Geplante Fristverlängerung bei Vorsteuer eklatanter Vertrauensbruch der Regierung

Kallinger: "Geplante Finanzmaßnahme trifft ohnehin schwache Immobilien- und Baukonjunktur ins Herz und kommt einer Zerstörung der Eigentumsbildung bei Miet-Kauf-Modellen gleich"- ÖVP konterkariert den von ihr propagierten Gedanken der Eigentumsbildung

Wien (PWK862) - "Die Pläne des Finanzministers, den Zeitraum für die Geltendmachung des Vorsteuerabzugs bei Baukosten von bisher 10 auf 20 Jahre zu verlängern, bedeuten einen schweren Schlag für die kostengünstige Eigentumsbildung an geförderten Mietwohnungen und stellen einen eklatanten Vertrauensbruch dar, da die geplante Regelung sogar für bestehende Verträge (also rückwirkend) in Kraft treten soll", kritisiert Winfried Kallinger, der Vorsitzende des Bauträgerausschusses und Sprecher der Berufsgruppe der gewerblichen Bauträger im Fachverband der Immobilientreuhänder in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).

"So ist beispielsweise im Wiener Wohnbauförderungsgesetz vorgesehen, dass Mieter, wenn sie Eigenmittel in das Projekt eingebracht haben, nach 10 Jahren einen Rechtsanspruch auf Erwerb ihrer Wohnung ins Wohnungseigentum haben. Zu diesem Zeitpunkt wäre nach bisheriger Regelung die Umsatzsteuer auf die Baukosten bereits 'abgedient' und würde sich somit nicht mehr kostenmäßig auswirken", erläutert Kallinger den Status quo.

Nach den derzeit vom Finanzminister geplanten Änderungen im Bereich der umsatzsteuerlichen Behandlung von Gebäuden wäre laut Immobilien-Experten bei Ausübung der Eigentumsoption zusätzlich noch der halbe Umsatzsteuerbetrag kostenwirksam und müsste von den Erwerbern aufgebracht werden: "Durchschnittlich sind das 150 bis 170 Euro je Quadratmeter, bei einer 90-Quadratmeter-Wohnung also rund 13.500 bis 15.300 Euro. Bei einem durchschnittlichen baren Wert von etwa 700 Euro je Quadratmeter Wohnfläche, der bei Geltendmachung der Eigentumsoption vom bisherigen Mieter aufzubringen wäre, bedeutet diese zusätzliche Belastung durch die Umsatzsteuer also eine Erhöhung des Kaufpreises um etwa 25 Prozent", rechnet Kallinger vor.

Alle diejenigen, die bei Vertragsabschluss - und das noch vor wenigen Wochen - davon ausgegangen sind, dass sie nach Ablauf der zehnjährigen Berichtigungsfrist beim Kauf einer Wohnung diese ohne Umsatzsteuer erwerben können, müssen nun entweder 10 Prozent Umsatzsteuer (Vorsteuerberichtigung) bezahlen oder für weitere 10 Jahre mieten. Das betrifft insbesondere den Verkauf von Wohnungen an Wohnungsmieter (z.B. durch gemeinnützige Wohnbaugenossenschaften) und Vorsorgewohnungsmodelle. Genannte Vorsorgemodelle haben sich als Konjunkturspritze gut bewährt und sind wichtige Faktoren für die Vermögens- und Zukunftssicherung geworden. Sie wären durch die Neuregelung schwerst betroffen und in Zeiten der Pensionsreform ein wahrer Tiefschlag.   

"Bei allem Verständnis für die Budgetnöte des Finanzministers kann es doch nicht angehen, dass eine derart unkoordinierte und investitionshemmende Finanzmaßnahme die ohnehin schwache Immobilien-und Baukonjunktur derart ins Mark trifft und den gerade von der ÖVP immer wieder propagierten Gedanken der Eigentumsbildung an günstigen geförderten Wohnungen zunichte macht", so Kallinger. Stattdessen empfehlen die Immobilienexperten in der Wirtschaftskammer die Beibehaltung der bisherigen Regelung, da der zehnjährige Berichtigungszeitraum EU-rechtlich gedeckt ist. (JR)

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