Kommentar von Michaela Lexa "Ladenschluss: Der grosse Frust "

Wien (OTS) - Stressgeplagte Berufstätige hatten zunächst ihre Freude. Nach der Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten ist Shopping am Abend zumindest in einigen Bundesländern möglich. Damit fiel das lästige Hetzen vom Büro in den Supermarkt weg, um noch schnell das Abendessen zu besorgen. Bei näherem Hinsehen erweist sich die Regelung jedoch als Flopp. Denn einheitliche Öffnungszeiten werden praktisch nur in den Shopping-Tempeln praktiziert. Dort gibt es einen Betreiber, der Druck macht und um Einheit bemüht ist. In den Einkaufsstrassen dagegen kocht jeder sein eigenes Süppchen. Einige nutzen die gesetzliche Möglichkeit aus und halten an einem Tag in der Woche bis 21 Uhr offen. Andere wiederum lassen schon eine Stunde früher den Rollbalken runter oder verzichten gleich ganz auf den Einkauf am Abend und damit auf zusätzliche Umsätze. Besonders unangenehm sind die verschiedenen Öffnungszeiten für die Konsumenten. Während sie bei dem einen Bekleidungshändler einkaufen können, stehen sie bei einem anderen vor verschlossenen Türen. Es wäre daher kein Wunder, wenn die ob der Uneinigkeit verunsicherten Kunden die Einkaufsstrassen meiden und ihr Geld lieber in die Shopping-Center tragen, wo sie die Gewissheit geregelter Öffnungszeiten haben. Durch die Finger schauen letztlich jene Händler in Innenstadtlagen, die den neuen Ladenschluss nutzen. Eine Lösung dieses Problems ist daher dringend notwendig. Sie muss aber auf höherer Ebene passieren. Denn man kann von den Händlern nicht verlangen, dass sie allein in jeder einzelnen Einkaufsstrasse auf einen Nenner kommen. Schon der Zeitaufwand hiefür wäre nicht zu bewältigen. Gefragt wäre also eine Initiative der Wirtschaftskammer. Dass diese nicht schon längst aktiv geworden ist, verwundert. Denn in unterschiedlichen Abständen jammert die Kammer immer wieder, dass die Innenstädte veröden und die grossen Shopping-Tempel auf der grünen Wiese Überhand nehmen und die Nahversorgung ruinieren. Ein einheitliches Ausnutzen der längeren Ladenöffnungszeiten in den Einkaufsstrassen wäre ein deutliches Signal, mit dem man viele Konsumenten von den Shopping-Centers weg locken könnte. Doch stattdessen wird lieber über eine Abgabe der Einkaufszentren diskutiert. Damit werden aber wieder nur die Falschen bestraft und das eigentliche Problem bleibt weiter ungelöst...

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