"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Denken statt vorlesen"

Ausgabe vom 20.11.2003

Wien (OTS) - Stuvak haben wir das in der Schule genannt:
Stunden-Verkürzungs-Aktion. Mehr oder minder dumme Fragen sollten die Lehrer daran hindern, uns übermäßig mit Lehrstoff zu belästigen. Kluge Lehrer gehen solchen Aktionen natürlich nicht auf den Leim. Im Parlament hingegen gehen die Uhren anders: Da bestellen sich Minister ganz gezielt Fragen "ihrer" Abgeordneten, und sicherheitshalber wird auch gleich dazugeschrieben, wie schwierige Worte auszusprechen sind. Die Damen und Herren sollen sich ja nicht blamieren, sondern dem Minister Gelegenheit zur Selbstbeweihräucherung geben.
Dumm gelaufen: Da hat doch kürzlich ein VP-Abgeordneter so ein Papier liegen gelassen, in dem fein säuberlich 25 Fragen an den Innenminister (samt den "spontanen" Antworten) aufgelistet waren. Für das Verlesen vorbereiteter Fragen sind Monatsgagen von 7000 Euro aufwärts allerdings etwas üppig. Umso erfrischender, dass die beiden Vorarlberger VP-Abgeordneten sich von derlei Aktionen distanzieren. Die Parteilinie müsse allerdings vertreten werden, meinen beide und sind froh, dass man sie noch nie zum Vorlesen eingeteilt hat.
Liebe Abgeordnete: Nur Mut. Sie werden fürs Denken und für die Vertretung Ihrer Wähler bezahlt und nicht fürs blindwütige Vorlesen und Händeheben.
Oder sollten wir da etwas missverstanden haben? Dann sollte beim Österreich-Konvent eine deutliche Verminderung der Zahl der Abgeordneten ernsthaft überlegt werden. Das käme billiger und brächte dasselbe Ergebnis.

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