenschaftliche Einigkeit darüber, dass die weltweite Durchschnittstemperatur im Laufe dieses Jahrhunderts steigen wird und dass dadurch das Risiko für diese klimatisch sensiblen Gebiete steigen wird", sagt Dr. Bamber, der heute auf der Weltklimakonferenz in Mailand spricht.

"Die meisten Menschen verstehen nicht, dass es hier nicht nur um den Verlust von unberührter Natur geht. Wenn das Eis der Arktis abschmilzt und vermehrt Süßwasser in den Ozean fließt, dann verändern sich damit die Meeresströmungen, die in Teilen Europas Europa bis jetzt für ein relativ mildes Klima sorgten. Der Golfstrom könnte sich bald verlangsamen oder gänzlich aufhören", so Bamber. Dadurch kann sich das weltweite Meeresströmungssystem verändern. Die Wissenschaftler betonen, dass die Zusammenhänge zwischen dem schmelzenden Eis und dem Weltklima bisher unterschätzt worden sind.

"Das abschmelzende Welteis ist ein klares Signal dafür, dass die Regierungen in der Welt ihre Verpflichtungen im Rahmen der Klimakonvention verletzt haben. Der Klimawandel findet bereits statt und die Versäumnisse besonders von den USA, Australien und Russland sind eine Kriegserklärung an die kommenden Generationen und die Armen in den Entwicklungsländern", stellt Steve Sawyer, politischer Direktor von Greenpeace International, auf der heutigen Pressekonferenz von Greenpeace in Mailand fest. Die wichtigsten Erkenntnisse des Forscherteams sind:

  • Die Menge des arktischen Sommereises hat in den letzten 20 Jahren dramatisch abgenommen und könnte im Laufe der nächsten Hundert Jahre völlig verschwinden.
  • Die grönländische Eismasse - die größte Eismasse in der nördlichen Hemisphäre - verliert an den Rändern ständig an Masse. In den nächsten 500 bis Tausend Jahren könnte die Hälfte dieses Eises abschmelzen, was einen Anstieg des Meeresniveaus um drei Meter bedeuten würde.
  • Ein Anstieg des Meeresniveaus um nur 1,5 Meter würde allein in Bangladesh die Siedlungsgebiete von 17 Millionen Menschen gefährden.
  • Wenn sich die Feuchtigkeitsverteilung in der Arktis und in Nordeuropa verändert, bedeutet das eine erhöhte Menge an Niederschlägen und ernsthafte Klimaveränderungen.
  • Durch die gesteigerte Speicherung der Sonnenwärme auf der arktischen Schneedecke wärmt sich die Arktis weiter auf. Das bedeutet den Verlust der natürlichen Lebensräume für Eisbären, Seehunde und andere arktische Tiere.
  • Durch das Abschmelzen der Gletscher werden die Trinkwasserversorgung, die Landwirtschaft und die Energiegewinnung gefährdet.

Rückfragen & Kontakt:

MMag. Franko Petri, Pressesprecher Greenpeace, tel. 01-5454580-29 oder 0676-5147246.
Louise Fraser, Pressesprecherin Greenpeace International (in Mailand), tel. +61 409-993568.
Dr Jonathan Bamber, Ko-Autor des Buches, tel. +44-7990-818093.
Steve Sawyer, Politischer Direktor Greenpeace International, tel. +31-6-53504715.
Beta-Video zum Klimawandel: Martin Atkin, Greenpeace Video-Desk Amsterdam, tel. +31-6-27000057.
Eine Zusammenfassung des Buches kann unter www.greenpeace.org/cop9 herunter geladen werden.

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