WirtschaftsBlatt-Kommentar Zwei Geschwindigkeiten

von Daniela Homan

Wien (OTS) - Tempo, Tempo, nur keine Chance verpassen. Langsam, langsam, nur nichts verändern. So deutlich wie jetzt zeigt sich selten, dass Österreichs Wirtschaft derzeit parallell mit zwei Geschwindigkeiten läuft. Starke Unternehmerpersönlichkeiten münzen das Konjunkturlüfterl, das uns langsam entgegen weht, in Rekordergebnisse um, sie treiben Akquisitionen voran und heimsen Grossaufträge ein.

Stefan Pierer etwa scheint mit der Führung des Motorradherstellers KTM keineswegs ausgelastet. Die Bikes made in Austria boomen. Das Unternehmen wurde kürzlich nach unbestechlichen Kriterien vom WirtschaftsBlatt als Austrias leading company gekürt. Daneben ist Pierer immer wieder für den einen oder anderen Finanz-Coup gut. Er beteiligt sich mit fünf Prozent am Feuerwehrauto-Hersteller Rosenbauer. Erst im Mai dieses Jahres hat Pierer mit dem Verkauf seines auf 17,5 Prozent angewachsenen Anteils an Semperit aufhorchen lassen. Geschätzter Reingewinn damals: Rund sieben Millionen Euro. Auch Rosenbauer wird ein Top-Investment werden.

Bauunternehmer Hans Peter Haselsteiner ist weit davon entfernt, über die Krise am Bau zu lamentieren. Er hat für die Strabag zwei Grossaufträge im Wert von rund 200 Millionen Euro an Land gezogen. Sie kommen von den Flughäfen Prag und Sofia. Hannes Androsch steigert Umsatz und EGT der Salinen, Alfred Heinzels Vertraute übernehmen die Mehrheit der russischen Papierfabrik Archangelsk - die Liste der Erfolgserlebnisse ist lang.

Auch Österreichs Parade-Investor Mirko Kovats macht von sich reden: Seine ATB hat das Ergebnis vor Steuern vervierfacht. Kovats gibt für Spielberg eine Standort-Garantie bis 2009 ab. Er möchte sogar 80 weitere Jobs dort schaffen. Allerdings geht dies nicht ohne Entgegenkommen der Belegschaft: Die Mitarbeiter verzichten auf Lohnprämien und verpflichten sich ausserdem zu einer Viertelstunde unbezahlter Mehrarbeit pro Tag.

Betrachtet man dagegen die Situation bei den ÖBB und der AUA, ist der Vergleich ernüchternd: Hier prallt Österreich neu auf Österreich alt. Beide Unternehmen kämpfen in einem schwierigen Umfeld ums Überleben. Doch um jede Veränderung wird zäh gerungen, Umstrukturierungen gibt es nur im Zeitlupentempo, während anderswo der Schnellzug vorbei rauscht. Die Gefahr: Vergrössert sich diese Tempolücke, droht ÖBB und AUA, endgültig den Zug der Zeit zu verpassen.

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