Grenzen und Möglichkeiten der Forschungsförderung

Aiginger, Bonn, Schneider: Finanzmittel, Strukturreform und Nachwuchssicherung zur Erreichung der Forschungsziele nötig

Wien (PDI) - Forschung, Technologie und Innovation sind zentrale Voraussetzungen für nachhaltiges Wachstum von Volkswirtschaften. Unternehmerische Investitionen in Forschung und Entwicklung benötigen den Rückhalt durch ein tragfähiges System der Forschungsförderung. Dazu ist nicht nur eine entsprechende finanzielle Dotierung der Förderung notwendig, sondern auch die langfristige Kontinuität der Fördermaßnahmen, die entsprechende organisatorische Gestaltung und die Einbettung in andere Politikbereiche - von der Bildungspolitik bis zur Steuerpolitik. In der neuen Ausgabe von "industrie aktuell" (Herausgeber: Bundessparte Industrie der Wirtschaftskammer, Investkredit, das Industriewissenschaftliche Institut und die Industriellenvereinigung) diskutieren heimische Spitzenmanager und Experten die Grenzen und Möglichkeiten der Forschungsförderung. Bei einem Pressegespräch am Freitag, 28.11., präsentierten Sie die Beiträge.

Aiginger: Mehr Mittel und Aufbruchstimmung in der Wirtschaft nötig

Der stellvertretende Leiter der Wirtschaftsforschungsinstituts, Univ.-Prof. Dr. Karl Aiginger, sieht nur dann die Möglichkeit, die ambitionierten Ziele zur Erhöhung der Forschungsquote zu erreichen, wenn zusätzliche Ausgaben der öffentlichen Hand und eine Aufbruchstimmung in der Wirtschaft zusammen treffen: "Die österreichische Wirtschaft ist lange Zeit auch mit einer unterdurchschnittlichen Forschungsquote gewachsen, weil Forschungsleistungen indirekt über die Tochterunternehmungen multinationaler Betriebe nach Österreich ,importiert’ wurden. Österreich muss zukünftig als das drittreichste EU-Land selbst Headquarter multinationaler Unternehmen werden, sei es durch Entwicklung österreichischer Unternehmen zu internationalen Konzernen oder durch Kompetenzzentren multinationaler Unternehmen."

Der Weg ist für Aiginger "steil aber erfolgversprechend". Die Forschungsaufwendungen erreichen mit ca. 2 % des BIP heute gerade den EU-Durchschnitt, die Regierung möchte bis 2006 2,5 % erreichen. "Dies ist aus heutiger Sicht ein anspruchsvolles Ziel, da seine Erreichung zusätzliche private und öffentliche Ausgaben von zusammen etwa einer Milliarde Euro pro Jahr erfordern würde." Das ist aber nur ein Meilenstein für die Zielsetzung des Lissabon-Zieles. "Eine attraktive steuerliche Forschungsförderung muss gemeinsam mit einer erhöhten direkten Förderung - kombiniert mit einem österreichischen Forschungsfonds - für die finanzielle Absicherung sorgen", betonte der Wirtschaftsforscher.

Beste Köpfe ausbilden - Bonn sieht Herausforderung beim Humankapital

"Österreich ist auf dem Weg zum europäischen Vorbild", meint Univ. Prof. Dr. Günther Bonn, stellvertretender Vorsitzender des Rates für Forschung und Technologieentwicklung. Die geplante Zusammenführung von FFF, TIG, ASA sowie BIT in eine gesellschaftliche Struktur werde Österreichs Wirtschaft und Industrie helfen, sich besonders erfolgreich durchzusetzen. Bonn erklärte dazu: "Mit dieser Nutzung von Synergieeffekten und Schaffung von einheitlichen Ansprechpartnern geht aber auch die Zusammenführung von Förderungsmitteln der wirtschaftsbezogenen Forschungs- und Technologieförderprogramme des BMVIT und BMWA einher. Da in einer derartigen Gesellschaft die vollständige Autonomie der Entscheidungsfindung und Mittelvergabe von Forschungsprojekten gesichert ist, kann neben der Einbindung des FFF auch mittelfristig über die Einbindung des FWF nachgedacht werden."

Schwierigkeiten ortete Bonn allerdings beim Nachwuchs: "Damit wir die höheren finanziellen Mittel optimal nutzen können, fehlen uns, je nach Betrachtungsweise, zwischen 500 und 1000 WissenschaftlerInnen jährlich. Besonders deshalb müssen wir aber auch den Mut haben, höchste Qualität der Ausbildung zu fordern, und auch besonderen Eliten eine Möglichkeit geben, ihr Potential zu entfalten." Eine gute Forschungs- und Entwicklungspolitik und eine auf Leistung ausgerichtete Förderungslandschaft sei angesichts der EU-Erweiterung für die Attraktivität Österreichs für Wirtschafts- und Industriebetriebe essenziell zur Sicherung der hohen Lebensqualität und der Arbeitsplätze.

Schneider: Steuerliche Möglichkeiten verbessert,
zur Euphorie fehlt noch ein wenig

Der stellvertretende Leiter des Industriewissenschaftlichen Instituts, Dr. Herwig W. Schneider, setzt seinen Fokus auf die meist wenig beachtete indirekte Forschungsförderung. Er äußert sich grundsätzlich positiv zu den neuesten Entwicklungen in Sachen steuerliche Vergünstigungen für F&E: "Die Regierungspolitik ließ in den vergangenen Jahren von Konjunkturpaket zu Konjunkturpaket so manchen Makel in der steuerlichen Forschungsförderung verschwinden. Die Unternehmen werden in ihrem Tagesgeschäft schon bald merken, dass F&E-Investitionen in Maschinen und Software günstiger geworden sind und dass eine Mindestgewinnspanne für steuerliche Vorteile nicht länger ein Muss ist."

In zu große Euphorie dürfe man trotz dieser positiven Entwicklung nicht verfallen. Verbesserungspotenziale ortet Schneider noch hinsichtlich verschiedener administrativer Unsicherheiten, einer konzeptionellen Vereinfachung des mittlerweile sehr komplexen rechtlichen Regelwerks und bei den zu geringen Freibetragssätzen. Auch müsse ein kontinuierliches Monitoring und regelmäßige Begutachtung nach international üblichen Qualitätssicherungsstandards zur besseren Abschätzbarkeit der volkswirtschaftlichen Auswirkungen führen. "Steuerliche F&E-Förder-Instrumentarien werden zukünftig jedoch einen Fixpunkt im F&E-Förderspektrum darstellen", ist Schneider überzeugt.

Weitere Beiträge zum Thema finden Sie im neuen Industrieforum vom Forschungskoordinator der AVL List GmbH Dr. Josef Affenzeller ("Forschungsförderung als Voraussetzung industrieller Forschung") und von Sylvia Bardach, Geschäftsführerin der Frequentis Nachrichtentechnik GmbH ("Förderungen: eine wichtige Unterstützung von Forschungsvorhaben").

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