Arzneimittel-Paket bringt Vereinfachung für Patienten und geringere Kosten für die Krankenversicherung

Probst: "Wichtiger Schritt auf dem Weg der finanziellen Konsolidierung"

Wien (OTS) - Niedrigere Arzneimittel-Preise für die soziale Krankenversicherung, Vereinfachungen für Patienten bei bewilligungspflichtigen Medikamenten sowie eine stärkere Förderung von Generika, sind die wesentlichsten Ergebnisse des heute, Montag, von Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat, Hauptverbands-Geschäftsführer Josef Probst sowie Vertretern der Pharmawirtschaft, der Apotheker- und Ärztekammer präsentierten Arzneimittelpakets. In Kraft treten wird das Gesamtpaket am 1.1.2004. Politisches Ziel ist es, den Kostenanstieg für Medikamente in den Jahren 2003 bis 2006 auf durchschnittlich 3 bis 4 % zu drücken.
Mit dem Pharma-Großhandel konnte bereits Ende August eine Senkung der Handelsspannen für Arzneimittel im Heilmittelverzeichnis um
2 %-Punkte vereinbart werden. Mit der Apothekerkammer wurde Mitte Oktober eine Senkung des Apothekenaufschlages um 1 %-Punkt sowie ein Sondernachlass von 2,5%-Punkten des Kassenumsatzes für große Apotheken festgelegt. Die Einigung zwischen Pharmaindustrie und dem Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger über Industrierabatte, Preissenkungen bei bewilligungspflichtigen Medikamenten und auf ein neues Heilmittelverzeichnis erfolgte erst Ende der vergangenen Woche. Josef Probst, für Arzneimittel zuständiger Geschäftsführer im Hauptverband: "Für die soziale Krankenversicherung stellt der Abschluss des nun vorliegenden Arzneimittelpakets einen wichtigen Schritt auf dem Weg der finanziellen Konsolidierung dar."
Das Paket wird im kommenden Jahr für die Krankenkassen durch niedrigere Preise ein Einsparungsvolumen von rund 120 Millionen Euro (incl. Mwst.) bringen.
Für den Geschäftsführer des Hauptverbandes steht außer Zweifel, dass den Patienten in Österreich auch in Zukunft Medikamente nach dem neuesten Stand der Medizin zur Verfügung gestellt werden. Probst:
"Die soziale Krankenversicherung ist Anwalt von 8 Millionen Versicherten. Und diese haben ein Recht darauf, dass sie im Krankheitsfall mit den besten auf dem Markt befindlichen Medikamenten versorgt werden."
Von insgesamt 4.720 lieferbaren Arzneispezialiäten (Stand Ende 2002) sind 3.013 im Heilmittelverzeichnis des Hauptverbandes angeführt und werden auf Kosten der Krankenkassen in den öffentlichen Apotheken oder Hausapotheken abgegeben. Der Rest ist bewilligungspflichtig. Diese bewilligungspflichtigen Arzneimittel machen zwar nur 5 % aller ärztlichen Verordnungen aus, der Anteil an den Arzneimittelkosten der Krankenkassen liegt mit fast 20 % aber unverhältnismässig hoch.
Das bisherige Erstattungssystem für frei verschreibbare und bewilligungspflichtige Arzneimittel wird mit Hilfe eines neuen "Boxensystems" neu geregelt. Zunächst kommen alle neuen Arzneimittel, die von den sozialen Krankenversicherungsträgern bei Verschreibung in der freien Praxis erstattet werden, in die so genannte "red box". Dabei soll durch die Preiskommission im Bundesministerium für Gesundheit und Frauen (BMGF) sichergestellt werden, dass die Preise dieser neuen Mittel nicht über dem EU-Durchschnitt liegen. In der "yellow box" werden in der Folge die Kriterien für deren Bewilligung festgeschrieben. Bei
Preiswürdigkeit erfolgt schliesslich eine Aufnahme von bewilligungspflichtigen Medikamenten in die "green box" und diese werden damit frei verschreibbar. Zusätzliche Marktmechanismen sollen die Preiswürdigkeit der Arzneimittel in der "green box" nachhaltig sichern.
Für verschreibende Ärzte und Patienten soll dieses neue Erstattungsmodell künftig mehr Klarheit und Sicherheit bringen. Probst: "Unser Ziel ist, dass die Einholung der kassenärztlichen Bewilligung nicht mehr durch den Patienten erfolgt, sondern durch den verschreibenden Arzt."
Durch eine größere Preisdifferenz zwischen Original- und Nachfolgepräparaten und eine niedrigere Rezeptgebühr soll mittelfristig auch der Anteil von verschriebenen Generika (derzeit 10 %) gesteigert werden.
Als weitere mittel- bis langfristige Maßnahme fordert der Hauptverband aber auch eine Senkung der Mehrwertsteuer. In Österreich beträgt der Mehrwertsteuersatz für Medikamente 20 %, im europäischen Durchschnitt liegt dieser bei 7,3 %. Probst: "Wenn es gelingt, in Österreich das Mehrwertsteuerniveau bei Medikamenten auf das Niveau von Schokolade (10 %) zu senken, könnten wir uns bei gleich bleibendem GSBG-Pauschale rund 200 Millionen Euro ersparen."

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