JUGENDBERICHT: DISKUSSION DER POLITIKERiNNEN MIT DEN EXPERTiNNEN Familienausschuss debattiert Änderungen beim "Jugendradar"

Wien (PK) - Nach der Runde der ExpertInnen entspann sich bei der Sitzung des Familienausschusses zum Thema Jugendbericht eine intensive Debatte der PolitikerInnen mit den ExpertInnen.

Abgeordnete Silvia Fuhrmann (V) beklagte in ihrer Wortmeldung die Einkommensunterschiede zwischen weiblichen und männlichen Jugendlichen, auch der Zugang zu neuen Medien unterliege nennenswerten Unterschieden. Zudem seien weibliche Jugendliche offensichtlich familienorientierter als männliche Jugendliche,
und diese geschlechterspezifischen Differenzen bräuchten
politische Antworten, so Fuhrmann, die - wie zahlreiche Experten zuvor - anregte, auch die Gruppe der 10-14jährigen stärker in dem Bericht zu berücksichtigen. Auch sollte vermehrt auf den Wertebereich eingegangen werden.

Abgeordnete Gabriele Heinisch-Hosek (S) bemängelte, dass der Bericht keinen wirklichen Überblick über alle Lebensbereiche der Jugendlichen gebe. Auch Heinisch-Hosek votierte für ein
Einbeziehen der 10-14jährigen in den Bericht und sprach sich für eine Jugendverträglichkeitsprüfung aus. Konkret stellte die Mandatarin die Frage, ob die ExpertInnen auch die Möglichkeit hatten, Empfehlungen abzugeben, denn diese fehlten in dem Bericht völlig. Von der Staatssekretärin wollte die Abgeordnete wissen, wie viel der Bericht gekostet habe, zudem wies sie auf die
oftmals angespannte finanzielle Lage der Jugendlichen hin, die
deren Möglichkeiten limitiere und so auch ihre Einstellung präge.

Abgeordneter Elmar Lichtenegger (F) fand an dem Bericht vor allem bemerkenswert, dass die Familie nach wie vor Zentrum des
Lebensraums der Jugendlichen sei. Probleme wie Drogenkonsum oder Kriminalität seien quasi "Nebenwirkungen" einer nicht intakten Familiensituation. In einer globalen Leistungsgesellschaft sei es für Jugendliche nicht einfach, ihren Platz zu finden, doch reagierten Jugendliche erstaunlich reif auf diese
Problemstellungen und setzten vermehrt auf Eigeninitiative, was
von der Politik entsprechend gefördert werden sollte.
Lichtenegger hob weiters hervor, dass Jugendliche primär darauf achteten, dass ihnen ihr Beruf Spaß mache, erst dann komme das Moment eines gesicherten Arbeitsplatzes.

Abgeordnete Sabine Mandak (G) zeigte sich vom Bericht enttäuscht, da er wenig Neues oder Relevantes enthalte. Er sei viel zu wenig konkret, weshalb sich die Frage stelle, welchen Auftrag die
Autoren bei der Erstellung dieses Berichts hatten. So kritisierte Mandak, dass Konsumverhalten auf reines Shopping beschränkt werde und auch Fragen wie Taschengeld oder Schulden sehr eindimensional begriffen würden. Immerhin sei es ein Unterschied, ob man sich
für eine Eigentumswohnung verschulde oder ob man bloß überhöhte Handyrechnungen zu begleichen habe. Dass der soziale Aspekt und jener der Armut ausgespart seien, müsse ebenfalls kritisiert werden, so Mandak, die weiters entsprechende Schlussfolgerungen vermisste.

Studienautor Nemetz rechtfertigte seine Studie, die eine gute Grundlage darstelle, auf der man aufbauen könne.
Schlussfolgerungen und Empfehlungen müssten die Politik treffen, das könne nicht Aufgabe einer Studie sein, so der Autor. Es
handle sich hiebei um eine Erstbeschreibung, jetzt könnten die Experten in die Tiefe gehen. Autor Zentner erläuterte die Vorgangsweise bei der Erstellung der Studie und meinte, die
Autoren hätten die Definitionen zu Konsumverhalten, Taschengeld
und dergleichen von den Befragten selbst übernommen, alles andere hätte die Selbstbestimmung der Jugendlichen beschnitten.

Wagner-Tichy forderte mehr Anerkennung für soziale Kompetenz und meinte, es sei schwierig, Männer in diesen Bereich zu bekommen, weil dieser immer noch schlecht bezahlt und wenig anerkannt sei.
Man solle mehr auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen, hier sei auch das Schulwesen gefordert. Man müsse auch akzeptieren, dass Männer und Frauen unterschiedlich seien, hielt die Expertin fest, die auf das Verhältnis zwischen innerer und materieller
Sicherheit einging und dabei die Auffassung vertrat, dass gerade
in dieser Hinsicht durch politische Maßnahmen wie Kindergeld oder Teilzeit die Rahmenbedingungen in die richtige Richtung verändert würden.

Heinzlmaier betonte die Wichtigkeit, mit einer Zeitreihe
anzufangen, wie in der Studie geschehen, denn nur so seien pro futuro die Daten vergleichbar. Dies werde sich positiv auf die zukünftigen Diskussionen auswirken. Schmid meinte, man hätte,
wenn man schon bewusst Themen auswähle, dies auf Basis von Expertenvorschlägen tun sollen.

Staatssekretärin Ursula Haubner erklärte, der Auftrag sei die Erstellung einer repräsentativen Untersuchung über die
wichtigsten Lebensbereiche gewesen, worüber ein Panoramablick gegeben werden sollte. Dieser Bericht könne daher nicht das Ende der diesbezüglichen Diskussion sein, vielmehr gehe es jetzt
darum, sich vertiefend mit den Ergebnissen zu beschäftigen, beispielsweise in eigenen Workshops in den Ländern. Im übrigen
sei die Studie mit 153.000 Euro nur halb so teuer gewesen wie der letzte Bericht.

Haubner sprach sich ebenfalls dafür aus, die 10-14jährigen künftig in den Bericht einzubeziehen und berichtete über den Fortgang der Dinge hinsichtlich einer Jugendverträglichkeitsprüfung. Künftig solle man verstärkt vernetzt und ressortübergreifend denken, regte die Staatssekretärin an.

Schließlich griff Haubner noch drei Themen auf, die ihr besonders wichtig seien. Im Bereich der Familie solle man verstärkt auf Elternbildung und -information setzen, zudem sollte das Rollenverhalten thematisiert werden. In der Arbeitswelt brauche
es entsprechende Initiativen für die Jugendlichen, wie dies von
der Regierung bereits entsprechend in die Wege geleitet wurde. Schlussendlich gehe es auch darum, beim Freizeitverhalten anzusetzen, wobei Haubner hier vorschlug, etwa gewaltfreie Spiele positiv auszuzeichnen. Auch der Umgang mit den Medien sei in
diesem Zusammenhang ein Thema, so Haubner.

Nach Ansicht der Abgeordneten Andrea Kuntzl (S) wäre es für die politische Arbeit hilfreicher gewesen, wenn die Studie einige Themenschwerpunkte herausgegriffen und näher beleuchtet hätte. Außerdem reiche es nicht, die Wünsche und Vorstellungen von Jugendlichen rein deskriptiv darzustellen, diese müssten auch in einen Zusammenhang mit der gesellschaftlichen Realität gebracht werden. Unbeantwortet blieben etwa auch die Fragen, nach welchen Kriterien die Entscheidungen für bestimmte Berufe getroffen
werden oder welche Anreize gesetzt werden könnten, damit Jugendliche nicht in die Verschuldungsfalle geraten. Kuntzl bedauerte zudem, dass keine Schlussfolgerungen und Empfehlungen
im Bericht enthalten sind und dass vor allem die Staatssekretärin nicht gesagt habe, welche Konsequenzen sie aus dem Bericht ziehe.

Staatssekretärin Haubner habe sehr wohl konkrete Vorhaben
genannt, erwiderte Abgeordnete Barbara Rosenkranz (F) ihrer Vorrednerin, und die Politik der Bundesregierung belege deutlich, dass sie in diesem Bereich sehr aktiv ist. Sie bezeichnete es
auch als positiv, dass der Bericht möglichst objektiv gestaltet ist, denn es sei die Aufgabe der Politik, die entsprechenden Schlussfolgerungen zu ziehen. Rosenkranz war überzeugt davon,
dass es darum gehe, die Rahmenbedingungen derart zu gestalten,
dass sich die Jugendlichen entsprechend ihren Veranlagungen und Talenten entfalten können. Es könne auch nicht so sein, dass Paritäten erzwungen werden, denn man müsse den Realitäten ins Auge sehen. Grundsätzlich stellte Rosenkranz fest, "alles, was
wir tun, muss familienverträglich sein".

Abgeordneter Karl Öllinger (G) beklagte sich darüber, dass zwar alle für die Ausweitung der Partizipationsrechte eingetreten
sind, aber nichts umgesetzt werde. Im schulischen und
universitären Bereich sind sie sogar eingeschränkt worden und
auch bei der Absenkung des Wahlalters sei man keinen Schritt weitergekommen. Was die konkrete Studie angehe, so vermisse er,
dass zu wenig Differenzierungen (z.B. Arbeiter, Schüler,
Migranten etc.) vorgenommen wurden. Wenig aussagekräftig
erschienen ihm die Zahlen hinsichtlich der Arbeitslosigkeit, da
z.B. nicht berücksichtigt wurde, dass 13 % der jungen Frauen zwischen 20 und 24 Jahren "im Hausfrauenstatus verschwinden". Es
sei auch zu wenig, immer wieder zu betonen, dass die Jugendlichen der Familie einen hohen Wert einräumen. Man müsse sich auch die Frage stellen, warum dann so viele scheitern, gab Öllinger zu bedenken. Dies habe sehr viel mit den generellen Lebens- und Arbeitsbedingungen zu tun, die oft zu wenig Raum für Beziehungen geben.

Abgeordnete Barbara Riener (V) meinte, dass man die Sorgen der Jugendlichen sehr ernst nehmen sollte und man aus dem Bericht
sehr viel herauslesen könne. Die jungen Menschen von heute haben sehr hohe Bedürfnisse, weshalb es umso wichtiger sei, Grenzen zu setzen. Riener wünschte sich, dass auch eine Langzeitstudie durchgeführt wird und dass die 11- bis 14-Jährigen in die Untersuchungen eingebunden werden.

Abgeordnete Gabriele Binder (S) bemängelte, dass Lösungsansätze und Perspektiven fehlen und viele Bereiche nicht berücksichtigt wurden. Grundsätzlich müsste man sich bei allen gesetzlichen Maßnahmen überlegen, welche Auswirkungen sie auf die
Vereinbarkeit von Familie und Beruf haben. In diesem Zusammenhang kritisierte Binder die Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten im Handel.

Abgeordnete Melitta Trunk (S) schloss sich ihrer Vorrednerin an. "Wenn wir eine Gesellschaft wollen, in der alles rund um die Uhr offen hat, dann müssen wir auch mit den Konsequenzen leben", urteilte sie. Mit Bedauern stellte sie auch fest, dass sich die traditionellen Rollenbilder wieder verfestigt haben; hier gebe es enormen Handlungsbedarf.

Abgeordnete Notburga Schiefermair (V) erkundigte sich nach der Differenzierung städtischer versus ländlicher Bereich, während Abgeordnete Christine Marek (V) das Rollenverhältnis Mann/Frau in der Familie ansprach. Es müsse noch viel Bewusstseinsarbeit geleistet werden, zumal sich viele junge Frauen selbst nicht vorstellen können, dass ihr Partner in Karenz geht. (Forts.)

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