"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Wieder Schrecken" (Von Monika Dajc)

Ausgabe vom 17. November 2003

Innsbruck (OTS) - Terror als endlose Geißel unser Zeit? Angesichts einer mörderischen Realität haben sich die einfachen Antworten unter der Devise "Krieg gegen den Terror" längst ad absurdum geführt. Der Krieg in Afghanistan und im Irak kostet Geld. Er trifft im schlimmsten Fall völlig unschuldige Menschen und bewirkt weitere Polarisierung. Jeder Erfolg im Kampf gegen Banden vom Schlag der El-Kaida, die skrupellos auf größtmöglichen Schaden abzielen, muss mit politischen Überlegungen und exzellenter Geheimdienstarbeit errungen werden.
Dubiose Allianzen gegen den Terror nützen wenig, wenn dadurch nur militärische Präsenz in einem Land geregelt oder ausgebaut wird, das breite Spektrum an wirtschaftlichen und sozialen Problemen aber ungelöst bleibt. Was nach dem 11. September hastig geschmiedet wurde und dubiosen Regimen Aufwertung brachte, hat die Welt gewiss nicht sicherer gemacht.
Der amerikanische Terrorexperte Richard Clarke ist gewiss kein naiver Weltverbesserer. Mit Dringlichkeit mahnt er: El-Kaida müsse man "mit Gedanken, Worten und Taten" beikommen. Es gehe um eine taktische und eine strategische Ebene. Im Mittelpunkt steht die islamische Welt mit ihren politischen Bebenlinien.
Dutzende Tote und schreckliche Bilder sind nach den Attentaten auf Istanbuler Synagogen Gewissheit. Viele Spekulationen drehen sich weiter um Täter und Hintermänner. Schrecken zu verbreiten, scheint wie nach den Anschlägen von Djerba, Casablanca, Bali und Riad Hauptmotiv der Mörder zu sein. Damit wächst die Gefahr, dass in Windeseile Menschen irgendwo zu nächsten Zielen der Raserei im Namen von El-Kaida und anderen werden. Das Morden, das manweit entfernt wähnte, ist ein bedeutendes Stück näher gerückt. Nähe und Ferne sind aber ohnedies untaugliche Maßstäbe zur Einschätzung und Bekämpfung der Gefahr. Es ist eine gemeinsame Aufgabe dieser Welt mit großer Dringlichkeit.

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