Pröll: Bis zu ein Drittel weniger Chemikalienverbrauch erreichbar

Umweltministerium veranstaltete in Kooperation mit der OECD zweitägige Konferenz

Wien (OTS).- Gerade in der heutigen Zeit, in der die Umwelt durch vielfältige Einflüsse belastet und geschädigt wird, ist es notwendig, alle Anstrengungen zur Eindämmung von Schadstoffen zu unternehmen. Bei der breitflächigen Anwendung etwa von Chemikalien-Leasing und ähnlicher Geschäftsmodelle könnte der Chemikalienverbrauch bis zu einem Drittel zurückgehen, betonte Umweltminister Josef Pröll als Resümee der internationalen Konferenz mit dem Titel "Experiences and Perspectives of Service-Oriented Strategies in the Chemicals Industry and Related Areas". Die vom Lebensministerium und der OECD gemeinsam veranstaltete Konferenz ging gestern abends in Wien zu Ende.****

Im Rahmen der Konferenz wurden international bereits laufende Varianten eines „Chemika-lien-Leasing“ und verwandter Geschäftsmodelle vorgestellt sowie Hemm- und Förderfaktoren für deren Anwendung aufgezeigt. Zentrales Thema der Konferenz war die Umsetzung derartiger Modelle in die Praxis. Die österreichischen Ergebnisse zu diesem Thema bildeten einen eigenen Teil der Veranstaltung. Unter Mitwirkung internationaler Experten aus den USA, Schweden, Großbritannien und Japan und über 100 Teilnehmern aus 16 Nationen wurden die Möglichkeiten dargestellt, neuartige, service-orientierte Geschäftsmodelle in der chemischen Industrie und angrenzenden Fachbereichen weiter zu etablieren.

Das neuartige Modell des „Chemikalien-Leasing" gehört zu einer dieser Anstrengungen. Bei diesem Modell werden die Chemikalien, welche z.B. zum Reinigen bzw. Lösen verwendet werden, vom Lieferanten nicht mehr an den Kunden verkauft, sondern lediglich zum Gebrauch zur Verfügung gestellt – „ver-least“. Der Wechsel des Besitzers steht nicht mehr im Vordergrund, das wirtschaftliche Interesse ist nicht mehr mit einer Maximierung des Absatzes von Chemikalien verbunden. Stattdessen rückt der durch den Einsatz erzielbare Nutzen in den Vordergrund. Der Lieferant einer Chemikalie liefert auch das für die Anwendung nötige Know-how mit. Eine Entfettung durch Lösemittel orientiert sich dann beispielsweise am Ausmaß der gereinigten Oberfläche und nicht mehr an der dafür verbrauchten Lösemittelmenge.

Das ist die Abkehr vom bislang vorherrschenden „Verkaufs-mengen“ Denken, das nun durch die Ausrichtung auf eine serviceorientierte Leistungserbringung ersetzt wird. Solche service-orientierten Geschäftsmodelle sind bereits in ausgesuchten Teilbereichen international etabliert, z.B. in der Automobilindustrie, wären aber für weit mehr Unternehmen anwendbar und von Vorteil.

In Österreich kann von ca. 3.900 relevanten Betrieben ausgegangen werden kann, für die ein solches Modell grundsätzlich geeignet erscheint. Damit wäre es möglich, die bisher jährlich in Österreich eingesetzte Stoffmenge von 153.000 Tonnen Chemikalien um rund ein Drittel zu reduzieren. Das entspricht einer Stoffmenge von rund 53.000 Tonnen Chemikalien pro Jahr, hauptsächlich Lösungsmittel, Reiniger, Katalysatoren, Kühl- und Schmierstoffe, die nicht mehr bezahlt, nicht mehr eingesetzt, und damit auch nicht mehr emittiert bzw. als Abfall entsorgt werden müssten. Für den Anwender des neuen Geschäftsmodells ergeben sich daraus reduzierte Kosten von bis zu 10-15%.

Unter den Konferenzteilnehmern fanden sich Experten aus der Wirtschaft, unter anderem von international etablierten Unternehmen wie DOW Chemicals, Borealis oder Bayer, Vertreter von Chemikalien-herstellern, Chemikalienanwendern, Leasingunternehmen und Entsorgungsunternehmen. – sowie Interessierte von Verbänden und Behörden.

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