"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Weg mit den Hürden" (Von Anita Heubacher)

Ausgabe vom 20. November 2003

Innsbruck (OTS) - Wenn Kinderbetreuung ein Anliegen ist, braucht
es statt Sonntagsreden mehr Flexibilität. Dass Betreuungsplätze nur in der Heimatgemeinde in Anspruch genommen werden können, macht das Familie-und-Beruf-unter-einen-Hut-bringen unheimlich kompliziert. Der Organisationsstress durch eine Doppelbelastung ist ohnehin schon groß genug. Unnötige Hürden müssen beseitigt werden. Das starre System der Schulsprengel gehört aufgeweicht. Es muss Eltern möglich sein, Kinder in dem Ort betreuen zu lassen, wo sie arbeiten.
Anderes Beispiel: Wohnt man in einer kleinen Gemeinde, die keine Nachmittagsbetreuung anbietet, schaut man durch die Finger. In der wenig entfernten Nachbarstadt sträubt sich der Bürgermeister, Kinder aus den Nachbargemeinden aufzunehmen. Manche Fälle werden in der Praxis dadurch gelöst, dass sich die Bürgermeister an den Tisch setzen, oder das findige Eltern ihre Kinder dort melden, wo sie sie gerne in die Schule schicken würden.
Das kann aber kein Dauerzustand sein. Um mehr Flexibilität zu erreichen, braucht es Geld. Und das haben die Gemeinden offenbar nicht, denn schon jetzt wird um Schüler gekeilt. Es gilt die Schule zu erhalten, die Lehrer zu beschäftigen und zu vermeiden, dass man für den abgewanderten Schüler auch noch aus der Gemeindekasse etwas zahlen muss. Bund und Land sind gefordert.
Wenn Kinderbetreuung ein Anliegen ist, muss sich aber auch im Sommer und bei den Öffnungszeiten der Betreuungseinrichtungen etwas ändern. Das kollektive Urlauben der Kindergärtnerinnen und Lehrer im Sommer bringt berufstätige Eltern oder Alleinerzieherinnen auf die Palme. Über eine Änderung im Dienstrecht bei Lehrern und Kindergärtnerinnen sollte möglichst rasch nachgedacht werden. Man könnte die Urlaube der Kindergärtnerinnen zumindest staffeln und so das Sommerloch überbrücken.

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