"Neue Kärntner Tageszeitung" - Kommentar: Als Erster in der Zukunft (von Claudia Grabner)

Ausgabe vom 31.10.2003

Klagenfurt (OTS) - Die Zukunft als Erster wagen - fordert die ÖVP-Spitze von ihrer Partei. Sie liefert damit ein Glanzstück phrasendreschender Absurdität: inhaltsleere Nichtigkeit; eine Überschriftenrhetorik, die nur einen Vorteil hat: Sie hört sich hübsch und staatstragend an.

Das weiß Kanzler Wolfgang Schüssel - und hat es darin zur Perfektion gebracht. Titel müssen her, der Text ist Nebensache. "Ihr müsst das Salz der Erde sein"; "Niemand sehnt sich zurück nach alten Zeiten"; "Wir müssen den Mut haben, Megatrends nicht als Meckertrends zu interpretieren"; "Wir sind der Reformmotor"; "Wir gehen als Mutmacher für die Gesellschaft vor",... mit einem Wort: die ÖVP hat die Weisheit neu erfunden.

Nur eines ist verboten: Nachfragen, was das alles heißen kann. Da wird der Kanzler streng: Neugier ist "unhilfreich" (Zitat Schüssel) -auch wenn´s die eigene Zukunft betrifft. "Mehr hören als reden"; "Man muss nicht in jedes Mikrofon hineinbeißen, das vorbeigetragen wird", bindet der ÖVP-Herrscher seinen Getreuen den Maulkorb um. Steuerreform? Darüber wird berichtet, wenn sie am nächsten Tage in Kraft gesetzt wird. Siehe Pensionsreform - überfallsartiger ist es noch nie gegangen. Das heißt dann freilich "Reformfreudigkeit" und "Weitblick zum Wohle Österreichs". Das braucht man offensichtlich, will man als Erster in der Zukunft sein...

Rückfragen & Kontakt:

Kärntner Tageszeitung
Chefredaktion
Tel.: 0463/5866-502
ktzredaktion@apanet.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KTI0001