1.Steirischer MS-Tag "Leben mit der Krankheit"

Wien (OTS) - Diese Veranstaltung war mit ca. 350 bis 400 Personen sowie mit etliche Rollstuhlfahrer wahrscheinlich die größte dieser Art die es je gegeben hat. Durch diesen nicht voraus zu sehenden Erfolg hat es am Veranstaltungsort leichte Probleme gegeben. Die wir auch nächstes Jahr mit Sicherheit auch aufmerksamer berücksichtigen werden. Frau Landtagsabgeordnete Anne Marie Wicher selbst im Rollstuhl setzt sich für die MS-Patienten in Zukunft auch verstärkt ein.

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine vorwiegend entzündliche Erkrankung der Myelinscheiden und Axone, die chronisch abläuft und wiederholt an verschiedenen Stellen von Gehirn und Rückmark auftritt. Deshalb wird die Erkrankung zumeist auch in Form von "Schüben" mit Auftreten neurologischer Symptome wie etwa Sehstörungen, Gefühlsstörungen, Lähmungen oder Gleichgewichtsstörungen erlebt. Die MS beginnt üblicherweise in der 3. oder 4. Lebensdekade und betrifft Frauen etwa doppelt so häufig wie Männer. Aufgrund neuester Daten sind etwa 8000 Österreicherinnen und Österreicher von dieser Erkrankung betroffen, das bedeutet etwa 1200 erkrankte Steirerinnen und Steirer. Diese Zahl mutet zuerst nicht sehr hoch an. Viel klarer wird einem die Bedeutung aber wenn man bedenkt, dass die MS eine chronische Erkrankung ist, die die Betroffenen ihr ganzes weiteres Leben begleitet. Die Erkrankung ist in ihrem Erscheinungsbild sehr variabel, wobei die Bandbreite der Beeinträchtigung von der einfachen Angst vor einem weiteren Krankheitsschub bis hin zu schwersten Behinderungen reicht.

Wir sind deshalb aufgerufen, nicht nur alle Anstrengungen zu unternehmen um die Ursachen der MS weiter zu erforschen und wirkungsvolle Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten zu finden, sondern für die Betroffenen auch ein entsprechendes Versorgungsnetz zu garantieren. Die Universitätsklinik für Neurologie in Graz, die übrigen Neurologischen Abteilungen der Steiermark sowie die neurorehabilitativen Einrichtungen unseres Landes machen sich dieses Ziel zu einem zentralen Anliegen.

Gemeinsam mit den Betroffenen und ihren PartnerInnen und Angehörigen möchten wir den 1. Steirischen MS-Tag nutzen um die Fortschritte und Möglichkeiten in der Behandlung und Betreuung von MS-PatientInnen aufzuzeigen. Glücklicherweise haben die letzten 10 bis 15 Jahre große Fortschritte im Bezug auf Verständnis, Erkennung und Behandlung der MS gebracht, wobei an dieser Entwicklung Österreichische NeurologInnen zum Teil Feder führend beteiligt waren. Detaillierte immunhistologische Untersuchungen des Hirngewebes von MS Betroffenen haben unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. H. Lassmann zu einer Bahn brechenden Neueinschätzung des Krankheitsprozesses MS an und für sich geführt. Nach diesen Erkenntnissen die zusammen mit ForscherInnen der Mayo Klinik in Rochester, USA, sowie an der Charité in Berlin gewonnen wurden ist zu vermuten, dass die MS kein einheitliches Krankheitsbild darstellt sondern jeweils unterschiedliche Elemente des Nerven- und Immunsystems gestört sein können. Dies dürfte zum Teil auch erklären, warum die Erkrankung einen so unterschiedlichen Verlauf nimmt und hat selbstverständlich für die weitere Entwicklung von Behandlungsstrategien enorme Bedeutung. Mit Einführung von immunmodulatorischen Substanzen wie den Beta-Interferonen und Glatirameracetat zur Therapie der MS wurde erstmals ein Tor zur effizienten Reduktion der Krankheitsaktivität bei zumindest einem großen Teil der MS Erkrankten aufgestoßen. Die drei österreichischen Universitätskliniken für Neurologie haben durch ihre Mitwirkung an internationalen Studien über die Wirksamkeit dieser Medikamente wesentlich zu dieser Entwicklung beigetragen. Im Verbund mit weiteren Neurologischen Abteilungen unseres Landes wurden auch andere Behandlungsalternativen wie etwa die intravenöse Verabreichung von Immunglobulinen erfolgreich untersucht. Forschungsarbeiten an der Universität Graz haben sich besonders auf die Bedeutung der Kernspintomographie für Diagnose und Verlaufsbeurteilung der MS konzentriert.

Diese Erkenntnisse haben unter anderem dazu geführt, dass die Kernspintomographie heute einen wesentlichen Pfeiler in der Diagnostik der MS darstellt und zunehmend auch für Verlaufsbeurteilungen der Erkrankung herangezogen wird. Weitere Erfolge der Österreichischen Neurologie stellen die Zusammenarbeit der Kliniken und Abteilungen mit Schwerpunkt MS im Hinblick auf die epidemiologische Erfassung dieser Erkrankung in unserem Land sowie zur Aufdeckung der Bedeutung genetischer Faktoren für Auftreten und Krankheitsverlauf der MS dar. Neueste Arbeiten aus der Innsbrucker Arbeitsgruppe lassen erhoffen, dass über die Bestimmung bestimmter Antikörper frühzeitig Aussagen zum Krankheitsverlauf der MS möglich werden könnten. Neben all diesen Fortschritten in der Forschung ist es aber vor allem die umfassende Betreuung der Betroffenen, die für eine besonders gute Krankheitsbewältigung notwendig ist. In diesem Sinn werden am 1. Steirischen MS-Tag die derzeitigen medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten mit all ihren Vor- und Nachteilen dargestellt. Es wird jedoch auch über die Möglichkeiten der neuro-psychologischen Intervention sowie der Neurorehabilitation gesprochen werden, damit unsere PatientInnen wissen, welche Möglichkeiten es auszuschöpfen gilt.

Abgesehen von den medizinischen Notwendigkeiten führt eine chronische Erkrankung unter Umständen aber auch zu Situationen, für die eine Klärung sozialer und rechtlicher Belange erforderlich ist. Auch diese Aspekte wurden bei der Veranstaltung angesprochen. Der 1. Steirische MS-Tag soll ein weiteres Signal für das notwendige Miteinander von verschiedensten Berufsgruppen und Versorgungseinheiten zur Betreuung unserer PatientInnen und deren Familien sein und wir hoffen, dass er einen wirkungsvollen Beitrag zu einem leichteren "Leben mit der Krankheit" darstellen wird.

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Univ. Prof. Dr. Franz Fazekas
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