Ein Jahr nach Windwurfkatastrophe: Forstwirtschaft zieht Bilanz

Schenker: Schaden von EUR 80 Mio. verursacht - 90% des Schadholzes aufgearbeitet

Wien (AIZ) - Vor genau einem Jahr richteten orkanartige Föhnstürme in Österreich katastrophale Schäden in der Forstwirtschaft an. Die Stürme fegten vom 14. bis 17.11. übers Land, der Hauptschaden in den heimischen Wäldern entstand am 16. und 17.11. Am stärksten betroffen waren die Bundesländer Steiermark und Salzburg, unter den Schadensflächen waren auch einige Naturwaldreservate. "Insgesamt wurden durch diese Stürme an die 4 Mio. Festmeter Holz umgelegt, der Schaden für die heimische Forstwirtschaft beträgt etwa EUR 80 Mio., das entspricht EUR 20,- pro Festmeter Windwurfholz", zieht der Präsident des Hauptverbandes der Land- und Forstwirtschaftsbetriebe Österreichs, Stefan Schenker, im Gespräch mit dem AIZ Bilanz. Die Kosten ergeben sich aus den Holzwertverlusten, aus erhöhten Aufarbeitungskosten und Folgekosten für Aufforstungen, Pflegemaßnahmen und Instandhaltungskosten für die Forststraßen.

"Die betroffenen Betriebe haben sich bemüht, die gefällten Bäume rasch aufzuarbeiten und das Holz aus den Wäldern in die Sägewerke und zur Papier- und Plattenindustrie zu bringen. Dies war auch notwendig, um das - infolge der enormen Trockenheit gestiegene -Borkenkäferrisiko nicht weiter zu erhöhen. Mittlerweile haben die Waldbesitzer 90% des Schadholzes bewältigt, bis Jahresende dürfte die Aufarbeitung beendet sein", berichtet Schenker.

In Bergregionen lasse man - insbesondere in sehr steilem, unwegsamem Gelände - auch Schadholz liegen als Schutz vor Lawinenabgängen. Insgesamt dürften 5% des Schadholzes Bruch sein, also nicht verwertbar. Im Frühjahr werde dann der Hauptteil der Neuaufforstungen beginnen. Die Forstbetriebe setzten auch auf die Naturverjüngung, da dieses Jahr ein intensives Samenjahr im Wald zu beobachten war.

Situation auf dem Holzmarkt beginnt sich zu entspannen

Besonders schwierig war es laut Schenker, die plötzlich und ungeplant anfallenden Holzmengen so geordnet auf den Markt zu bringen, dass kein Überangebot entsteht und somit ein Preisverfall verhindert wird. Daher habe man zahlreiche Koordinationsgespräche mit den Abnehmern (Säge-, Papier- und Plattenindustrie) geführt. Vor allem im vergangenen Sommer sei die Situation konjunkturbedingt auf dem Holzmarkt sehr angespannt gewesen, die Rundholzpreise seien deutlich gesunken. "Mittlerweile hat sich die Lage etwas entspannt, wir stellen derzeit eine gute Nachfrage der Sägeindustrie nach Rundholz fest. In einigen Bereichen werden Preisanhebungen erwartet. Für die Wintermonate rechnen wir mit einer Festigung des Holzmarktes", betont der Präsident.

Konsequente Klimaschutzpolitik gefordert

Was Schenker bis heute ärgert, dass sind jene "populistischen Aussagen" des Umweltbundesamtes gleich nach den Föhnstürmen, wonach die Windwürfe eine Folge der zu wenig nachhaltigen Forstwirtschaft seien. "Erstens bestätigt uns der Österreichische Waldbericht 2001, dass in unseren Wäldern naturnah gewirtschaftet wird. Und zweitens werden bei derartigen Orkanen auch gesunde, starke Bäume in standortgerechten Lagen umgelegt", stellt der Forstwirt fest.

Klar sei allerdings, dass es unter anderem durch den Klimawandel in den vergangenen Jahren zu einer Häufung derartiger Witterungsextreme (Orkane, Trockenheit, Hochwasser) gekommen sei. "Wir brauchen daher eine konsequente Klimaschutzpolitik", fordert Schenker.
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