Broukal zu Forschung und Bildung: "Für die wichtigen Dinge ist immer genug Geld da, wenn man will"

Wien (SK)"Es fehlen 10.000 Forscher in Österreich, um mit Ländern wie der Schweiz, Finnland, Schweden oder Holland mithalten zu können", kritisierte SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal am Montag bei einer Veranstaltung des "Team für Wien". Österreich liege in der Forschung im europäischen Mittelfeld, aber weit hinter diesen vergleichbaren Nationen, führte Broukal aus. Der angesichts von EU-und OECD-Studien mit den Ergebnisse, dass der Erfolg einer Gesellschaft stark an Bildung und Ausbildung gekoppelt sei, forderte, dass es in Österreich deutlich mehr Forscher geben müsse. "Wenn mehr Menschen in die Forschung gehen sollen, dann muss man dafür werben, dass diese Leute auch das Richtige studieren und man muss mehr Arbeitsplätze in diesen Bereichen schaffen", führte Broukal aus. Die Politik der Regierung in diesem Bereich verlasse sich aber nur auf mögliche Investitionen der Wirtschaft und tue selbst kaum etwas, kritisierte Broukal. ****

Es habe sich in diversen Studien auch gezeigt, dass die Bildungsergebnisse in den Ländern am besten gewesen seien, wo die Kinder möglichst spät "auseinanderdividiert" werden, hielt der SPÖ-Wissenschaftssprecher zum Thema Ganztags- und Gesamtschule fest. Es sei "ein kleines Wunder", dass nun auch die ÖVP-Steiermark hier in diese Richtung tendiere, der Rest der ÖVP sei aber noch dagegen. Angesichts der Entwicklungen in der Steiermark und Umfragen, wonach die Eltern jedes zweiten Kindes für eine Ganztagsschule sind, komme aber so etwas wie Hoffnung auf, so Broukal. "Meine Vision ist eine Schule, die für alle gleich gut ist, unabhängig vom Geld der Eltern", erläuterte Broukal.

Die Entsolidarisierung in der Gesellschaft stelle sich für ihn als eines der großen kommenden Probleme dar. Die Idee, dass Menschen, die viel Geld verdienen, "entlastet" werden sollen, führe zwangsläufig dazu, dass der Staat weniger Ausgabemöglichkeiten habe und berge viele Gefahren, erklärte Broukal. Das äußerst negative Beispiel hier sei Großbritannien, wo beispielsweise eine Kommission entscheide, ob über einem gewissen Alter des Patienten noch bestimmte Operationen durchgeführt werden. "Wer es sich privat leisten kann, der hat keine Probleme", so Broukal, der Rest der Bevölkerung müsse halt hoffen. Dass es auch in Österreich Tendenzen zu dieser Entsolidarisierung gebe, zeige sich z.B. daran, dass die Krankenkassen bis 2010 kein zusätzliches Geld erhalten werden oder auch, dass an den Universitäten mittlerweile sogar das Geld für den laufenden Betrieb fehle. "Ich fürchte, dass es auch in Österreich Menschen geben wird, die den ganzen Tag arbeiten und trotzdem nicht genug zum Leben verdienen", hielt Broukal fest.

Es gebe aber auch Gegenmodelle zum entsolidarisierten britischen Modell, wie beispielsweise das dänische oder schwedische Modell. In Dänemark sei es keine soziale Schande mehr, arbeitslos zu werden, es würden vielmehr von staatlicher Seite maximale Schulungen während dieser Zeit durchgeführt. "Mehr als 20 Prozent der Dänen verlieren einmal im Jahr ihren Job, dennoch ist es eines der Länder mit der höchsten sozialen Zufriedenheit", erklärte Broukal. In diesem Zusammenhang sei es auch wichtig, das AMS mit ausreichend Geld auszustatten. "Das AMS darf nicht Mangel verwalten, sondern muss Gelegenheiten finanzieren können", forderte Broukal. Die SPÖ müsse versuchen, wieder für eine gesellschaftliche Solidarisierung einzutreten, bekräftigte Broukal. "Bisher sind alle gemeinsam in einem Zug in Richtung Wohlstand gesessen, da gab es natürlich eine 1. und 2. Klasse, aber jetzt sind einige Waggons abgekoppelt worden, und werden einfach nicht mehr mitgenommen". (Schluss) js

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