Schasching zu Ganztagsschulen: "Wenn man Wahlfreiheit fordert, muss die Möglichkeit zur Wahl gegeben sein"

Wien (SK) "Faktum ist, wenn man Wahlfreiheit fordert, dann muss auch die Möglichkeit zur Wahl gegeben sein", betonte SPÖ-Abgeordnete und Schulsprecherin der Kinderfreunde, Beate Schasching, am Mittwoch in einer Diskussionsrunde zum Thema "Ist die Schule der Zukunft ganztägig - Entwicklungschancen jenseits ideologischer Barrieren". Es diskutierten außerdem: Fritz Bauer (AK Oberösterreich), Johannes Fenz (Präsident des Katholischen Familienverbandes), Kurt Nekula (Dachverband der Elternvereine der Pflichtschulen) und Waltraud Gruber (Leiterin der Ganztagsschule Aspernallee). Schasching betonte, "dass gerade bei einer so wichtigen Diskussion, ideologische Scheuklappen abgelegt werden müssen".****

"Um Punkt zwei versammelt die Mutter ihre Lieben um den Esstisch. Bei Suppe, Spaghetti und Schokopudding diskutieren sie über gemeine Mitschüler, den schweren Rechentest und Umweltschutz. Dann tollen sie gemeinsam im Park herum. Bei den Aufgaben schaut die Mutter den Kindern später über die Schulter[...]", zitierte Schaschnig aus einem "Falter"-Artikel. Diese geschilderte Familiensituation sei allerdings keine Realität mehr, so die SPÖ-Abgeordnete, vielmehr stelle sich die Frage, wie man Schule, pädagogische Überlegungen und Schulqualität der heutigen Zeit anpassen könne. "Die Realität ist, dass immer mehr Kinder Betreuung am Nachmittag brauchen", betonte Schaschnig. Zentrale Fragestellungen müssten folgende Punkte beinhalten: "Wie können wir die Qualität des Schulwesens, des Schülerlebens und des Elternlebens verbessern". Wohlhabende Eltern hätten ihre Kinder immer schon in Privatschulen gegeben, denn hier wussten sie ihre Kinder gut betreut, und alle notwendigen Ressourcen, wie Lern- und Freizeiteinheiten, seien gewährleistet und der Abend "schulfrei", zeigte sich die SPÖ-Abgeordnete überzeugt.

"Es gibt Regionen in Österreich, wo man keine Wahlfreiheit bezüglich der Schulform hat", so Schasching. Wien sei, was das Schulangebot betrifft, vorzüglich, in Niederösterreich schaue es zum Beispiel ganz anders aus, unterstrich die SPÖ-Abgeordnete. "Es ist wichtig, die Wahlfreiheit sicher zu stellen", betonte Schaschnig und forderte den Bund auf, in den nächsten zehn Jahren 100.000 Ganztagsschulplätze zur Verfügung zu stellen. "Der Bund kann sich nicht aus der Verantwortung stehlen, wenn es um die Finanzierung geht", ein Impulszuschuss des Bundes müsse wohl möglich sein, sagte Schasching. Durch die ganztägige Schulform werde außerdem den Frauen Berufstätigkeit ermöglicht, wodurch wieder Geld retour fließen werde, zeigte sich die SPÖ-Abgeordnete überzeugt. Schaschnig zitierte gegen Ende ihrer Ausführungen den Schluss des oben genannten "Falter"-Artikels: "Wer sein Baby zu einer Tagesmutter oder gar in eine Krippe abschiebt und später womöglich in einer Ganztagsschule verwahrlosen lässt - womit wir doch wieder beim Thema wären -, ist eine Rabenmutter. Und genau deshalb verzichten manche lieber auf eine Familie." "Genau das wollen wir nicht", so Schaschnig.

Die Diskussionsteilnehmer plädierten für den Begriff "ganztägige Schulform", anstatt "Ganztagsschule", da dieser eine Palette an Betreuungsformen biete. Bauer zeigte die Notwendigkeit auf, Chancengleichheit für die Frauen, durch infrastrukturelle Voraussetzungen zu schaffen und Nekula verwies auf eine Erhebung der "Statistik Austria", welche einen Akutbedarf von 46.000 Betreuungsplätzen sieht. Nekula betonte außerdem die Wichtigkeit von Kooperation zwischen den Schulsystemen und bereits bestehender Freizeiteinrichtungen. Die Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass die Diskussion fernab jeglicher ideologischer "Verkrampfung" zu führen sei, pädagogisches Ziel sei eine Verbesserung im Sinne besserer Ausbildung und bessere Bedingungen für Schüler und Eltern zu schaffen. (Schluss) sk

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