ÖAMTC und VKI: Erstmals gab es beim Crashtest Sterne für die Kindersicherheit im Auto

Fußgängerschutz ist nach wie vor nicht zufriedenstellend

Wien (ÖAMTC-Presse) - Wie gut oder schlecht Kinder im Auto geschützt sind, das bewertete EuroNCAP in der neuen Crashtest-Serie erstmals mit maximal fünf Sternen in der Kindersicherheit. Im Schnitt kamen die acht getesteten Autos zwar auf drei Sterne, aber die Mängel bei der Kindersicherheit sind bereits altbekannt und nur teilweise beseitigt. Für die Crashtest-Experten von ÖAMTC und VKI stellt die Bewertung der Kindersicherheit einen weiteren Schritt in Richtung mehr Insassenschutz - in diesem Fall für die jungen Passagiere - dar.

"Als bestes Auto tat sich der Ford Focus C-MAX mit vier Sternen hervor", lobt Paul Srna, Projektleiter beim VKI. Die Köpfe der Kinderdummys waren sowohl im Front- als auch im Seitenaufprall gut geschützt. Lediglich Kopf und Brust des jüngeren Kindes waren etwas höheren Belastungen im Frontcrash ausgesetzt. Verständlich formulierte und gut sichtbar angebrachte permanente Hinweiskleber warnen im Ford Focus C-MAX vor den Gefahren der Verwendung eines rückwärts gerichteten Rückhaltesystems, das einem Airbag gegenüberliegend montiert wird.

Generell "krankt" es bei der Kindersicherheit in den gecrashten Autos immer wieder an denselben Stellen: "An den beiden Dummys im Alter von drei und eineinhalb Jahren wurden teils hohe Belastungen im Kopf-, Brust- und Nackenbereich festgestellt", erläutert Srna. Anlass zur Kritik liefern die häufig unzureichenden Warnsymbole und Hinweiskleber, die auf die Gefahr bei Verwendung von rückwärts gerichteten Kindersitzen am Beifahrersitz mit Airbag hinweisen. Srna:
"Wird ein Rückhaltesystem rückwärts gerichtet auf einem Autositz mit Airbag verwendet, dann drohten dem darin sitzenden Kind schwere bis tödliche Verletzungen, wenn der Airbag bei einem Unfall ausgelöst wird. Daher ist es besonders wichtig, dass die Warnhinweise gut sichtbar und leicht verständlich sind." Außerdem muss die teilweise vorhandene Möglichkeit zur Abschaltung des Beifahrer-Airbags klar erkennbar sowie leicht und verwechslungssicher zu bedienen sein.

"Bei der Bewertung der Kindersicherheit muss deutlich darauf hingewiesen werden, dass es sich dabei immer um eine Beurteilung des Systems - bestehend aus Fahrzeug und vom Hersteller empfohlenen Kindersitz bei fachgerechter Montage im Auto - handelt, also nicht auf das Fahrzeug oder den Kindersitz alleine übertragen werden kann", stellt der VKI-Projektleiter klar. Da die Montage einen wesentlichen Anteil am Funktionieren dieses Systems hat, wäre eine engere Kooperation von Fahrzeug- und Kindersitzhersteller wünschenswert, damit benutzerfreundliche Systeme (wie ISOFIX) weiter optimiert werden.

Enttäuschende Ergebnisse wiederum beim Fußgängerschutz

Die Fahrzeugfront muss dort Schutz bieten, wo im Falle eines Zusammenstoßes der Kopf eines Fußgängers - sei es nun ein Kind oder ein Erwachsener - aufschlagen könnte oder andere Körperteile gefährdet sind. Kein einziges Auto in dieser Crashtest-Serie kam über zwei (von vier) Sterne beim Fußgängerschutz hinaus. "Ein durchschnittlich schwaches Ergebnis, wie es beim Fußgängerschutz leider noch immer üblich ist", kritisiert Paul Srna.

Dass der Fußgängerschutz nicht in dem Maße weiterentwickelt wird, wie die Insassensicherheit, zeigt sich selbst beim Renault Scénic:
Mit nur elf von 36 möglichen Punkten lieferte das neu designte Modell ein enttäuschendes Ergebnis. In der Designarbeit kommt der Aspekt des Fußgängerschutzes generell deutlich zu kurz: Unnachgiebige Stellen auf der Motorhaube, steife Stoßstangen und Kotflügel, so lauten häufige Beanstandungen der Crashtest-Experten.

Ergebnisse aus vergangenen Tests, in denen Autos diverser Klassen immerhin drei Sterne erreicht haben, zeigen jedenfalls, dass durch gezielte Design-Maßnahmen wesentlich besserer Schutz für die schwächeren Verkehrsteilnehmer möglich ist.

So testet EuroNCAP

EuroNCAP (European New Car Assessment Programme) ist das weltweit größte Crashtest-Programm, in Österreich vertreten durch ÖAMTC und VKI. Die Tests betreffen den Insassenschutz bei Front- und Seitenaufprall, die Sicherheit von Kindern im Fahrzeug und die Fußgänger-Sicherheit beim Aufprall gegen ein Auto:

Der Frontcrash (maximal 16 Punkte sind zu erreichen) findet mit einer Geschwindigkeit von 64 km/h statt, wobei das Fahrzeug seitlich versetzt gegen eine deformierbare Barriere prallt. Gemessen werden die Verformungen am Auto und die Belastungen an den Dummies. Beim seitlichen Aufprall trifft ein Crash-Gefährt mit 50 km/h die Fahrerseite des stehenden Autos und simuliert so ein auf der Fahrerseite eindringendes Fahrzeug. Beim zusätzlichen Pfahltest wird das Fahrzeug mit 30 km/h seitlich gegen eine Stahlsäule gecrasht, der Aufprall erfolgt in Höhe des Fahrers. Simuliert wird hier ein Unfall etwa mit einem Baum oder einem Lichtmasten. Für den Seitenaufprall gibt es maximal 16 Punkte, zwei Extrapunkte bringt der Pfahltest.

Die detaillierten Ergebnisse des Crashtests gibt es auf der ÖAMTC-Homepage unter http://www.oeamtc.at/ sowie unter http://www.konsument.at/.

Aviso an die Redaktionen:
Fotomaterial und Grafiken zum aktuellen Crashtest finden sich im ÖAMTC-Foto-Service, abrufbar auf der Homepage des Clubs unter http://www.oeamtc.at/presse/.

(Schluss)
ÖAMTC-Pressestelle/Elvira Oberweger

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