Nürnberger: Nur Frage kurzer Zeit, bis Hochöfen Betrieb einstellen müssen

ÖBB-Streik: Gewerkschaftsvorsitzende versichern den Eisenbahnern ihre Solidarität

Wien (ÖGB). "Die Eisenbahnerinnen und Eisenbahner haben die volle Unterstützung aller im ÖGB vereinigten Gewerkschaften", betonte der Vorsitzende der Gewerkschaft Metall-Textil, Rudolf Nürnberger, bei der heutigen Pressekonferenz des ÖGB. Gorbach habe das gestrige Verhandlungsangebot der EisenbahnerInnen brüsk ausgeschlagen. Mit seiner heutigen Aussage, die Eisenbahner könnten streiken solang sie wollten, er werde die Reform durchziehen, trage der Vizekanzler die volle Verantwortung für die Folgen des Streiks, sagte Nürnberger.++++

"In der Steiermark und in Oberösterreich, wo die Schwerindustrie beheimatet ist, ist es nur mehr eine Frage kurzer Zeit, bis die Hochöfen stillstehen", berichtete Nürnberger. Denn derzeit gebe es weder Nachlieferungen, noch sei der Abtransport der fertigen Produkte ohne die Eisenbahner möglich. "Wir werden in vielen unserer Betriebe bald nicht mehr arbeiten können", sagte Nürnberger. Vizekanzler Gorbach trage mit seiner Ansage die Verantwortung dafür.

Der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD), Wilhelm Gloss, bezeichnete die Abkehr der Regierung von Verhandlungslösungen als "aggressiven Akt gegen die Sozialpartnerschaft". Die vier Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes hätten über Jahrezehnte hinweg die Einkommenssituation für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst gemeinsam entwickelt, die GÖD sei deshalb voll solidarisch mit den EisenbahnerInnen, sagte Gloss.

Sollte die Regierung mit der Gewerkschaft der Eisenbahner zu keinem Konsens gelangen, werde die Gewerkschaft der Chemiearbeiter in den nächsten Tagen und Wochen alle Betriebsräte zusammenholen, um zu beraten, wie man in den Betrieben die EisenbahnerInnen solidarisch unterstützen könne, kündigte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Chemiearbeiter, Wilhelm Beck, an.

"Wir sind sehr reformwillig. Wir haben aber etwas dagegen, wenn ganze Berufsgruppen zerschlagen werden", sagte der Vorsitzender der Gewerkschaft Hotel, Gastgewerbe, Persönlicher Dienst, Rudolf Kaske. Genau so sei es auch den ca. 30.000 HausbesorgerInnen ergangen. "Die Regierung hat die ganze Berufsgruppe 'entsorgt'. Das Hausbesorgergesetz wurde beseitigt, und wir haben noch immer keinen Kollektivvertrag, weil die Arbeitgeber nicht bereit sind, sich zu einer kollektivvertragsfähigen Körperschaft zusammenzuschließen", berichtete Kaske.

Der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten, Christian Meidlinger, forderte die Regierung auf, sich ein Beispiel an den Gemeinden zu nehmen. "Auch dort werden Umstrukturierungen durchgeführt, aber sie werden in sozialpartnerschaftlichem Einvernehmen gestaltet", so Meidlinger. (mfr)

ÖGB, 13. November 2003
Nr. 956

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