- 30.10.2003, 09:40:17
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Schasching zu Ganztagsschulen: "Wenn man Wahlfreiheit fordert, muss die Möglichkeit zur Wahl gegeben sein"
Wien (SK) "Faktum ist, wenn man Wahlfreiheit fordert, dann muss auch
die Möglichkeit zur Wahl gegeben sein", betonte SPÖ-Abgeordnete und
Schulsprecherin der Kinderfreunde, Beate Schasching, am Mittwoch in
einer Diskussionsrunde zum Thema "Ist die Schule der Zukunft
ganztägig - Entwicklungschancen jenseits ideologischer Barrieren". Es
diskutierten außerdem: Fritz Bauer (AK Oberösterreich), Johannes Fenz
(Präsident des Katholischen Familienverbandes), Kurt Nekula
(Dachverband der Elternvereine der Pflichtschulen) und Waltraud
Gruber (Leiterin der Ganztagsschule Aspernallee). Schasching betonte,
"dass gerade bei einer so wichtigen Diskussion, ideologische
Scheuklappen abgelegt werden müssen".****
"Um Punkt zwei versammelt die Mutter ihre Lieben um den Esstisch. Bei
Suppe, Spaghetti und Schokopudding diskutieren sie über gemeine
Mitschüler, den schweren Rechentest und Umweltschutz. Dann tollen sie
gemeinsam im Park herum. Bei den Aufgaben schaut die Mutter den
Kindern später über die Schulter[...]", zitierte Schaschnig aus einem
"Falter"-Artikel. Diese geschilderte Familiensituation sei allerdings
keine Realität mehr, so die SPÖ-Abgeordnete, vielmehr stelle sich
die Frage, wie man Schule, pädagogische Überlegungen und
Schulqualität der heutigen Zeit anpassen könne. "Die Realität ist,
dass immer mehr Kinder Betreuung am Nachmittag brauchen", betonte
Schaschnig. Zentrale Fragestellungen müssten folgende Punkte
beinhalten: "Wie können wir die Qualität des Schulwesens, des
Schülerlebens und des Elternlebens verbessern". Wohlhabende Eltern
hätten ihre Kinder immer schon in Privatschulen gegeben, denn hier
wussten sie ihre Kinder gut betreut, und alle notwendigen Ressourcen,
wie Lern- und Freizeiteinheiten, seien gewährleistet und der Abend
"schulfrei", zeigte sich die SPÖ-Abgeordnete überzeugt.
"Es gibt Regionen in Österreich, wo man keine Wahlfreiheit bezüglich
der Schulform hat", so Schasching. Wien sei, was das Schulangebot
betrifft, vorzüglich, in Niederösterreich schaue es zum Beispiel ganz
anders aus, unterstrich die SPÖ-Abgeordnete. "Es ist wichtig, die
Wahlfreiheit sicher zu stellen", betonte Schaschnig und forderte den
Bund auf, in den nächsten zehn Jahren 100.000 Ganztagsschulplätze zur
Verfügung zu stellen. "Der Bund kann sich nicht aus der Verantwortung
stehlen, wenn es um die Finanzierung geht", ein Impulszuschuss des
Bundes müsse wohl möglich sein, sagte Schasching. Durch die
ganztägige Schulform werde außerdem den Frauen Berufstätigkeit
ermöglicht, wodurch wieder Geld retour fließen werde, zeigte sich die
SPÖ-Abgeordnete überzeugt. Schaschnig zitierte gegen Ende ihrer
Ausführungen den Schluss des oben genannten "Falter"-Artikels: "Wer
sein Baby zu einer Tagesmutter oder gar in eine Krippe abschiebt und
später womöglich in einer Ganztagsschule verwahrlosen lässt - womit
wir doch wieder beim Thema wären -, ist eine Rabenmutter. Und genau
deshalb verzichten manche lieber auf eine Familie." "Genau das wollen
wir nicht", so Schaschnig.
Die Diskussionsteilnehmer plädierten für den Begriff "ganztägige
Schulform", anstatt "Ganztagsschule", da dieser eine Palette an
Betreuungsformen biete. Bauer zeigte die Notwendigkeit auf,
Chancengleichheit für die Frauen, durch infrastrukturelle
Voraussetzungen zu schaffen und Nekula verwies auf eine Erhebung der
"Statistik Austria", welche einen Akutbedarf von 46.000
Betreuungsplätzen sieht. Nekula betonte außerdem die Wichtigkeit von
Kooperation zwischen den Schulsystemen und bereits bestehender
Freizeiteinrichtungen. Die Diskussionsteilnehmer waren sich einig,
dass die Diskussion fernab jeglicher ideologischer "Verkrampfung" zu
führen sei, pädagogisches Ziel sei eine Verbesserung im Sinne
besserer Ausbildung und bessere Bedingungen für Schüler und Eltern zu
schaffen. (Schluss) sk
OTS0056 2003-10-30/09:40
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