Betriebliche Gesundheitsförderung: Von den Gesunden lernen

Linz (OTS) - "Die Regierung zwingt die Menschen bis 65 zu
arbeiten, aber sie kümmert sich nicht darum, wie sie das gesundheitlich aushalten", kritisiert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Der betrieblichen Gesundheitsförderung muss wesentlich größeres Augenmerk geschenkt werden als bisher, verlangt Kalliauer bei einer AK-Tagung. Ein neuer Ansatz: Nicht nur die Krankenstandsstatistiken studieren, sondern das Know-How der Gesunden nutzen.
"Ein Korb Äpfel für die Pause, gesundes Essen in der Kantine oder Rückengymnastik im Betrieb - gut gemeint, gern angenommen. Trotzdem:
Betriebliche Gesundheitsförderung ist das noch lange nicht", sagte Ing. Mag. Gerhard Elsigan von der Linzer Gesundheitsberatungsfirma ppm. Es geht vielmehr darum, dass die Arbeitsabläufe möglichst frei von krank machenden Faktoren sind. Der Anteil arbeitsbedingter Erkrankungen an Krankenstandstagen wird auf etwa ein Drittel geschätzt, nach deutschen Untersuchungen sogar auf etwa die Hälfte. Zunehmend sind mangelhafte Kommunikation und Anerkennung sowie schlechtes Führungsverhalten Ursache von Erkrankungen oder innerlicher Kündigung.
Auch die Arbeitsmedizinerin Dr. Brigitte Schigutt (Neusiedler Ybbstal AG) will den Begriff Gesundheitsförderung weiter gefasst sehen. Für sie gehören seelisches Wohlbefinden und intakte soziale Beziehungen einfach dazu: 2Wer Spaß an der Arbeit hat, der lebt auf." Sie setzt auf die Errichtung von Zirkeln im Betrieb, bei denen jeder mitmachen kann. "Dort kann vertraulich alles diskutiert werden, was den Mitarbeitern im Magen, auf der Zunge, am Herzen liegt und mit betrieblicher Gesundheit zu tun hat", so Schigutt. Wichtig ist, dass die Arbeitnehmer selbst Vorschläge einbringen können und ihnen nichts übergestülpt wird.
Dr. Heinrich Geißler von der Gmundner Beratungsfirma "arbeitsleben" baut auf ein völlig neues Konzept: "Von den Gesunden lernen". Er schlägt den Unternehmen vor, weniger auf die Krankenstandsstatistik zu schauen, sondern gesundheitsfördernde Faktoren im Betrieb aufzustöbern. In einem deutschen Verkehrsbetrieb, so erzählte er, wurde auf die dort üblichen Krankenstandsrückkehrgespräche verzichtet. Statt dessen fragte man jene Mitarbeiter, die selten krank waren, was sie so toll an ihrer Arbeit finden. Auf Basis dieser Gespräche wurden Arbeitsabläufe umorganisiert. Die Folge: Die Krankenstände gingen um fast die Hälfte zurück.
Betriebliche Gesundheitsförderung hat viele Gesichter. "Wichtig ist, dass etwas geschieht", fordert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer: "Die Unternehmen haben die Pflicht, die Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass die Menschen auch gesund bis zur Pension arbeiten können." Gerade in Klein- und Mittelbetrieben finden sich erhebliche Defizite im Arbeitnehmerschutz. Die Arbeitsplätze widersprechen oft den einfachsten ergonomischen Kriterien.

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