"Die Presse" - Kommentar: "Nicht die feine englische Art" von Christine Domforth

Ausgabe vom 3.12.2003

Wien (OTS) - Es ist nicht gerade die feine englische Art, wenn die BA-CA ihren Mitbewerber Erste Bank jetzt mit Beschwerden vor diversen nationalen und EU-Instanzen eindeckt. Immerhin existiert die nun angeprangerte Rechtslage seit mehr als einem Jahr. Mit eine Rolle gespielt haben dürfte neben persönlichen Rivalitäten zwischen den Generälen der beiden Großbanken vor allem der Neid auf den Höhenflug der Erste Bank-Aktie - obwohl auch die BA-CA-Aktie sich nach einem verpatzten Börsendebüt im Sommer ausgezeichnet entwickelt hat. Dass die Erste Bank kürzlich der BA-CA die ungarische Postabank vor der Nase weggeschnappt hat, spielt wohl ebenso eine Rolle wie die Tatsache, dass der von Erste-Bank-Chef Treichl auf die Beine gestellte österreichische Sparkassenverbund auch in Deutschland viel beachtet wurde. Bevor die deutschen Sparkassen ähnliches durchziehen, was der BA-CA-Mutter HypoVereinsbank im innerdeutschen Wettbewerb natürlich alles andere als recht sein kann, wird man vorsichtshalber in Österreich aktiv. Und nicht zuletzt könnte die BA-CA mit ihrer Aktion von ihren diversen Stiftungen ablenken, die in Branchenkreisen für zumindest ebenso hitzige Debatten sorgten wie der Haftungsverbund.
Wie die Causa nun ausgeht, ist offen. Schule machen sollte sie nicht, denn mit ernsthafter Arbeit ist im Bankgewerbe mit Sicherheit weitaus mehr Staat zu machen als mit juristischen Scharmützeln.

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