"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Der gefallene König" (Von Irene Heisz)

Ausgabe vom 21. November 2003

Wien (OTS) - Wenn Michael Jackson eine jener
verabscheuungswürdigen Kreaturen ist, die sich an Kindern vergehen, verdient er die härteste aller möglichen Bestrafungen. Wenn er aber unschuldig ist, ist ihm nur zu wünschen, dass sich das so schnell und klar wie möglich erweist.
Vielleicht ist Jackson ein Täter. Zweifelsfrei zu sagen ist zum jetzigen Zeitpunkt aber lediglich, dass der aufgrund seiner musikalischen Leistungen in den Achtzigerjahren völlig zu Recht zum King of Pop ernannte Superstar auch in mehrfacher Hinsicht ein Opfer ist. Das Opfer jenes Systems, das den schmächtigen Mann groß, ja riesig gemacht hat - und eine seit ihrer unseligen Jugendzeit als Kinderstar gestörte Persönlichkeit in immer bizarrer anmutende Marotten und Zwänge trieb.
Michael Jackson wollte Peter Pan sein und hat sich Neverland, das Land der ewigen Kindheit, nachgebaut. Dass das Märchen in Wahrheit für alle Beteiligten ein grausiger Albtraum ist, sollte inzwischen auch dem treuesten Jackson-Fan klar sein.

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