Freiheitskämpfer erinnern an die Bedeutung der Moskauer Deklaration

Wien (SK) Die Sozialdemokratischen Freiheitskämpfer erinnern an die Bedeutung der Moskauer Deklaration. Bundeskanzler a.D. Franz Vranitzky hatte auch bei der Gedenkveranstaltung der Sozialdemokratischen Freiheitskämpfer am Samstag vor dem Denkmal für die Opfer des Faschismus auf die Moskauer Deklaration verwiesen. Er würdigte auch die Rolle des Widerstandes im Zusammenhang mit der Wiedererstehung der Republik Österreich im Jahre 1945, die damals als Antithese zur Unmenschlichkeit des Nationalsozialistischen Regimes entstanden ist. ****

Vranitzky bezog sich in seiner Rede auf die Moskauer Deklaration der drei Alliierten, Großbritannien, Vereinigte Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, vom 30. Oktober 1943. Er verwies dabei auf eine Erklärung der Arbeitsgemeinschaft der KZ-Verbände und Widerstandskämpfer Österreichs, die gemeinsam mit dem Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes veröffentlicht wurde, in der es heißt:

Am 30. Oktober 1943 beschlossen die Außenminister der drei Alliierten (Großbritannien, Sowjetunion und USA) eine Erklärung zu Österreich, die als Moskauer Deklaration in die Geschichte einging und für das Wiedererstehen eines freien und demokratischen Österreich von entscheidender Bedeutung war. In dieser Erklärung haben die Alliierten
- Österreich als erstes Opfer der Aggressionspolitik Hitlers bezeichnet
- den "Anschluss" an Deutschland für null und nichtig und die Wiederherstellung eines freien und unabhängigen Österreich zum alliierten Kriegsziel erklärt
- Österreich "darauf aufmerksam gemacht, dass es für die Beteiligung am Kriege an der Seite Hitler-Deutschlands die Verantwortung trägt, der es nicht entrinnen kann" und
- angekündigt, "dass bei der endgültigen Regelung unvermeidlich sein eigener Beitrag zu seiner Befreiung berücksichtigt werden wird".

Die Freiheitskämpfer erinnern: Auf der Grundlage dieser Erklärung ist Österreich im April 1945 wiedererstanden, und in den 1955 zur Wiedererlangung der Souveränität führenden Staatsvertragsverhandlungen hatte die Moskauer Deklaration einen hohen Stellenwert. Diesen eigenen Beitrag zur Befeiung haben Tausende Frauen und Männer im österreichischen Widerstand geleistet; die genaue Zahl der Opfer des Widerstands wird derzeit vom DÖW gemeinsam mit dem Karl Vogelsang-Institut in einem wissenschaftlichen Projekt geklärt. Fest steht, dass die WiderstandskämpferInnen aus verschiedenen politischen und weltanschaulichen Lagern kamen; Das Spektrum reichte von Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschaftern über katholische, konservative und legitimistische Gruppen bis hin zu nationalen und religiösen Minderheiten wie etwa Kärntner Slowenen, Wiener Tschechen oder Zeugen Jehovas. Daneben haben unzählige Österreicherinnen und Österreicher auf sich allein gestellt Widerstand geleistet, indem sie gegen das NS-Regime Stellung nahmen. Nachrichten ausländischer Sender verbreiteten, Juden, ausländischen Arbeitern, Kriegsgefangenen und anderen Verfolgten halfen. Verfolgung, Inhaftierung, Misshandlung und Tod waren die Konsequenzen dieses mutigen Einsatzes.

Die durchaus notwendige Diskussion und Aufarbeitung des Anteils der Österreicher am Nationalsozialismus und der österreichischen NS-Täter sollte nicht dazu führen, die Leistungen und Bedeutung der österreichischen WiderstandskämpferInnen zu relativieren oder zu schmälern. Die Zweite Republik ist auf dem Fundament dieses anderen Österreich aufgebaut und sollte sich daher ihrer Opfer und Vorkämpfer stets bewusst sein.

Der Bundesvorsitzende der Sozialdemokratischen Freiheitskämpfer, Abg.z.NR a.D. Prof. Alfred Ströer, dankte vor allem den jungen Menschen, dass sie sich besonders für die Geschichte des Widerstandes und des Kampfes gegen Diktatur und Unmenschlichkeit interessieren -das sei eine große Hoffnung, welche die Überlebenden des Widerstandes und der Konzentrationslager in die Zukunft setzen. Ströer erinnerte auch daran, dass vor 65 Jahren, am 9. u. 10. November 1938, auf einen zentralen Befehl hin, fanatische Nationalsozialisten der SA und SS-Formationen im gesamten deutschen Reichsgebiet Synagogen und jüdische Geschäfte und Einrichtungen stürmten, in Brand setzten und schließlich zerstörten. Hunderte Jüdinnen und Juden wurden ermordet, oder begingen Selbstmord. Damit begann der Weg zum Holocaust und zum Zweiten Weltkrieg. Alfred Ströer sagte: "In diesen Tagen erinnern wir uns an dieses schändliche Ereignis, dessen auch in den nächsten Tagen in einigen Veranstaltungen der Widerstandsorganisationen gedacht wird. (Schluss) se/mp

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