GLOBAL 2000 AN OMV: OFFENER BRIEF zu OMV-Reise nach Ecuador

Menschenrechts -und Umweltsituation muss objektiv und transparent geprüft werden

Wien (OTS) - Sehr geehrter Herr Generaldirektor Ruttenstorfer,

wir begrüßen, dass jetzt eine OMV-Delegation nach Ecuador reist, um eine Prüfung der Menschenrechts- und Umweltsituation durchzuführen. Der Erfolg dieser Reise hängt davon ab, auf welche Weise dieses Audit durchgeführt wird. Nur wenn, wie Ihrerseits bereits zugesagt, auch kritische Stimmen gehört werden und die Ergebnisse der Überprüfung offen diskutiert werden hat diese Vorgangsweise Sinn. Wir möchten Sie mit diesem offenen Brief auf einige anstehende Fragen aufmerksam machen, die unbedingt geklärt werden müssen.

Leider haben Sie unsere Schreiben vom 30.6.2003, 22.7.2003 und 19.9.2003 dieses Jahres persönlich nicht beantwortet. Daher wiederholen wir hier nochmals unseren Standpunkt. Unsere Recherche in Ecuador hat uns davon überzeugt, dass eine umweltgerechte und sozial verträgliche Erdölförderung in einem so sensiblen und wertvollen Gebiet wie dem Amazonas-Regenwald nicht möglich ist.

GLOBAL 2000 fordert Sie daher auf:
1. sämtliche Beteiligungen im Ecuadorianischen Regenwald noch 2003 zu beenden und sich gänzlich aus dem Regenwald zurückzuziehen;

2. das Moratorium über die Erdölförderung zu unterzeichnen und damit den Stopp des weiteren Ausbaues der Erdölförderung in Ecuador zu unterstützen;

3. eine Energiewende, weg von den fossilen Energieträgern hin zu erneuerbaren Energiequellen, einzuleiten und Ihre Unternehmensziele dahingehend neu auszurichten.

Fragenkatalog zum Umwelt-Audit der OMV:

Block 7:
- Wie viele Pipelinebrüche sind im Block 7 in den letzten 5 Jahren passiert?
- Wie viel Öl ist dabei insgesamt ausgeflossen?
- Wie reagiert Ihr Partner Perenco auf diese Entwicklung?

Pipelinebruch Puerto Grefa, Kilometer 10, Via Zorros, vom 4.4.03;
- Ist inzwischen die, schon vor zwei Jahren von Perenco versprochene, Wasserleitung für die dort lebenden Familien gebaut worden?
- Wurde eine Schadenersatzklage der betroffenen Familien gegen Perenco bereits eingebracht?
- Wurde das verseuchte Erdreich nach dem Ölunfall sicher entsorgt? - Sind weitere Reinigungsarbeiten, insbesondere im Bach, durchgeführt worden?

Pipelinebruch Payamino, zwei Kilometer von der Bohrstation, Anfang Oktober 03
- Warum ist dort die Pipeline gebrochen und wie viel Öl ist ausgelaufen?
- Wurden Wasserläufe, Flüsse oder das Trinkwasser von Bewohnern der Region verseucht?
- Wie will Perenco Betroffene entschädigen?
- Wie wurde das Gebiet gereinigt? Ist das Material sicher entsorgt worden?
- Was wird unternommen um einen ähnlichen Unfall in Zukunft zu vermeiden?

Block 21:

  • Wie beeinflusst die neu gebaute Pipeline die Primärwald-Schutzgebiete Selva Viva und Jatun Sacha? Wie beurteilen die Experten dieser Forschungsstationen den Pipelinebau und die Entwicklung der Region?
  • Wie ist die Entwicklung der, durch die Straße Richtung Yuralpa verursachten Zuwanderung?
  • Wie beurteilen die Organisationen der Indigenen Bevölkerung den Ausbau der Erdölförderung in der Region?

Transandinische Pipelines:

Auch die Erdöl-Pipelines SOTE und OCP vom Regenwaldgebiet Ecuadors über die Anden zum Pazifik sind international sehr umstritten. Über diese Pipeline wird auch das Öl von Perenco/OMV transportiert.

  • Kann aus Ihrer Sicht, angesichts der instabilen Böden, der enormen Regenmengen und der Vulkantätigkeit in den Bergregionen, ein sicherer Betrieb überhaupt gewährleistet werden?
  • Wie ist die Situation in der Region Papallacta, in der es im April 2003 einen verheerenden Pipeline-Bruch gegeben hat? Bei unserem Besuch im Juni 2003 waren weite Bereiche um die Lagune noch mit Öl verschmutzt. Auch auf der Lagune, einem Trinkwasserspeicher für Quito, waren immer noch Öl-Schlieren zu sehen. Ist die Region inzwischen saniert? Wurden die Verunreinigungen fachgerecht entsorgt?

Wir ersuchen Sie die Ergebnisse des OMV-Umwelt-Audits offen zu legen und mit uns zu diskutieren. Für einen Termin dazu stehen wir gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen,
Karl Schellmann
Andreas Baur

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