Passivhaussiedlung bringt Klimakomfort und schont Umwelt

Faymann und Chorherr präsentieren Pilotprojekt - Lehner: Floridsdorf als ökologischer Vorreiter-Bezirk

Wien (OTS) - "Die erste Wiener Passivhaussiedlung ist ein Pilotprojekt für möglichst umweltschonendes, energiesparendes Wohnen bei hohem Wohnkomfort. Dieses Vorhaben ist eines von insgesamt 23 für diese Legislaturperiode vereinbarten rot-grünen Projekten. Die bei diesem Projekt gemachten Erfahrungen bei Planung, Bau und Wohnen werden mit dem Ziel der Weiterentwicklung ökologischer Standards in Wien evaluiert. Aufgrund des großen Interesses an diesem Bauträgerwettbewerb - 33 Bewerber haben mitgemacht - sind nach diesem Pilotprojekt weitere Passivhaus-Bauträgerwettbewerbe geplant. Dieses Pilotprojekt wird dazu beitragen, die ökologischen Standards im Wiener Wohnbau weiter zu erhöhen. Bereits heute benötigen geförderte Neubauten (Niedrigenergiestandard) nur noch ein Viertel der Heizenergie eines Wohnhauses, das in den 70er Jahren errichtet worden ist. Bei Passivhaus sinkt der Energieverbrauch um weitere 50 Prozent", erklärten Wohnbaustadtrat Werner Faymann und Grünen-Klubobmann Christoph Chorherr.

Der Floridsdorfer Bezirksvorsteher Heinz Lehner bekräftigte, dass Floridsdorf sich seit Jahren aktiv für ökologische Neuerungen einsetzt. Er sei deshalb froh, dass Wiens erste Passivhaus-Siedlung im 21. Bezirk realisiert werde und verwies darauf, dass sich auch die "Autofreie Mustersiedlung" in Floridsdorf befinde.****

2005 werden die etwa 400 Bewohner der ersten Wiener Passivhaussiedlung ihre neuen Wohnungen beziehen. Der Heizbedarf eines Passivhauses liegt mit 15kWh pro m2 Nutzfläche und Jahr um 80 Prozent unter dem Wert herkömmlicher Gebäude. Die Heizlast darf maximal 10 W betragen. Dieser Wert ist so gering, dass ein Zimmer in diesem Haus bereits mit der Wärme von zwei Glühbirnen beheizt werden kann. Auch im Vergleich zum sehr energiebewussten Niedrigenergiehaus setzt das Passivhaus neue Maßstäbe. Es kommt sogar ohne konventionelle Heizung aus. Dennoch verfügen die Insgesamt 163 Wohnungen als Ergänzung über einen Fernwärmeanschluss. Darüber hinaus zeichnet es sich durch folgende Kriterien aus:

o Durch eine spezielle Dämmung, die aus mehreren Schichten mineralischer, biogener und unbrennbarer Baustoffen besteht und eine hochwirksame thermische Speichermasse darstellt. o Durch Kälte- bzw. Wärmebrückenfreiheit. o Durch eine Beheizung zu 80 Prozent durch Rückgewinnung der Wärme aus der Abluft ("Kreuzwärmetauscher)". Dabei wird die Wärme der austretenden Luft an die eintretende Frischluft abgegeben. o Durch Erdkollektoren, die die Erdwärme nutzen und Solaranlagen, die für Warmwasserbereitung und Raumheizung eingesetzt werden. o Durch besonderen Wohnkomfort und angenehmes Wohnklima, der durch laufende Frischluftzufuhr gewährleistet wird.

Energieverbrauch deutlich gefallen

Durch Vorgaben der Stadt sind die Energie-Einsparungen im Wohnbereich enorm. Das wird durch einen Vergleich der durchschnittlichen Heizkosten für unterschiedliche Bauperioden deutlich: (Berechnet für eine 80 m2 große Wohnung)

o 70er Jahre-Standard: (120 bis 200 kWh pro Jahr und m2) Heizkosten pro Jahr: rund 550 Euro o 90er Jahre-Standard (80 kWh pro Jahr und m2) Heizkosten pro Jahr: rund 360 Euro o Niedrigenergiehaus (35 bis 50 kWh pro Jahr und m2) Heizkosten pro Jahr: rund 210 Euro o Passivhaus: (15 kWh pro Jahr und m2) Heizkosten pro Jahr: rund 60 Euro

Großes Interesse am Bauträgerwettbewerb

Eine Machbarkeitsstudie der Projektgemeinschaft raumkommunikation/Consult S kam im Februar 2002 zu dem Schluss, dass eine großvolumige Passivhaussiedlung im Rahmen der geltenden Wohnbauförderungskriterien realisierbar ist. Daraufhin wurde der WBSF beauftragt, passende Grundstücke für das Projekt vorzuschlagen. Letztendlich fiel die Entscheidung auf die Adresse Kammelweg 10-12, Rudolf-Virchow-Straße 10. Dieser Standort zeichnet sich neben einer guten Infrastruktur durch besonders große Freiflächen aus.

Die öffentliche Verkehrsanbindung ist durch die Straßenbahnlinie 26 an der Prager Straße mit Haltestelle direkt bei der Rudolf Virchow-Straße sowie durch die Autobuslinien 33B, 232 und 533 gegeben. Auch die Schnellbahn ist mit der S-Bahnstation Jedlersdorf im Nahbereich (Entfernung etwa 500 m).

Für die konkrete Umsetzung des Projekts wurde der Bauträgerwettbewerb in zwei Etappen durchgeführt. Der Vorteil eines zweistufigen Verfahrens besteht darin, dass jenen Bauträgern, die aufgrund der Einreichung keine Aussicht auf den Gewinn des Wettbewerbs haben, geringere Kosten für die Projektplanung entstehen. In der ersten Stufen haben 33 Bewerber ihre grundlegenden Ideen für die Passivhaussiedlung eingereicht. Daraus wählte die Jury im Oktober 2002 nach einem vorher festgelegten Punktesystem jene 11 Projekte aus, die an der zweiten Phase teilnehmen konnten. Die übliche Wettbewerbsjury wurde dabei um Experten für Klimaschutz, Ökologie und Freiraumplanung erweitert. Neben dem Passivhausstandard wurden im Zuge des Bauträgerwettbewerbs weitere Qualitäten berücksichtigt. Vor allem ein erweitertes Angebot an Grünflächen, weit gehende Mitbestimmungsmöglichkeiten der künftigen Bewohner in der Planung und Umsetzung (Grundrisse, Gemeinschaftsräume etc.). Im Herbst 2003 wurden schließlich die beiden Siegerprojekte des Bauträgerwettbewerbs ermittelt.

Siegerprojekte

Das erste Siegerprojekt umfasst 81 geförderte Mietwohnungen

o Bauträger: Gemeinnützige Bauvereinigung Wohnungseigentum Ges.m.b.H. 1050 Wien, Grohgasse 3/2. Stock Tel. 403 94 16 o Architekt: s & s Architekten Dipl.-Ing. Cornelia Schindler Dipl.-Ing. Rudolf Szedenik 1090 Wien, Esterhazygasse 18A Tel. 587 26 24

Um Passivhaus-Qualität zu erreichen, ist eine robuste Konstruktion mit thermischer Trennung der Gebäudeteile mit einer monolithischen Außenhülle aus Prottelith (Leichtbeton mit Styroporzuschlag) vorgesehen. Thermische Behaglichkeit, hoher Lufterneuerungsgrad und wenige Wärmebrücken sind die Hauptkriterien dieses Gebäudetypus. Die Prüfung der Gebäudehülle auf Luftdichtheit (Blower-Door-Test) ist vorgesehen. Die einfache Bauausführung sieht die Loggien und Terrassen als selbsttragende Konstruktionen vor, sodass keine thermische Verbindung mit dem Passivhauskörper aus Beton entsteht.

Weitere Vorteile dieses Passivhauses sind: Verlustminimierung durch Kompaktheit des Baukörpers und hohe Wärmedämmung, passive Solarnutzung durch wärmegewinnoptimierte Fenster, Nutzung von Erdwärme und Abluftwärme. Bei individuellem Bedarf ist das regelbares Nachheizen im Winter durch Fernwärme möglich. Die Grundzüge des Energiekonzeptes sehen die Verwendung möglichst einfacher, praktikabler, langlebiger Techniken vor. So ist die Restwärmeversorgung für Warmwasser auch durch Fernwärme vorgesehen. Auf Grund der zentralen Lüftungsanlage und Warmwasseraufbereitung wird der Wartungsaufwand gering gehalten, wobei das Konzept der zonalen Nachheizregister weiterhin die individuelle, raumweise Einstellung der Raumtemperatur ermöglicht. Durch die Verwendung eines Luft/Erdwärmetauschers ist eine Vorwärmung der Frischluft im Winter und eine Vorkühlung im Sommer gegeben. Die Stromversorgung ist durch CO2-frei produzierten Grünstrom der Wienstrom vorgesehen, welche sich durch ein besonders günstiges Tarifmodell sowie etwaige Zusatzleistungen auszeichnet.

Den ökologischen Aspekten des Passivhauses wird durch Einsparung bei Energie- und insbesondere Wasserverbrauch (wassersparende Armaturen, Wasserspartaste, wohnungsweise Kaltwasserzähler, Gartenbewässerung durch Brunnenanlage, etc.) Rechnung getragen. Zusätzlich wird auf baubiologische Kriterien geachtet, besonders hinsichtlich der Baumaterialien in der Innenausstattung (inklusive emissionsarmer, lösungsmittelfreier Klebstoffe) und sonstiger Qualitäten (z.B. weit gehende PVC-Vermeidung).

Als Qualitätssicherungsmaßnahme nach der Zertifizierung des Passivhauses ist ein "Gebäudepass" vorgesehen, der z.B. die regelmäßige Wartung der Passivhausanlagen sicherstellt. Weiteres wird die Nutzerfreundlichkeit des Passivhauses durch hohe Informationsdichte (Info-Folder "Wohlfühlen in Passivhaus", CD-Rom zum Thema Passivhaus und einer spezifischen Homepage) gegenüber den BewohnerInnen unterstrichen, die Selbstorganisation der Nutzer wird durch optimale, bedarfsorientierte Einschulung mit Unterstützung durch einen Hausbetreuer für Passivhausangelegenheiten forciert. In der Halle selbst wird zur Information der Nutzer ein Info-Point mit Display über die Zahlen zum aktuellen Energieverbrauch des Passivhauses eingerichtet.

Wohnqualitäten

Das Projekt besteht aus einem L-förmigen Ost-West sowie Nord-Süd orientierten Baukörper

Private Freiflächen:

o Loggien o Terrassen o Mietergärten

Großzügiges Freiraumkonzept:

o zentraler Platz zu den anderen Wohngebäuden der Wohnhausanlage Kammelweg/Rudolf Virchow Straße orientiert o dicht blühende urwüchsige Grünflächen mit alten Bestandsbäumen und Sträuchern sowie Mietergärten o heckenbepflanzte Sitzplatzbereiche o Kinder- und Kleinkinderspielplatz in durch Baum- und Strauchpflanzung geschützten Bereichen

3-geschossige Eingangshalle als Kommunikations- und Erschließungsraum für Wohnbereiche und Gemeinschaftseinrichtungen wie:

o Kinderspielraum o Jugendraum o Fitnessraum o natürlich gekühlte Einlagerungsräume für Obst und Gemüse im Untergeschoss o Kinderwagen- und Fahrradabstellräume

Das zweite Siegerprojekt umfasst 82 geförderte Eigentums-Wohnungen

o Bauträger: Schertler-Alge-GmbH Hofsteigstraße 4 6923 Lauterach Tel. 05574 6888 o Architekten: DI Hermann Kaufmann GmbH/ Johannes Kaufmann Architektur

Das Gebäude teilt sich in zwei thermische Zonen, die beheizten Wohnflächen und den unbeheizten Atriums-, Nebenraum- und Erschließungsbereich, wobei letzterer die thermische Pufferzone zum Außenbereich darstellt. Die beheizten Gebäudeteile (Wohnungen und Atelierräume) erreichen auf Grund des strikten, über die Gebäudehöhe variierten Wärmeschutzes in allen Ebenen (inkl. Dachgeschoss) ein komfortables Raumklima. Die Konstruktion basiert auf einer Mischbauweise, der Schottenbauweise aus Stahlbetonfertigteilen und einem nichttragenden, vorgefertigten, hochwärmegedämmten Leichtbaufassadensystem in Holzbauweise. Der Brandschutz im Fassadenbereich wird mittels Brandschürzen aus zementgebundenen Spannplatten gewährleistet. Zur Vermeidung von Wärmebrücken sind die vorgelagerten Loggien nur punktuell mit der Primärkonstruktion verbunden und somit so weit als möglich thermisch getrennt.

Der haustechnische Ansatz sieht lüftungsmäßig die Außenluftzufuhr über Dach vor, wobei die Frischluft vorgewärmt wird. Bedienungsfreundliche, durch die Fernwärme gespeiste Nachheizelemente sehen für Nutzer Einzelraumthermostate vor. Spezialausstattungen wie z.B. ein zusätzlicher Kleinheizkörper als Handtuchtrockner im Badezimmer sind vorgesehen. Hinsichtlich Bedienerfreundlichkeit ist eine zentrale Wartungsöffnung pro Wohnung vorgesehen.

Eine bauliche Sonderlösung stellt die verglaste Halle dar, die in der Decke bis zu 70 % verglast und mit einem innenliegenden automatischen Sonnenschutz (Rollscreen) ausgestattet ist. Um eine Überhitzung zu vermeiden sind seitlich automatische Lüftungsklappen vorgesehen, um ein wohl temperiertes Klima von mindestens 12 Grad im Winter und höchstens 28 Grad im Sommer zu erreichen. Es wird ein "Gebäudepass" eingeführt, der die Qualitätsanforderungen an den Schallschutz und die Innenraumluftqualität, der elektromagnetischen Belastung sowie die Helligkeit und Besonnung bewertet und hinsichtlich der einzuhaltenden Schwellwerte misst. Zur Einschulung der Bewohner wird eine Gebrauchsanleitung erstellt, die Information, Aufklärung und Wissen über alle Aspekte der Passivhausanlage beinhaltet. Zudem wird eine eigene Hauswebpage mit Nutzerforum eingerichtet.

Wohnqualitäten

Die Anlage besteht aus drei Baukörpern und einer mehrstöckigen zentralen verglasten Halle mit Kommunikationsflächen.

Laubengangerschließung über 2 Stiegenhäuser von zentralen Atrium ausgehend

private Freiräume:

o Loggien o Terrassen o Mietergärten

Freiraum: Das Freiraumkonzept sieht die Erhaltung und Entwicklung des Grünbestandes mit einer Verknüpfung des angrenzenden Augebietes vor

Halböffentliche Bereiche für div. Freizeitaktivitäten

Gemeinschaftsräume:

o Cafe-Ecke o Krabbelecke o Waschküche o Kinderwagen- und Fahrradabstellraum o Büro- und Geschäftsflächen für Atelierzwecke

Die beiden Bauträger werden Interessenten ab sofort über die gemeinsame Plattform http://www.passivhaus-wien.at/ vielfältige Informationen über die geplanten Projekte anbieten.

Modelle und Abbildungen der Siegerprojekte sowie weiterer Wettbewerbsteilnehmer sind im Wohnservice Wien (2, Taborstraße 1-3) bis Jahresende zu besichtigen.

rk-Fotoservice: http://www.wien.gv.at/ma53/rkfoto/

(Schluss) gmp

Rückfragen & Kontakt:

PID-Rathauskorrespondenz:
http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Mag. Gerd Millmann-Pichler
Tel.: 4000/81 869
mil@gws.magwien.gv.at

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