"Neues Volksblatt" Kommentar: "Augenmaß" (Von Franz Rohrhofer)

Ausgabe vom 14. November 2003

Linz (OTS) - =

Wilhelm Haberzettl hat Recht: Er steht mit dem Rücken
zur Wand und ist auf dem besten Weg, für die Gewerkschaftsbewegung in Österreich eine weitere Niederlage einzufahren. Die Argumente der Eisenbahnergewerkschaft sind zu dünn, um die Menschen wirklich zu überzeugen. Jeder österreichische Steuerzahler weiß, dass eine Reform der ÖBB unumgänglich und das gesetzlich verankerte Dienstrecht der Eisenbahner ungerecht gegenüber den ASVG-Dienstnehmern ist. Deshalb wird auch die letzte verzweifelte Trumpfkarte des ÖGB, der geplante Eingriff in einen Dienstvertrag könne jedem Arbeitnehmer passieren, nicht stechen. Die Rechtslage ist eine andere. Die eher lustlose Unterstützung der Eisenbahner durch andere Gewerkschaften zeigt, dass Haberzettl die Niederlage letztlich allein wird ausbaden müssen. ÖGB-Chef Verzetnitsch möchte schon jetzt lieber verhandeln. Die Regierung ihrerseits wird gut daran tun, über das vermutliche Scheitern des Streiks nicht in Häme auszubrechen. Für eine erfolgreiche Sozialpartnerschaft bleibt eine starke Gewerkschaft mit Augenmaß unerlässlich. Vor allem wenn sie aus ihren Fehlern lernt.

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