Faymann/Swoboda: Wien ist ökologisches Vorbild im Wohnbau

Zweitägige Tagung "Innovation durch ökologischen Wohnbau" in Wien

Wien (OTS) - "Die strengen Umweltvorgaben im Wiener Wohnbau entlasten einerseits durch geringere klima- und umweltschädliche Schadstoffemissionen die Wiener Luft. Sie verringern andererseits aber auch die Heizkosten für die betroffenen Mieter und Wohnungseigentümer. Darüber hinaus kommen dadurch kreative Ideen und Neuerungen zum Einsatz, die das Know-how und die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Firmen in diesem Bereich erhöhen. Diese Ideen reichen von der Nutzung von Brauchwasser über Spiegelsysteme, die für Tageslicht in Fluren und Gängen sorgen bis zu Wohnungen, die sogar ohne Heizungen auskommen", erklärte Wohnbaustadtrat Werner Faymann.

"Die EU hat klare Zielvorstellungen hinsichtlich einer nachhaltigen, umweltgerechten und energiesparenden Entwicklung bis hin zu Vorschriften über die Energieeffizienz von Gebäuden", so Europaabgeordneter Hannes Swoboda. "Allerdings entspricht die Umsetzung nicht immer den Grundsätzen und es bedarf innovativerer Ansätze als sie sich in den EU-Gesetzen finden, die oft nur einen Minimalkonsens darstellen. Wien sollte daher nicht auf 'Brüssel' warten, sondern den Wettbewerb um die besten Modelle des ressourcen-und energiesparenden Bauens und Wohnens für sich entscheiden. Und Wien tut dies! Diese Vorwärtsstrategie hilft uns und setzt europäische Standards bevor sie noch Gesetz werden. Wir sollten nicht immer auf 'Brüssel' warten, Europa ist keine Einbahnstraße", erklärte Europa-Abgeordneter Hannes Swoboda.****

Im Jahr 1999 hat der Wiener Gemeinderat ein vorbildliches Klimaschutzprogramm "KliP" beschlossen. Ziel ist die Verringerung der jährlichen CO2 -Emissionen um 14 Prozent sowie um 1,2 Millionen Tonnen anderer Treibhausgase bis zum Jahr 2010. Bei den insgesamt 36 Maßnahmenprogrammen des KliP spielt der Wohnbereich eine entscheidende Rolle. Obwohl die Wiener Haushalte nur für rund 30 Prozent der Gesamtemissionen verantwortlich sind, konnte in diesem Bereich die Hälfte aller klimarelevanten Gesamteinsparungen erzielt werden.

Bereits in den vergangenen Jahren gab es eine positive Trendumkehr: Verschiedene Instrumente der Wohnbauförderung, die zu einer deutlichen Verringerung des CO2 - Ausstoßes führten, wurden in Kraft gesetzt. Die Maßnahmen reichen von der Wohnhaussanierung inklusive thermisch-energetischen Wohnhaussanierung "Thewosan" bis zum verpflichtenden Niedrigenergiehausstandard im Neubausektor. Wären die seit 1993 neuerrichteten geförderten Wohnbauten mit 62.000 Wohnungen nach den Mindeststandards der Wiener Bauordnung von 1990 errichtet worden, so wäre der jährliche CO2-Ausstoß um 24.000 Tonnen höher. Die Sanierung von Wohnhäusern mit etwa 115.000 Wohnungen seit 1990 entlastet das Klima um jährlich 163.000 Tonnen CO2. Ungefähr ein Drittel dieser Reduktion (55.000 Tonnen CO2) entfallen auf die thermisch-energetisch sanierten Wohnhäuser (Thewosan) mit rund 36.000 Wohnungen. Darüber hinaus wurde auf den Einsatz bestimmter Baustoffe (z.B. Schallschutzfenster, Dämmplatten und Montageschäume), die klimaschädigende Stoffe enthalten wie FCKW, H-FCKW, H-FKW, FKW und SF6 verzichtet.

All diese Klimaschutzmaßnahmen der letzten zehn Jahre im Wiener Wohnbau entsprechen der Einsparung von 560.000 Tonnen CO² pro Jahr. Das ist dieselbe Klima-Schadstoffmenge, die jährlich durch 350.000 Mittelklasse PKWs ausgestoßen würde. Umgerechnet auf die CO2 -Aufnahmeleistung eines ausgewachsenen Baumes haben diese Einsparungen denselben Effekt wie ein zusätzlicher Wald mit etwa 6 Millionen Bäumen. Dieser Wald hätte mit 39.000 ha fast die Gesamtfläche Wiens.

Nachhaltigkeit in der EU

Nachhaltige Entwicklung (sustainable development) ist seit dem "Erdgipfel" 1992 in Rio de Janeiro, der größten Gipfelkonferenz des 20. Jahrhunderts, eine Idee, ein Ziel, die/das mehr und mehr Eingang findet in die Köpfe und das Handeln der Menschen, Verwaltungen, Betriebe, (...) Auslöser ist die Erkenntnis, dass es in einer Welt mit so viel Armut und Umweltschäden keine gesunde Gesellschaft oder Wirtschaft geben kann.

Die Europäische Union hat sich neben der Förderung des wirtschaftlichen und sozialen Fortschritts und eines hohen Beschäftigungsniveaus auch die Herbeiführung einer ausgewogenen und nachhaltigen Entwicklung zum Ziel gesetzt. Diese Zielsetzung wurde durch den Vertrag von Amsterdam von den 15 EU-Mitgliedsstaaten festgeschrieben.

Im Umweltkapitel des EG-Vertrages wird das Ziel näher beschrieben: "Die Gemeinschaft setzt sich die Erhaltung und den Schutz der Umwelt, den Schutz der menschlichen Gesundheit, eine umsichtige und rationelle Verwendung der natürlichen Ressourcen sowie die Förderung von Maßnahmen auf internationaler Ebene zur Bewältigung regionaler und globaler Umweltprobleme zum Ziel."

Europäische Nachhaltigkeitsstrategie

Nach vielen Konsultations- und Verhandlungsprozessen, auch mit der breiten Öffentlichkeit, wurde beim Rat von Göteborg im Juni 2001 die Europäische Nachhaltigkeitsstrategie präsentiert. Das Dokument orientiert sich nach sechs Themenkomplexen, die in der Reihenfolge ihrer Bedeutung, ihrer internationalen Dimension und der Zeit, die sie zur Lösung dieser Probleme erfordern, aufgeführt sind:

o Armut und die soziale Ausgrenzung o Öffentliche Gesundheit o Die demographische Perspektive und die Alterung o Klimaveränderungen und saubere Energien o Erschöpfung der natürlichen Ressourcen o Mobilität und die Nutzung des Raums

Als größte Gefahren für nachhaltige Entwicklung wurden ausgemacht: Die globale Erwärmung durch Treibhausgase, die Langzeitentwicklung zahlreicher Chemikalien, Armut und Überalterung der Bevölkerung, der Rückgang der biologischen Vielfalt, die Verkehrsüberlastung, die regionale Ungleichgewichtungen in der EU, das zunehmende Abfallvolumen und Bodenverlust.

Als Gegenstrategien wurde beschlossen:

o Sofortmaßnahmen sind in den Bereichen Klimaschutz, biologische Vielfalt und zunehmende Antibiotikaresistenz zu setzen. o Auf politischer Ebene müssen die unterschiedlichen Interessen abgewogen werden. Engstirnige Interessen zu Lasten der Allgemeinheit dürfen ich nicht durchsetzen. Maßnahmen in einem Politikbereich dürfen Fortschritte in einem anderen nicht behindern. o Um auf globaler Ebene erfolgreich zu sein müssen zuerst innerhalb der Union die Voraussetzungen für eine nachhaltige Entwicklung gesetzt werden. o Eine verbesserte Kommunikation und Mobilisierung der Bürger und Unternehmen

Konkret haben sich die EU-Staaten zu einer Drosselung der Treibhausgasemissionen, zur schrittweisen Beseitigung der Subvention für die Produktion und den Verbrauch fossiler Brennstoffe, zur Förderung alternativer Treibstoffe, zur Drosselung der Energienachfrage und Steigerung der Energieeffizienz und zur Sicherheit der Kernenergie verpflichtet.

Auch die neuen Mitgliedstaaten haben sich zur Nachhaltigkeit verpflichtet

Im Vertrag über den Beitritt der Tschechischen Republik, Estlands, Zyperns, Lettlands, Litauens, Ungarns, Maltas, Polens, Sloweniens und der Slowakei, unterzeichnet am 16. April 2003 in Athen, sind verschiedene umwelt- oder nachhaltigkeitsbezogene Regelungen enthalten. Die Verhandlungen im Kapitel Umwelt hatten zum Ergebnis, dass das Umweltrecht der EU zum überwiegenden Teil unmittelbar mit Beitritt in den Beitrittsländern gelten wird. Übergangsfristen wurden nur in Ausnahmefällen vereinbart. Entsprechend ist die Anzahl der gewährten Übergangsfristen gering. Zudem konnten die vereinbarten Übergangsfristen inhaltlich und zeitlich stark begrenzt werden. Des weiteren werden Übergangsfristen von Implementierungs- und Finanzierungsplänen flankiert und sind im Detail an den Bedingungen im jeweiligen Beitrittsland ausgerichtet. (Schluss) gmp

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