Der ASKÖ-Schulsport-Forderungskatalog

Die Resolution im vollen Wortlaut

Wien (OTS) - Im Rahmen der ASKÖ-Länderkonferenz in St. Veit an der Glan präsentierte die ASKÖ ihre Positionen zum Thema Schulsport und beschloss diese einstimmig. Im folgenden die Positionen im Wortlaut:

SCHULSPORT: POSITION DER ASKÖ

Die PISA-Studie verdeutlicht, dass ganztägige Schulformen einen äußerst positiven Einfluss auf die Leistungs- und Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und Jugendlichen haben. Es ist damit zu rechnen, dass diese Schulformen auch in Österreich etabliert werden und die "Bewegungs- und Leibeserziehung" vor diesem Hintergrund damit wieder einen besonderen Stellenwert erhalten wird.

Für den Gegenstand Leibesübungen (Bewegung und Sport) ist im Lehrplan der Auftrag festgeschrieben, die motorische Entwicklung sowie auch die Sozial- und Selbstkompetenz der Kinder und Jugendlichen zu fördern.

Jede Reduktion der Stunden für Leibesübungen bedeutet daher, dass dieser Auftrag nicht mehr im erforderlichen Ausmaß umgesetzt werden kann. Sie steht im krassen Widerspruch zu allen aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen der Gesundheitsökonomie und Medizin, der Pädagogik und Sportsoziologie und stellt eine Missachtung der Verantwortung gegenüber der Entwicklung und Gesundheit der künftigen Generationen dar.

Bewegung und Sport setzt vielmehr zahlreiche positive Impulse vor allem in folgenden Bereichen:

  • Biologisch-gesundheitlicher Bereich: Sportliche Betätigung im zweiten Lebensjahrzehnt bietet eine bis heute unterschätzte, später nie wiederkehrende Chance, die Knochendichte zum Schutze vor osteoporotischen Frakturen im Alter signifikant zu erhöhen. Weiters beeinflusst Sport nachweislich die physische Fitness "Ausdauer, Kraft" sowie Risikofaktoren für spätere Herz-Kreislauf-Krankheiten günstig.
  • Psychologischer Bereich: Sportliche Betätigung entspannt und hebt unmittelbar die Stimmung; regelmäßige Sportaktivität verbessert die psychosoziale Gesundheit und die Lebensqualität Jugendlicher in hochsignifikanter Weise.
  • Kognitiver Bereich: Häufigere sportliche Betätigung ist nicht mit schlechteren, sondern mit tendenziell besseren schulisch-akademischen Leistungen verbunden.
  • Sozialer Bereich: Mannschaftssportarten leisten einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung eines gesunden Sozialverhaltens bei den Schülern.
  • Die ASKÖ sieht sich daher gefordert, Vorschläge in die Diskussion einzubringen, die geeignet sind, die unbefriedigende Situation im Schulsport zu verbessern:

Allgemein

1. Ausbau der Bewegungsstunden in der Schule und Bereitstellung der dafür nötigen finanziellen Mittel. 2. Besondere Beachtung des Faches Leibeserziehungen in der Ausbildung der Pflichtschullehrer. 3. Regelmäßige Fortbildungsangebote (verpflichtend !) für alle Leibeserzieher. Dieses Angebot kann auch der organisierte Sport erbringen. 4. Zusammenarbeit von Schule und organisiertem Sport bei der Realisierung der "unverbindlichen Übungen"

5. 1 Sportwoche pro Schuljahr von der 4. Schulstufe an.

Volksschule

1. Ziel ist ein polysportive vielseitige motorische Ausbildung sowie der Aufbau von Bewegungsfreude und -motivation auch unter Einbeziehung externer Projekte. 2. Anhebung der regulären Stunden über den gesamten Volksschulbereich in allen Schulstufen. 3. Einsetzen von JunglehrerInnen mit Schwerpunkt Leibeserziehung für die Unterrichtseinheiten Bewegungserziehung. 4. Jährliche Fortbildungsmaßnahmen des Lehrpersonals durch Ausnützen des sogenannten C-Topfes.

Unterstufe

1. Leibeserziehung, vor allem aber die unverbindlichen Übungen können hier auch einer wettkampforientierten, sportartenspezifischen Ausbildung und Vorbereitung dienen, Unterstützung durch organisierten Sport ermöglichen und sicherstellen. 2. Um die Drop-Out-Quote in diesem Altersbereich möglichst gering zu halten, sind auf die geschlechtsspezifischen Unterschiede und Bedürfnisse der SchülerInnen besonders Bedacht zu nehmen (Trendsportarten!) 3. Für talentierte SchülerInnen ist das Netz an Schulen mit sportlichem Schwerpunkt auszubauen.

Oberstufe

1. Den SchülerInnen soll die Möglichkeit geboten werden, die Art der Bewegungserziehung bzw. des Sportunterrichts in Absprache mit dem Lehrpersonal zu gestalten. 2. Das Lehrpersonal kann seinerseits durch Einbindung von externen Experten auf die Angebote des organisierten Sports zurück greifen. 3. Für talentierte SchülerInnen ist das Netz an Schulen mit sportlichem Schwerpunkt zumindest beizubehalten.

Berufsschule

1. Langfristiges Ziel muß hier die Einführung eines verpflichtenden Faches "Bewegung und Sport" sein. 2. Auf- bzw. Ausbau der unverbindlichen Übungen zunächst in der Internatsberufsschule mit fachlicher und personeller Unterstützung durch den organisierten Sport.

Schlussbemerkungen

  • Der organisierte Sport kann, auch wenn er sich noch so anstrengt und bemüht, die Leibeserziehung in der Schule nicht ersetzen und auch die negativen ökonomischen und sozialen Folgen der Reduktion des Schulsports nicht wettmachen.
  • Was der organisierte Sport sehr wohl kann, ist den Schulsport durch organisatorische und fachliche Kompetenz sowie durch qualifiziertes Personal zu unterstützen. Gute und geeignete Projekte zwischen schulischer und außer-schulischer Ebene müssen daher ausgebaut werden.
  • Darüber hinaus brächte der Einsatz junger und spezialisierter Sportlehrer bzw. Sportwissenschafter einen positiven arbeitsmarktpolitischen Effekt.
  • Bewegungsmangel ist ein entscheidender Risikofaktor für viele Erkrankungen! Daher ist das Recht auf Bewegung wie ein Grundrecht zu betrachten und zu behandeln, vor allem bei Kindern und Jugendlichen.
  • Die tägliche Bewegungseinheit ist daher von der Schulgemeinschaft (Behörde, Kommune, Lehrkörper, Eltern) anzustreben.
  • Kurzfristige Einsparungen im Bereich des Schulsports gehen nicht nur zu Lasten der Gesundheit der Kinder und Jugendlichen, im Gegenteil, sie forcieren langfristig die Kostenexplosion im Gesundheitswesen.

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