Untätigkeit der Behörden verantwortlich für Beziehungsmord

Autonome Frauenhäuser: Urteil des Wiener Oberlandesgerichts bahnbrechend

Wien (OTS) - Der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser begrüßt die jüngste Entscheidung des Wiener Oberlandesgerichts im Rahmen einer gegen die Republik Österreich gerichteten Amtshaftungsklage: 1997 hatte ein Mann seine Ehefrau erschossen. Dem Mord waren mehrere Anzeigen voraus gegangen, Polizei und Justiz haben aber nicht alle notwendigen Schritte unternommen, um die Tat zu verhindern. Die Republik haftet nun für die untätigen Behörden.

"Diese Entscheidung ist wegweisend für den zukünftigen Umgang der Strafjustiz mit Männern, die ihren Ehefrauen oder Beziehungspartnerinnen mit Mord drohen", so Rosa Logar, Obfrau des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser. Jedes Jahr müssten in Österreich Frauen mit ihrem Leben bezahlen, weil die Justiz nicht alle vorhandenen Mittel ausschöpfe, um die Betroffenen vor ihren potentiellen Mördern zu schützen. Sie erhoffe sich, dass nach diesem bahnbrechenden Urteil endlich alles unternommen werde, um weitere Morde zu verhindern. "Damit die Strafjustiz für die Gefährlichkeit von Gewalttätern besser sensibilisiert ist, sind verpflichtende Schulungen dringend notwendig", erklärt Logar. Viele Strafverfahren bei Gewalt und Morddrohungen gegen die Ehefrau oder Partnerin würden einfach eingestellt. Der Verein Autonome Frauenhäuser fordere daher konkrete Weisungen des Bundesministeriums für Justiz an die zuständigen Staatsanwaltschaften, Gewalt in Beziehungen ernst zu nehmen und mit den Opferschutzeinrichtungen zusammenzuarbeiten.

In Österreich ist laut Schätzungen jede fünfte Frau von Gewalt durch einen nahen männlichen Angehörigen betroffen. Morddrohungen werden von gewalttätigen Partnern immer wieder wahr gemacht.

Rückfragen & Kontakt:

Rosa Logar
Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie
Tel.: 01/585 32 88

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