ÖAMTC: Autohersteller bremsen Neuwagen-Garantie zunehmend aus

Immer öfter wird Autokäufern Gewährleistung als Garantie verkauft

Wien (ÖAMTC-Presse) - Autokäufer haben es heutzutage nicht leicht. Nicht nur dass sie durch die in den vergangenen Jahren stark zugenommen Rückruf-Aktionen vermehrt als unfreiwillige Testfahrer fungieren müssen. Jetzt wird auch noch die Neuwagen-Garantie ausgebremst. Japanische und koreanische Autohersteller werben zwar weiterhin mit erweiterten Garantiepaketen. Für die meisten deutschen Autoproduzenten gehört die Neuwagen-Garantie aber zum Auslaufmodell, weshalb sie diese auch weitgehend abgeschafft haben. Stattdessen sprechen Autohersteller gerne von einer "gesetzlichen Gewährleistung" oder - irreführender - von einer "Durchrostungs-Gewährleistung". "Ein gewaltiger Unterschied zur echten Garantie", warnt ÖAMTC-Juristin Ursula Zelenka.

Bei der "echten" Garantie verbürgt sich der Autohersteller, dass für eine gewisse Zeit keine Mängel auftreten. Tritt doch ein Mangel auf, wird dieser nach den jeweiligen Garantiebedingungen gratis behoben. Der Käufer kann sich bei Problemen an jeden Vertragshändler oder an jede Vertragswerkstatt der jeweiligen Marke wenden. Gewährleistung bedeutet hingegen, dass der Händler das Auto fehlerfrei übergeben hat. Treten Mängel auf, kann sich der Konsument nur an den Verkäufer wenden. Nur dieser ist zur Behebung verpflichtet. Diese gesetzliche Gewährleistung steht dem Kunden zwei Jahre zu. Die Gewährleistung wurde im Jänner 2002 von ursprünglich sechs Monaten auf zwei Jahre verlängert. Dies dürfte auch der Grund sein, weshalb zunehmend die Hersteller auf Garantie-Zusagen verzichten.

Haben also Konsumenten bei der Garantie alle Vertragspartner einer Marke und den Hersteller als Ansprechpartner, bleibt ihnen bei der Gewährleistung nur noch der Händler. "Kommt dem Käufer sein Händler abhanden, beispielsweise durch Konkurs oder Betriebsauflösung, kann es im Gewährleistungsfall zu Problemen kommen", weiß ÖAMTC-Juristin Zelenka. Zwar müssen die Autohersteller auch in diesem Fall dafür sorgen, dass der Konsument bei anderen Vertragshändlern zu seinem Recht kommen kann. Doch was tun, wenn sich die anderen Vertragshändler weigern, die Reparaturarbeiten zu übernehmen?

Ein weiteres Problem bei Gewährleistung anstelle von Garantie ist, dass nach den ersten sechs Monaten der zweijährigen gesetzlichen Gewährleistung die Beweispflicht auf den Kunden übergeht. Nach Ablauf des halben Jahres muss der Kunde beweisen, dass der Mangel bereits bei der Auslieferung bestanden hatte.

Die ÖAMTC-Juristin bringt dazu ein Beispiel aus der Praxis: Nach der Fahrt durch eine Waschstraße bildeten sich Bläschen auf dem Lack. Da der Händler nicht greifbar war, wandte sich der Käufer an den Autohersteller. Dieser wiederum versteifte sich darauf, dass der Lack bei der Auslieferung in Ordnung war, der Kunde den Wagen nicht ordnungsgemäß gepflegt hatte. Der Kunde habe deshalb, so der Hersteller, im Rahmen der Gewährleistung keinen Anspruch auf Beseitigung des Mangels. Dem Konsumenten gelang es nicht zu beweisen, dass der Mangel bereits bei der Auslieferung bestand. Er musste die Reparatur auf eigene Kosten durchführen lassen. Die Nachfrage bei einem Hersteller, der die Garantie gestrichen hat, ergab: Es werde in Kooperation mit den Händlern ohnehin meist kulant agiert und auf die Beweislastumkehr verzichtet. "Schwarz auf weiß bekommt man das nicht. Wir empfehlen daher, dieses Detail im Kaufvertrag schriftlich festzuhalten. Andernfalls ist der Kunde auf das Entgegenkommen des Herstellers angewiesen", sagt Zelenka.

Autobesitzer, die Probleme bei der Durchsetzung ihrer Gewährleistungsansprüche haben und juristischen Beistand benötigen, können als Mitglied des Clubs den Rechtsdienst des ÖAMTC in Anspruch nehmen.

(Schluss)
ÖAMTC-Pressestelle/Michael Holzinger

Rückfragen & Kontakt:

ÖAMTC-Pressestelle
Tel.: (01) 711 99-1218
pressestelle@oeamtc.at
http://www.oeamtc.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | OCP0001