Weltstadtmedizin 2: Bedarf an medizinischen Leistungen steigt

Versorgungslücken auch in Wien - State of the Art nicht überall erfüllt

Wien (OTS) - 22 Prozent der über 75-jährigen Österreicher leben in Wien. Das sind rund 128.000 Personen, davon sind zwei Drittel Frauen. In diesen Bevölkerungsgruppen ist der Bedarf an medizinischen Leistungen am größten. Ein großer Teil der älteren und alten Menschen in Wien leben in Einpersonen-Haushalten. Damit sind die familiären Hilfs- und Betreuungsmöglichkeiten geringer und der Bedarf an medizinischen und pflegerischen Leistungen steigt. Darauf wiesen Experten heute, Freitag, bei einer Pressekonferenz der Ärztekammer hin.****

Mit zunehmendem Alter steigt die Häufigkeit von vielen Krankheiten stark an. Höheres Lebensalter an sich ist ein Risikofaktor für Arteriosklerose, Bluthochdruck, Schlaganfall, Herzinsuffizienz, Diabetes, Übergewicht, et cetera. 96 Prozent der Personen zwischen dem 55. und dem 74. Lebensjahr haben mindestens einen oder sogar mehrere Risikofaktoren für eine Herz-Kreislauferkrankung. Dementsprechend steigt auch die Häufigkeit von Arztkontakten mit dem Alter an.

Wien hat ein anderes Krankheitsspektrum

Jährlich erkranken in etwa 7000 Wienerinnen an Krebs. Mit 426 neuen Fällen pro 100.000 Einwohner liegt die Bundeshauptstadt auch hier an der Spitze. Bei den Todesursachen liegen bösartige Tumoren in Wien an der zweiten Stelle. Nahezu jeder vierte Todesfall ist auf eine Krebserkrankung zurückzuführen, wobei Männer etwas mehr betroffen sind als Frauen. Im Jahr 2001 starben in Wien 4019 Menschen an einer bösartigen Neubildung.

Fast die Hälfte aller österreichischen AIDS-Erkrankungen seit 1983 wurden in Wien registriert. Die Betreuung dieser Patienten findet an einigen spezialisierten Krankenhausabteilungen statt und ist sehr aufwändig.

Behandlung nach internationalen Standards

Die Medizin entwickelt sich ständig weiter. Durch laufend veröffentlichte Großstudien aus den USA ergeben sich neue Richtlinien für die Behandlung. Diese sind auch juristisch gesehen relevant. So wurde zum Beispiel die Grenze für einen normalen Blutdruck von 160/95 auf 135/85 herabgesetzt. Damit wurde schlagartig eine große Zahl von Menschen behandlungsbedürftig.

In der täglichen Praxis ist die Realität von den Vorgaben des State of the Art noch weit entfernt. In Wien werden grundsätzlich mehr Patienten nach den derzeit gültigen Behandlungsrichtlinien therapiert. Die Wienerinnen und Wiener werden also etwas besser behandelt als in Restösterreich. Trotzdem sind noch lange nicht alle gut versorgt.

Weltstädte haben mehr Ärzte und einen besseren Zugang

Sowohl im stationären als auch im niedergelassenen Bereich stehen den Wienerinnen und Wienern mehr Ärztinnen und Ärzte zur Verfügung als dem Durchschnittsösterreicher. Bei genauer Analyse fällt auf, dass es bei der Anzahl von Allgemeinmedizinern keinen großen Unterschied gibt. In der Großstadt sind Fachärzte jedoch zahlreicher vorhanden. Im innerösterreichischen Vergleich fällt auf, dass die drei österreichischen Städte, die über eine medizinische Fakultät verfügen (Wien, Graz, Innsbruck), eine ähnlich hohe Ärztedichte aufweisen. In ländlich peripheren Regionen wie dem Mühlviertel, dem Innviertel, dem Tiroler Oberland, dem Bregenzer Wald oder Oberkärnten stehen die wenigsten Ärztinnen und Ärzte zur Verfügung.

Dorner zusammenfassend: "Trotz der Besserversorgung in Wien gibt es auch in der Bundeshauptstadt Versorgungslücken. Darüber hinaus ist beispielsweise in ganz Österreich kein einziger Facharzt für Kinder-und Jugendpsychiatrie mit Kassen niedergelassen. Psychisch kranke Kinder und Jugendliche haben in unserem Land nur die Universitätskliniken als Ansprechpartner."

Wien habe zwar eine um 47 Prozent höhere Kassenarztdichte als Gesamt-Österreich, die Wiener Gebietskrankenkasse gebe aber pro Kopf nur um 17 Prozent mehr für ärztliche Hilfe aus. Dorner: "Das bedeutet, dass die Honorare pro Kassenarzt in Wien generell niedriger sind als in den Bundesländern. Mehr Ärztinnen und Ärzte kosten also nicht im selben Ausmaß mehr Geld." Die Regierung müsse endlich bereit sein, entsprechende finanzielle Rahmenbedingungen zu schaffen, um das medizinische Topniveau in Österreich zu halten beziehungsweise bei Versorgungslücken einen Aufholprozess in die Wege zu leiten. Und:
"Wien muss seiner medizinischen Sonderstellung gerecht werden und noch mehr Anstrengungen unternehmen, um die speziellen Anforderungen, die an eine Großstadt gestellt werden, zu erfüllen", so Dorner abschließend. (bb)

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