Vassilakou: "Ablehnung eines Denkmals für homosexuelle Opfer beschämend, unsensibel und falsch!"

Wiener Grüne laden Mailath-Pokorny ein, seine Ablehnung nochmals zu überdenken.

Wien (Grüne) - In der heutigen Sitzung des Kulturausschuss wird Stadtrat Mailath-Pokorny in einem Bericht das Angebot der Wiener Grünen an die Stadt Wien, ein eigenes Mahnmal für homosexuelle Opfer des NS-Regimes zu errichten, ablehnen. Begründet wird dies mit dem Hinweis, dass das Hrdlicka-Denkmal am Albertinaplatz ohnehin für alle Opfer errichtet worden sei. Grün-Stadträtin Maria Vassilakou ist über diese Begründung entsetzt: "Mailath-Pokorny hat offensichtlich die neuere Zeitgeschichte nicht mitbekommen. Sonst wüsste er, dass bei der Eröffnung dieses Denkmals 1988 ein Transparent mit der Aufschrift ‚1000e homosexuelle KZ-Opfer warten auf Rehabilitierung', das von Lesben und Schwulen mitgebracht wurde, beschlagnahmt wurde und die Polizei die AktivistInnen der ‚Homosexuellen Initiative Wien' damals abgedrängt hatte. Sogar die Historikerin Erika Weinzierl hat nachträglich betont, sie hätte in ihrem Text auf die homosexuellen Opfer vergessen!"

Die Menschenrechtssprecherin der Wiener Grünen hat die Errichtung eines Mahnmals für homosexuelle Opfer damit begründet, dass die Verfolgung schon vor dem NS-Regime, als auch danach, bis zur Aufhebung des Totalverbots der Homosexualität 1971, weitergegangen ist. Homosexuelle Opfer hatten daher kaum Möglichkeit den an ihnen begangenen Terror des NS-Regimes öffentlich zu machen. Vassilakou:
"Bis heute besteht kein Rechtsanspruch für homosexuelle Opfer, da das bisher von ÖVP, FPÖ und bis vor kurzem auch von der SPÖ abgelehnt wurde. Es leben nur noch wenige ehemalige NS-Opfer in unserer Mitte. Daher ist jetzt, 2003, die Zeit genau richtig, ein Zeichen der Versöhnung und des Respekts zu setzen. Zudem ist ein solches Mahnmal auch ein Symbol für die Zukunft, dass homophober Hass gegenüber Lesben, Schwulen und TransGenders niemals mehr stattfinden darf. Dass Stadtrat Mailath-Pokorny dies nicht für nötig erachtet zeugt von unglaublicher Unsensibilität und Ignoranz!"

Vassilakou weiter: "Die Vorgehensweise vom Herrn Kulturstadtrat ist mir einfach unerklärlich, zumal er seine Antwort auf unseren Grünen Antrag nur ein paar Tage später verfasst hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Mailath-Pokorny in so kurzer Zeit Rücksprache mit den Lesben-, Schwulen- und TransGender-Verbänden oder hausinternen Abteilungen gehalten hat, oder sich intensiv mit dem Thema beschäftigt hat. Ich bitte ihn, dies nachzuholen und seinen Bericht nochmals zu überdenken", so Vassilakou abschließend.

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