"Kleine Zeitung" Kommentar: "Jetzt kann der Steirerman zeigen, dass er wirklich very good ist" (von Ernst Heinrich)

Ausgabe vom 18.11.2003

Graz (OTS) - Action, action, action - deshalb haben mich die
Leute gewählt!", hat Arnold Schwarzenegger unmittelbar nach seinem Sieg bei den kalifornischen Gouverneurswahlen gemeint. Ab sofort sind "actions" des Hollywood-Stars aus der Steiermark in Kalifornien nicht nur angebracht, sondern von geradezu staatstragender Bedeutung.

Denn jetzt ist er der erste Mann im "Golden State", der in der tiefsten Krise seiner Geschichte steckt. In den Staatskassen herrscht gähnende Leere. Rechnet man alle Verbindlichkeiten zusammen, ergibt sich die Horrorsumme von 38 Milliarden Dollar Schulden.

Arnie muss rasch Taten setzen. Bereits heute, nicht einmal 24 Stunden nach seiner Vereidigung als Gouverneur, berief er das kalifornische Parlament zu einer Sondersitzung. Bis 10. Jänner 2004 muss der "Governator" den Entwurf für einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen. Wie er das machen will, ist noch sein Geheimnis.

Schaffte er, wie im Wahlkampf versprochen, die im Autoland Kalifornien allgemein verhasste, von Vorgänger Gray Davis eingeführte Autozulassungs-Steuer ab, klafft im nächsten Budget ein Loch von fast 18 Milliarden Dollar. Was nun? Steuererhöhungen hat "Big Arnie" nämlich ausgeschlossen. Und am staatlichen Bildungs- und Gesundheitsprogramm wollen weder er noch das von den oppositionellen Demokraten beherrschte Parlament Abstriche machen.

Mit Argusaugen blickt vor allem sein "Parteifreund", der oberste aller Amerikaner, nach Kalifornien. Denn George W. Bush könnte wie kein anderer von Schwarzeneggers Misserfolg oder Erfolg betroffen sein.

Einerseits hat der amtierende Präsident mit Arnies Hilfe die große Chance, Kalifornien im kommenden Wahljahr den Demokraten abzunehmen. Der "Golden State" stellt 54 Wahlmänner. Siegen dort die Republikaner, wäre Bushs Wiederwahl als Präsident faktisch fix.

Bringt der Austro-Amerikaner aus Thal bei Graz aber in den nächsten Monaten nichts Bedeutsames zu Wege, bleibt daher die kalifornische Wirtschaft im Tief und der Staatshaushalt desaströs, könnte der Republikaner Schwarzenegger für den Republikaner Bush zu einem Mühlstein werden.

Arnold, der Ex-Bodybuilder und Action-Filmstar, als Gouverneur des bevölkerungsreichsten und wirtschaftlich wichtigsten US-Bundesstaates - das ist ein kühnes Experiment. Die Kalifornier haben es gewagt. Ab sofort muss der Arnie beweisen, dass "Steirermen" nicht nur in Hollywood very good sind, sondern auch in den Niederungen amerikanischer Politik bestehen können.****

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