WirtschaftsBlatt-Kommentar Pierers Rennstrecke

von Engelbert Washietl

Wien (OTS) - Erst vor wenigen Wochen stand Stefan Pierer, Chef des Motorradherstellers KTM, in der Wiener Hofburg auf der Bühne des WirtschaftsBlatts. Sein Unternehmen war Gesamtsieger im Wettbewerb der dynamischsten Betriebe Österreichs. Am heutigen Dienstag wird es Ernst mit dem Börsegang von Pierers Cross Holding AG.

Wer sich erinnert, dass Pierer die KTM 1991 als insolventes Unternehmen übernommen hatte, der mag über die Leistung verwundert sein. Denn KTM fährt seit Jahren auf der Strasse des Erfolgs. Das Unternehmen ist hinter BMW der zweitgrösste Motorradhersteller Europas und will der erste werden.

Wie? Pierer gehört zu den Unternehmertypen, die wissen, worauf es ankommt. Den ersten Teil des Erfolges macht er im obersten Segment, nämlich im Rennsport. Allein im vergangenen Geschäftsjahr investierte er 28 Millionen Euro in diese Sparte. Wenn die KTM-Maschinen durch die Wüste brausen, auf der Rallye Dakar so wie im Jänner 2002 die sechs ersten Plätze belegen und die japanische Konkurrenz schlagen, dann erst beginnt des Erfolgs zweiter Teil. Er spielt sich auf den asphaltierten Verkehrswegen der Industrienationen oder auch im holprigen, aber doch zivilisierten Gelände ab, in welchem die junge Fun-Generation so richtig aufdreht. Das lässt den Motorrad-Absatz auf mehr als 70.000 Stück springen.

Was wüstentaugliche Rennmaschinen mit sportlich gestylten Motorrädern auf hiesigen Normalstrassen zu tun haben, ist genau so klar oder unklar wie der Zusammenhang zwischen den Siegesserien Hermann Maiers und der Skimarke Atomic, die Winterurlauber auf einer buckligen Mittelgebirgspiste und Anfänger beim Baby-Lift bevorzugen. Hinter einer Kaufentscheidung steckt immer auch eine Vision, ein Traum, ein Mythos.

Auch der atemberaubende Erfolg von Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz ist nicht allein durch die Flüssigkeit zu erklären, die er in Aludosen füllt und weltweit verkauft. In dem Blech muss noch etwas anderes drin stecken. Vielleicht ist es blosse Fantasie, und die lässt sich rasch in Gewinn umwandeln, der laut "trend" 87 Millionen Euro beträgt - nach Steuern.

Die ganze Fantasie käme freilich recht arm daher, würde ihr Unterbau nicht stimmen. KTM-Motorräder sind eben nicht nur wüstenerprobt, sondern schlicht gut. So gesehen fügt der Unternehmertyp zwei wesentliche Dinge genial zusammen: das Produkt und seinen Mythos.

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