Creative Europe- Challenges of Enlargement

Zukunftsperspektiven für Film, Literatur, grenzüberschreitendes Donaufestival und Opernprojekt für Südosteuropa

Linz (OTS) - Heute, Sonntag, endete die von Kunststaatsekretär Franz Morak einberufene dreitägige Kulturministerkonferenz "Creative Europe- Challenges of Enlargement" in Linz. Im Mittelpunkt der Veranstaltung mit Teilnehmern aus 25 Staaten aus Ost-, Mittel- und Südosteuropa standen die Herausforderungen in einer sich wandelnden Kulturwelt im Zeitalter der Globalisierung. In den vier Arbeitskreisen dominierte die Frage, wie kulturelle Vielfalt und regionale Identität trotz der notwendigen Anpassung an globale Strukturen bewahrt werden können. Als zentraler Begriff für die Zukunft kristallisierte sich heraus, dass Netzwerke zukünftig in Ergänzung zu den nationalen Kulturpolitiken treten werden.

Im Themenkreis "Film" wurde Situationsberichte der nationalen Filmwirtschaften in Südosteuropa erörtert. Viele dieser Länder wird ab 2004 der Europäischen Union angehören. Viele können auf eine lange Filmtradition zurückblicken, die jedoch durch den Balkankrieg und die Umstellung auf die Marktwirtschaft in eine Krise gestürzt wurde, deren Tiefpunkt heute überall überwunden ist. Die Filmwirtschaften wurden meist durch die Privatisierung der Studios, Anziehung ausländischer Investoren und eine umfassenden Filmgesetzgebung auf eine neue, tragfähige Basis für die Zukunft gestellt. Ernsthafte Anstrengungen werden auch im Kampf gegen die ehemals weit verbreitete Copyright-Piraterie unternommen. Ausnahmslos anerkannten die Verantwortlichen den Film als das beste Instrument zur Bildung und Darstellung der nationalen Identität . Daher wurde auch die Wichtigkeit der staatlichen Filmförderung, die die Produktion, Festivals und die Einrichtung von Kinematheken umfasst, unterstrichen, um ein Gegengewicht zur Übermacht des Hollywood-Films zu schaffen. Allerdings sollen vermehrte Coproduktionen sollen zur Stärkung des europäischen Films beitragen.

Der zweite Arbeitskreis setzte sich mit der Schaffung eines Kulturfestivals für den gesamten Donauraum auseinander, das vom Alfred Wopmann, dem ehemaligen Intendanten der Bregenzer Festspiele, entwickelt wurde. Während Europa generell eine Vielzahl von nationalen und regionalen Festivals aufweist, fehlen bislang Länder übergreifende Projekte mit zeitgenössischem Schwerpunkt. Eingefordert wurde in der Diskussion auch Festivalformen, die Künstlerinnen und Künstler kontinuierlich und nicht nur von Fall zu Fall beschäftigen. Der Netzwerkgedanke war daher ein besonderes Anliegen der KünstlerInnen und Kulturmanager. Dem stehen derzeit aber noch viele Schwierigkeiten entgegen. Die Kunstschaffenden vieler Staaten leiden, so berichteten die Vertreter des Makedoniens und Kroatiens, unter arbeitsrechtlichen Beschränkungen oder Visarestriktionen der Europäischen Union aber auch von Nicht-EU-Staaten. Die Lösung dieser Frage ist generell für die Schaffung eines europäischen Kulturraums notwendig. .

Wie kann die Literatur kleiner Sprachen gefördert, gefestigt, verbreitet werden, wie kann sie den Anschluss an die Weltliteratur gewinnen und wie vor der Assimilierung bewahrt werden, war Gegenstand des dritten Arbeitskreises. Kulturpolitiker, Kulturmanager und Künstler aus den beteiligten Ländern waren sich mit Catherine Roth vom Europarat einig darüber, dass die Existenz einer anerkannten Literatur für einen Staat sowohl nach innen wie nach außen konstitutierend wirkt. Minderheitliche Literaturen müssen zuerst nach innen vom Staat geschützt werden, aber auch international popularisiert, denn die internationale kulturelle Anerkennung bedeutet de facto auch politische Anerkennung. Als Lösungsmöglichkeiten wurden die Stärkung der Stellung und Honorierung der literarischen Übersetzer, die die eigentlichen Botschafter der Literaturen sind, sowie diverse Online-Projekte vorgeschlagen.

Ein vierter Arbeitskreis beschäftigte sich mit der Realisierung eines Opernprogramms für Südosteuropa, das von Staatsoperndirektor Ioan Holender im Rahmen der vorangegangenen Kulturministerkonferenz angeregt worden ist. Mit dem Programm will man durch Stipendien die Ausbildung von jungen Musikern in ihrer Heimat ermöglichen. Im Anschluss an die Ausbildung werden Erstengagements in den Heimatländern dieser Nachwuchskünstlerinnen und -künstler gefördert. Damit soll die hohe Abwanderung von Musikern in den Westen verlangsamt werden. Gefördert werden soll auch die Kooperation der Opernhäuser in den einzelnen Regionen. Weiters wurden Hilfestellungen bei der Entwicklung von modernen Infrastrukturen an diesen Häusern insbesondere im Verwaltungsbereich angepeilt. Der Direktor der Oper in Temesvar regte zusätzlich an, dass es für die Beschaffung von Instrumenten Unterstützungen geben solle, da zahlreiche Orchester im südosteuropäischen Raum nicht die Mittel hätten, beschädigte Instrumente zu ersetzen.

Abschließend wurde ein von Peter Weibel kuratiertes Projekt von "Kulturkontakt" vorgestellt: Ab 1. Mai 2004 sollen auf sieben Bahnhöfen in Österreich und seinen Nachbarstaaten jeweils zwei Künstlern pro Land Kunstwerke ausstellen, um damit einen Dialog mit und zwischen den Künstlern sowie der Bevölkerung zu initiieren.

Weitere Infos sind unter:
http://multimedia.telekom.at/portal/programmV.asp?id=173 sowie
www.art.austria.gv.at abrufbar.

Rückfragen & Kontakt:

Bundeskanzleramt/Bundespressedienst
Tel.: (01) 531 15 / 2755

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NBU0001