Pröll: Zuckermarktordnung ist für Österreich zentraler Punkt

Minister fordert Quoten und Interventionspreis als strategisch richtige Option

Wien (AIZ) - Landwirtschaftsminister Josef Pröll vertrat heute
beim Agrarministerrat in Brüssel bei der Orientierungsdebatte zu den Reform-Optionen der Europäischen Kommission für die noch bis 2006 laufende EU-Zuckermarktordnung einen deutlichen Standpunkt Österreichs: Die Zuckermarktordnung sei angesichts der Existenz von rund 10.000 bäuerlichen Betrieben und einer erfolgreichen Zuckerindustrie für Österreich ein zentraler Punkt. Es dürfe daher, so Pröll, bei der Reformierung der Marktordnung nicht die Situation eintreten, dass davon Länder profitierten, die nicht der Gruppe der 50 ärmsten Entwicklungsländer (ÖDC Least Developed Countries) angehören und dabei die EU-Zuckerwirtschaft am Boden liege und die Gewinner nur Großbauern in Brasilien seien. Deshalb, so der Minister, stelle für Österreich eine Marktordnung mit den Eckpfeilern Interventionspreis und Zuckerquoten im Interesse der Sicherung der Einkommen der Rübenbauern in der EU und einer funktionierenden Zuckerindustrie in den Beitrittsländern die richtige strategische Option dar. Pröll deponierte die österreichische Betroffenheit in einem Gespräch mit dem künftigen Vorsitzenden des Agrarministerrates, dem irischen Landwirtschaftsminister Joe Walsh, über die Prioritäten der Ratspräsidentschaft des ersten Halbjahres 2004.

Auch gegenüber Walsh stellte Pröll klar, dass die Zuckermarktordnung wegen der großen Zahl betroffener heimischer Landwirte und eines gut funktionierenden Industriebereichs für Österreich von vitalem Interesse sei. Walsh habe laut Delegationskreisen Pröll versichert, dass die Zuckermarktordnung auch für Irland ein kritischer Punkt sei und habe signalisiert, den österreichischen Standpunkt nachvollziehen zu können.

Pröll: Liberalisierung ist keine akzeptable Option

Der österreichische Standpunkt, wie ihn Pröll bei der Orientierungsdebatte umriss, schließe die Option einer Total-Liberalisierung der EU-Zuckermarktordnung als nicht in Frage kommend aus. Ebenso sei, so Pröll, aber auch klar, dass auch eine Fortschreibung der bestehenden Marktordnung nach 2006 nicht in Frage kommen könne, weil die EU an internationale Verpflichtungen wie die Everything But Arms-Initiative (EBA, schrittweise Öffnung der EU-Märkte, unter anderem für Zucker zwischen 2006 und 2009 bis zur vollkommenen mengenmäßig unbeschränkten zollfreien Einfuhr von Zucker aus den knapp 50 ärmsten Entwicklungsländern) gebunden sei. Aber, so warnte Pröll gleichzeitig vor darüber hinaus gehenden Schritten, habe die EU in der Vorbereitung der Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation WTO in Cancun mit EBA und anderen Abkommen schon weit genug gehende Vorleistungen gegenüber der Dritten Welt erbracht.
(Schluss) pos

Rückfragen & Kontakt:

Tel: 01/533-18-43, pressedienst@aiz.info
http://www.aiz.info
FAX: (01) 535-04-38

AIZ - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AIZ0002