"Kleine Zeitung"-Kommentar: "Wir könnten viele Verbündete gegen den Terror haben" (von Günter Lehofer)

Ausgabe vom 17.11.2003

Graz (OTS) - Die USA würden im Irak bleiben, bis dort eine Demokratie aufgebaut ist, sagte US-Präsident George W. Bush. Das ist eine gefährliche Drohung, weil damit die Amerikaner auch fünfzig Jahre im Irak bleiben könnten. Für Bush bleibt dennoch ein Schlupfloch: Wenn es irgendwelche Wahlen gegeben haben sollte, könnte er den Rückzug befehlen. Frühestens wäre dies im Jahre 2006 der Fall. Aber Bush muss sich fragen, ob er mit dem Irak am Bein nach dem 3. November 2004 überhaupt noch Präsident sein wird. Seine Feinde dürfen zu seiner Krise jubeln.

Aber auch ein Nicht-Bush im Weißen Haus wird ein Amerikaner sein. Und die Iraker wollen derzeit keine Amerikaner haben. Wenn es im Irak eine Abstimmung darüber geben würde, ginge sie stark mehrheitlich so aus, dass sich die US-Boys und ihre Verbündeten schleichen sollen. Schleunigst.

Glaubwürdig kann die amerikanische Politik im arabischen Raum werden. Sie müsste nur mit gleicher Kraft und damit fair Israelis und Palästinenser zu einem Kompromiss nötigen. Weder George Bush noch sein Nachfolger können dies tun. Israel ist ein ganz besonderer Verbündeter der USA. Es darf sogar ungestraft Atomwaffen besitzen. Der Antiterrorspezialist Richard Clarke hat einen arabisch-israelischen Friedensvertrag als wichtige Maßnahme für den Erfolg der US-Politik bezeichnet. Clarke ist Ex-Berater von Bush.

Der Kampf gegen die Terroristen kann nur mit Hilfe der Regierungen und der Bevölkerung jener Staaten gewonnen werden, wo die Terroristen "schwimmen wie die Fische im Wasser". Der Rest ist Illusion.

Dazu muss immer wieder angemerkt werden, dass eine sehr große Mehrheit der Moslems gegen den Terrorismus sind, der Frauen und Kinder trifft. Der berüchtigte heilige Krieg richtet sich gegen bewaffnete Kämpfer.

Amerika und der Westen könnten in der islamischen Welt viele Verbündete im Kampf gegen Osama bin Laden und seine Nachahmer haben. Aber diese Verbündeten werden immer wieder vor den Kopf gestoßen und finden sich in ihrer eigenen Welt in der Defensive wieder. Dort haben sie die Wahl, bei ihren Leuten unglaubwürdig zu sein oder in Washington als unsichere Kantonisten zu gelten. Nur wenige Staaten und Gesellschaften sind stark genug, in diesem Dilemma auszuhalten. Dazu gehört die in Europa oft geschmähte Türkei.

Eines ist nicht nur uns klar, sondern auch den Moslems: Den Terroristen mag die Schlagzeile des Tages gehören, die Zukunft gehört ihnen nicht. ****

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