WirtschaftsBlatt-Kommentar Atempause für die Telekom Austria

von Arno Maierbrugger

Wien (OTS) - Endlich schallen aus der Telekom Austria-Zentrale Töne, die die Anleger hören wollen. Der Konzern hat bekräftigt, drei Jahre nach dem Börsegang erstmals eine Dividende an Privatanleger auszuschütten. Dies macht den Ärger, den so mancher mit der so genannten Volksaktie auszustehen hatte, wieder wett.

Umso mehr, da man davon ausgehen kann, dass sich bei der TA eine Kontinuität als Grundlage für einen Blue Chip herausgebildet hat. Altlasten drücken nicht mehr so bedrohlich auf die Bilanz, der Mitarbeiterabbau geht - nach anfänglich massiven Schwierigkeiten -nunmehr ohne Querschüsse vonstatten, und das Management agiert professionell. Eine Börsestory gibt es derzeit zwar nicht, da das Bulgarien-Abenteuer mit der dortigen MobilTel abgeblasen werden musste; doch wer weiss, wofür das gut war.

TA-Chef Sundt verfügt nun über 400 Millionen Euro flüssige Mittel, um die Telecom Italia mit ihrem 14,8prozentigen Anteil Anfang nächsten Jahres auszukaufen. Damit gibt es endgültig keine Zwischenrufe mehr aus Rom (leider wird dann auch Finanzchef Stefano Colombo zurückberufen werden müssen, der bisher beste Zahlenjongleur, den der Konzern je hatte).

Die Atempause wird der TA auch helfen, sich ihre nächste mittelfristige Strategie zu überlegen: Denn die Mobilkom, die immer prächtige Zahlen zur TA-Bilanz beigesteuert hat, wird nicht in alle Ewigkeit die Cash Cow bleiben. Hier sollten Sundt und seine Vorstandskollegen bald auf Ersatzsuche gehen. Ob der serbische oder der bosnische Telekom-Markt für ein Engagement schon bereit ist, kann bezweifelt werden. Daher tut Abwarten derzeit gut.

Interessant ist auch, wie Heinz Sundt den Konzern im Griff hat. Obwohl heuer insgesamt 600 und nächstes Jahr immerhin noch 350 Mitarbeiter gehen müssen, gibt es nicht die leisesten Anzeichen von Protesten. Auch von den mutmasslich ungerechtfertigen Frühpensionierungen von Beamten ist keine Rede mehr. Und Anfeindungen aus dem Lager der alternativen Anbieter pflegt der TA-Vorstand neuerdings lässig zu kontern - wo früher mit steter Regelmässigkeit ein Kommunikations- und Kompetenzchaos ausgebrochen ist. Die TA hat sich augenscheinlich konsolidiert - die Anleger können aufatmen.

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