ORF-"Weltjournal": Irans Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi

Kämpferin für Rechte der Frauen und Kinder im Interview

Wien (OTS) - Im "Weltjournal" am Mittwoch, dem 3. Dezember 2003,
um 22.30 Uhr in ORF 2 präsentiert Annette Scheiner u. a. ein Exklusivinterview mit Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi:

Iran: Kämpferin im Staat der Mullahs

Schirin Ebadi ist die neue Heldin des Iran. Als 1979 Khomeini die Macht übernahm, verlor sie ihr Amt als Richterin, denn für die Mullahs waren Frauen zu emotional, um richten zu können. Seither führt sie einen Feldzug für die Rechte der Frauen und Kinder, für Gleichberechtigung und Demokratie im Iran. Dafür wird sie nächste Woche mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Die kämpferische Anwältin könnte zur neuen Symbolfigur der Reformen werden. Ihr Credo: Es gibt keinen Gegensatz zwischen dem Islam und den Menschenrechten, die Religion diene den Mullahs nur als Vorwand, um ein längst überholtes Frauenbild zu zementieren und die eigene Macht zu sichern. Ihr Engagement hat ihr schon mehrfach Gefängnis oder Hausarrest eingebracht. Elke Safaei-Rad hat Schirin Ebadi für das "Weltjournal" interviewt und porträtiert ihren politischen Kampf im Staat der Mullahs.

Georgien: Kampf der Großmächte

Einst nannte man das sonnige, fruchtbare Georgien den "Garten" der Sowjetunion - heute ist es ein Armenhaus des zerfallenen Riesenreichs. Mitverantwortlich dafür ist ein Darling des Westens -der jetzt von der eigenen Bevölkerung gestürzte Präsident Eduard Schewardnadse: Er ließ Korruption und Misswirtschaft gedeihen. In der Republik am Kaukasus geht es um viel mehr, nämlich um die Kontrolle über die unruhige Region im Schnittpunkt zwischen Europa und Asien, um Terrorismus, um Tschetschenien und - um den Zugang zu den reichen Erdölvorkommen am Kaspischen Meer. Georgien sorgt für Misstrauen zwischen Amerikanern und Russen, ein Echo des Kalten Krieges ist hier noch immer zu hören. Das bedeutet einen schwierigen Balanceakt für die neue Politikergeneration Georgiens, die jetzt für freie Wahlen Anfang Jänner zu sorgen hat. Christina Kronaus berichtet.

Türkei: Der Schatten der Armee

Auf ihrem Weg Richtung Europa hat die muslimisch-konservative Regierung der Türkei den Einfluss der einst allmächtigen Armee zurückgedrängt und bürgerliche Freiheiten gestärkt. Die blutige Terrorwelle in der Millionenstadt Istanbul bringt Ministerpräsident Erdogan nun unter Druck, der Ruf nach mehr Sicherheit wird laut. Die Armee hat in der modernen Türkei eine Sonderrolle, sie sieht sich als Garant der Verfassung, die eine strikte Trennung von Religion und Staat vorschreibt. Schon vier Mal haben die Generäle Regierungen entmachtet, die ihren Vorstellungen nicht entsprachen. Mit Misstrauen wird wegen ihrer starken islamischen Wurzeln auch die amtierende Regierung Erdogan und deren Weg in die EU beobachtet. Eine Reportage von Thomas Büsch über die langen Schatten der Armee.

Schweiz: Der Störenfried

Er ist wohl der Aufsehen erregendste und umstrittenste Politiker der Schweiz und weit über ihre Grenzen hinaus bekannt: Christoph Blocher, der charismatische Volkstribun, der die rechtsnationale Schweizer Volkspartei von einer Kleinpartei zur stimmenstärksten Kraft der Schweiz gemacht hat. Der erfolgreiche Unternehmer und Milliardär hat den Ruf eines Populisten, der mit wortgewaltigem Einsatz gegen Ausländer und gegen einen Beitritt der Schweiz zur EU Stimmung macht. Nun will der streitbare Langzeitpolitiker in die Regierung, er wird damit zum Störenfried der jahrzehntelangen Machtverteilung durch die "Zauberformel", die der Stärke der Parteien allerdings schon länger nicht mehr entspricht. Wer ist der Unternehmer und Politiker Blocher, der wie kein anderer polarisiert, der gleichzeitig bewundert und gehasst wird? Ein Porträt von Carola Schneider.

Russland: Parlament ohne Macht

Drei Jahre nach seiner Machtübernahme hat Präsident Putin Russland politisch fest im Griff: Seine Wiederwahl nächstes Jahr ist so gut wie sicher, sein schärfster Widersacher - Ölmagnat Michail Chodorkowski - sitzt im Gefängnis und die am Sonntag bevorstehenden Parlamentswahlen werden aller Voraussicht nach ein Spaziergang für die dem Kreml nahe stehenden Parteien. In der russischen Bevölkerung macht sich ein Gefühl der Ohnmacht breit, mehr als die Hälfte der Russen glaubt nicht an ehrliche, faire Wahlen. Die Abgeordneten der Duma seien vor allem an den eigenen Privilegien interessiert, meinen die meisten Leute, Interesse für die Anliegen der Menschen zeigten sie nur kurz vor Wahlen. Auf den russischen Wahlzetteln kann man ankreuzen "Gegen alle" - das könnte am 7. Dezember 2003 eine populäre Rubrik werden. Zu Recht? Susanne Scholl hat einen prominenten Duma-Abgeordneten begleitet.

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