"Presse"-Kommentar: Alle Räder stehen still(von Andreas Unterberger)

Ausgabe vom 4. NOvember 2003

Wien (OTS) - Die Eisenbahner-Gewerkschaft streikt. Österreich darf den nächsten Versuch des ÖGB beobachten, Muskeln zu zeigen. Die beiden Fast-Generalstreiks des Frühjahrs sind ja eher danebengegangen und haben nur wegen des Taumelkurses der FPÖ eine gewisse Relevanz bekommen.
Der Versuch, die Bahn durch Überstundenverweigerung zu lähmen, ist überhaupt zum Totalflop geworden. Die Lokomotivführer dachten nicht daran, auf ihre üblichen Überstunden, also Geld, zu verzichten. Nun sind die Gewerkschaftsbosse in der Enge: Die Solidarität der Einzelnen mit ihnen hat sich als gering erwiesen. Jetzt können sie nur noch durch Kollektivdruck die Belegschaft hinter sich bringen. Kein arbeitswilliger Eisenbahner wird sich trauen, diesem Druck entgegenzutreten.
Der ÖGB hat taktisch gelernt, hat er aber auch die strategische Lektion begriffen? Wenn die Regierung geschlossen bleibt - wofür diesmal viel spricht - hat ein Streik wenig Erfolgschancen. Vor allem aber haben die Arbeitnehmer längst viel mehr zu verlieren als ihre Ketten, also mehr als in jener Zeit, da die Gewerkschaft groß geworden ist. Und sie haben gelernt (der Bundespräsident freilich noch nicht): Es ist nicht die Gewerkschaft, die ihre Einkommen sichert, sondern der Erfolg der eigenen Firma sowie der Zustand der Volkswirtschaft. An dieser Lektion können auch blockierte Zugsräder nichts ändern. Die helfen nur den Straßenfrächtern weiter.

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