Prets: Gewalt gegen Frauen energischer bekämpfen

Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen ist ein Zeichen der Solidarität

Wien (SK) Rund 300.000 Frauen in Österreich werden jährlich Opfer von Gewalt in der Familie, besagt die Kriminalstatistik des Innenministeriums. Je nach Schätzung ist jede fünfte bis zehnte Frau, die in einer Partnerschaft lebt, eine potenziell Betroffene - und zwar unabhängig von sozialer Stellung, Kultur, Religion oder Alter. Die unterschiedlich hohen Annahmen resultieren aus den entsprechenden Dunkelziffern. Fest steht allerdings, dass etwa allein in der Bundeshauptstadt Wien monatlich rund 100 Gewalttätige von der Polizei aus der Wohnung verwiesen werden. Eine Studie des Europarates aus dem Jahr 2002 geht sogar davon aus, dass eine von vier Frauen in Europa häusliche Gewalt erlebt. "Die Zahlen sind Grund genug, dass dieser Problematik ein Internationaler Tag gewidmet wird", sagt Christa Prets, SPÖ-Europaabgeordnete und Mitglied des "Ausschusses für die Rechte der Frau und Chancengleichheit" anlässlich des am 25. November stattfindenden Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen. Dieser wurde 1981 beim ersten lateinamerikanischen Frauenkongress in Bogotá ausgerufen, um auf Menschenrechtsverletzungen gegen Frauen aufmerksam zu machen. Vor allem, so Prets gegenüber dem Pressedienst der SPÖ, sei es wichtig, Gewalt-Opfern qualifizierte Beratung und Begleitung anzubieten. Aber auch Täter dürften nicht einfach abgestempelt werden. Sie bräuchten ebenfalls Betreuung, um so die Zahl der Wiederholungsfälle zu reduzieren. ****

Von großer Bedeutung sind für die Europaabgeordnete vorbeugende Maßnahmen zur Verhinderung von Gewalt sowie die Aufklärung und Sensibilisierung der Öffentlichkeit. "Aus diesem Grund lade ich alle ein, sich an der Weiße Schleifen-Kampagne zu beteiligen, die auch vom Europäischen Parlament unterstützt wird. Durch das Tragen der Weißen Schleife sollen sich Männer und Frauen solidarisieren und nach außen bekunden: Ich lehne Gewalt gegen Frauen ab", erklärte Christa Prets. Die "White Ribbon"-Kampagne wurde 1991 von Männern in Kanada ins Leben gerufen - als sichtbares Zeichen der Ablehnung von Gewalt gegen Frauen.

Vielfältige Ausdrucksformen der Gewalt

Generell sind die Formen der Gewalt sehr unterschiedlich: Von Beschränkungen der persönlichen Freiheit, Kontrolle der wirtschaftlichen Situation oder Zwangsheirat über Zwangssterilisation bis zu Vergewaltigung in der (ehelichen) Partnerschaft und Genitalverstümmelung. Gerade hier sind die Zahlen erschreckend. Denn weltweit werden täglich etwa 5.000 Verstümmelungen vollzogen. Auch in Österreich sind insgesamt mehr als 4.000 Fälle von Genitalverstümmelung bekannt.

Wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe

Weiters betont Prets, dass auch im Alltagsleben körperliche, sexuelle und psychologische Gewalt leider nach wie vor keine Seltenheit sind. "Die Bekämpfung von sexuellem Missbrauch, sexueller Belästigung, Einschüchterung am Arbeitsplatz, von Frauenhandel, Zwangsprostitution und Ausbeutung der Arbeitskraft sind wichtige gesellschaftliche und politische Aufgaben." Darüber hinaus sei Gewalt auch mit negativen volkswirtschaftlichen Konsequenzen verbunden. Prets: "Die Folgekosten für ärztliche Versorgung, notwendige psychologische Betreuung, aber auch für polizeiliche Ermittlungen und Rechtsbeistand sind enorm. Und zusätzlich kommt es natürlich auch zu einer erheblichen Einschränkung der Arbeitsleistung."

Ein weiteres sichtbares Zeichen des Internationalen Tages wird heuer die Fahnenaktion "Frei leben ohne Gewalt" sein. Auf Initiative der autonomen österreichischen Frauenhäuser werden zwischen 25. November und 10. Dezember (Internationaler Tag für Menschenrechte) an öffentlichen Gebäuden Fahnen mit dieser Aufschrift angebracht sein. (Schluss) up/mp

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