VIERTER BERICHT ZUR LAGE DER JUGEND LIEGT NATIONALRAT VOR "Jugendradar" zeigt Einstellungen und Verhalten der jungen Generation

Wien (PK) - Für die heutige Jugendgeneration ist es normal, das eigene Leben zu genießen. Doch das bedeutet für sie nicht, dass Spaß im Leben und Lebensgenuss auf Kosten anderer gehen muss. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind nicht die
ProtagonistInnen jener "Ellbogengesellschaft", von der heute
häufig die Rede ist, sie sind aber auch nicht immer so engagiert und altruistisch, wie es sich viele wünschen. Das ist einer der Befunde des vierten Berichts zur Lage der Jugend in Österreich, welcher kürzlich von Sozialminister Herbert Haupt und Sozialstaatssekretärin Ursula Haubner dem Nationalrat vorgelegt wurde. Aufgezeigt wird darin auch, dass sich die geschlechtsspezifische Segmentierung des Arbeitsmarktes und die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen in der Jugend-und Jungerwachsenengeneration fortsetzen. (III-63 d.B.)

Die Daten des insgesamt fast 500 Seiten starken vierten Jugendberichts basieren im Wesentlichen auf einer repräsentativen Befragung von insgesamt 1.549 Jugendlichen und jungen Erwachsenen
im Alter von 14 bis 30 Jahren. Dieses so genannte "Jugendradar" wurde entwickelt, um kontinuierlich Meinungen, Wünsche und Bedürfnisse der Jugendlichen zu erheben und Schwankungen und
Trends ersichtlich zu machen. Die Forschungsarbeiten sollen, wie
es im Vorwort von Minister Haupt und Staatssekretärin Haubner heißt, als Grundlage für die Entwicklung einer vielfältigen, offenen und partizipativen Jugendpolitik dienen. Ziel sei es, die Herausforderungen der jugendlichen Lebenswelt zu erkennen und
rasch darauf zu reagieren. Haupt und Haubner sehen es als übergreifenden politischen Auftrag, "eine 'jugendgerechte Welt'
zu gestalten". Ein zweiter Schwerpunkt des Jugendberichts befasst sich mit der Prävention in der außerschulischen Jugendarbeit.

Vom Jugendradar erfasst wurden die Bereiche Familie und
FreundInnen ebenso wie Arbeit und Freizeit, Wertvorstellungen und gesellschaftliches Engagement, Konsum und Mediennutzung sowie der Umgang mit Alkohol, Nikotin und illegalen Drogen. Auch wenn es
nicht überall geschlechtsspezifische Unterschiede gibt, lassen
sich doch in weiten Bereichen unterschiedliche Einstellungen und Verhaltensweisen von Mädchen und jungen Frauen auf der einen
Seite und Burschen und jungen Männern auf der anderen Seite feststellen.

Was grundsätzliche Lebensziele und Lebenseinstellungen der
heutigen Jugendlichen betrifft, liegt "Authentizität" den Studienergebnissen zufolge stark im Trend. Die Jugend- und Jungerwachsenengeneration geht immer mehr auf Distanz zu smarten "Fassadenmenschen" und artikuliert klare Präferenzen für "echte" und ehrliche Menschen, die sich in zwischenmenschlichen
Beziehungen so geben, wie sie sind, und die bereit sind, für das, was sie denken und tun, einzustehen.

Ganz oben in den persönlichen Lebensperspektiven der 14- bis 30-jährigen ÖsterreicherInnen rangieren ein Beruf, der Spaß macht, Lebensgenuss, gute FreundInnen, ein Partner bzw. eine Partnerin, dem/der man vertrauen kann, sowie Sicherheit im Allgemeinen und Arbeitsplatzsicherheit im Besonderen. Auch
Eigenverantwortlichkeit und Selbständigkeit stehen bei den Jugendlichen hoch im Kurs, Macht und Einfluss liegen hingegen auf den unteren Rangpositionen. Ebenso ist Karriere für die Mehrheit der Jugendlichen und jungen Erwachsenen kein absolut vorrangiges Lebensziel, obwohl Leistungsorientierung und leistungsorientierte Bereiche wie Arbeit oder Schule und Ausbildung an Bedeutung gewinnen.

Generell sind Mädchen und junge Frauen in ihren Werten etwas beziehungsorientierter und Burschen und junge Männer etwas erlebnis- und freizeitorientierter. Kein größeres Problem hat die Mehrheit der Jugendlichen und jungen Erwachsenen damit, sich vorrangig um das eigene Wohl und nicht um das anderer zu bemühen.

BERUF, HAUSHALT UND FAMILIE

Wie die Befragung zeigt, setzt sich die in Österreich bestehende geschlechtsspezifische Segmentierung des Arbeitsmarktes in der Jugend- und Jungerwachsenengeneration fort. Branchenbezogen tendieren Mädchen und junge Frauen nach wie vor häufig zu so genannten "Frauenberufen" - das bei ihnen populärste Berufsfeld sind derzeit Gesundheits- und Sozialberufe -, während Burschen
und junge Männer in "männliche" Berufsfelder - bei ihnen
besonders beliebt sind derzeit der IT-Bereich und der EDV-Sektor
- einsteigen.

Auch die signifikanten Einkommensunterschiede zwischen Männern
und Frauen werden bei der nächsten Generation nicht geringer. Sie bestehen bereits bei den unter 20-jährigen, verstärken sich
jedoch mit zunehmendem Alter. So verdienen 34 % der Mädchen und jungen Frauen monatlich unter 730 €, bei den jungen männlichen Österreichern sind es nur halb so viele, nämlich genau 17 %. Mehr als 50 % aller Burschen und jungen Männer geben an, mehr als
1.166 € monatlich zu verdienen, bei den weiblichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind es nur 29 %.

Dass es Männer im Berufsleben leichter haben, finden im Übrigen nicht nur fast drei Viertel der Mädchen und jungen Frauen, auch mehr als 60 Prozent der 14- bis 30-jährigen männlichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen stimmen dieser Aussage zu.
Nur knapp mehr als ein Fünftel der befragten Männer glaubt, sie hätten es leichter im Beruf, wenn sie eine Frau wären.

Beruflicher Mobilität stehen sowohl weibliche als auch männliche Jugendliche und junge Erwachsene ambivalent gegenüber. Regelmäßig vom Wohnort zum Arbeitsplatz zu pendeln, ist für die Mehrheit
zwar durchaus vorstellbar, wenn es allerdings darum geht, den Wohnort zu Arbeitszwecken zu wechseln, ist vor allem in der Altersgruppe der Ab-25-Jährigen die Mobilitätsbereitschaft
gering.

Die vieldiskutierte Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist besonders für Mädchen und junge Frauen ein wichtiges Thema. Jeder zweiten Befragten ist es explizit ein Anliegen, dass sich ihr
Beruf mit Familienleben vereinbaren lässt. Hingegen halten unter den männlichen Jugendlichen und jungen Männer nur 32 % der 14-
bis 19-Jährigen, 44 % der 20- bis 24-jährigen und 37 % der 25-
bis 30-Jährigen dieses Kriterium bei der Berufswahl für besonders wichtig. Und nur knapp mehr als ein Drittel der unter-25-jährigen Mädchen und jungen Frauen würde sich gerne ausschließlich um den Haushalt und die Kinder kümmern, würde der Partner soviel verdienen, dass der Lebensunterhalt gesichert ist - hier sind die Antworten der gleichaltrigen Burschen und jungen Männer sehr ähnlich.

Deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede zeigen sich, fragt
man Jugendliche nach ihren Einstellungen zu partnerschaftlicher Arbeitsteilung im Haushalt und bei der Kindererziehung. Diese
Frage ist über alle Altersgruppen hinweg den Mädchen und jungen Frauen ein deutlich größeres Anliegen als Burschen und jungen Männern. So vertreten 9 von 10 Mädchen und jungen Frauen der Altersgruppe der unter-25-Jährigen die Ansicht, dass Männer sich genauso um Kochen, Saubermachen und Kindererziehung kümmern
sollten wie Frauen, bei den Burschen und jungen Männern sind es
nur 6 von 10. Außerdem finden es Burschen und junge Männer zu einem signifikant höheren Prozentsatz im Grunde richtig, dass
sich in einer Partnerschaft/Familie die Frau um den Haushalt und
die Kinder kümmern sollte, während der Mann das Geld verdient.

Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Befragten treten auch in Bezug auf den Stellenwert der Familie zu Tage: Während
rund 8 von 10 jungen Österreicherinnen Familie als einen persönlich sehr wichtigen Lebensbereich bezeichnen und mehr als zwei Drittel der Mädchen und jungen Frauen ein harmonisches Familienlieben als persönlich sehr wichtiges Lebensziel nennen, bewerten nur 2 von 3 Burschen Familie als für sie persönlich wichtigen Lebensbereich und nennen - abhängig von der
Altersgruppe - nur zu 55 % bis 60 % ein harmonisches
Familienleben als wichtiges Lebensziel.

6 von 10 jungen Männern im Alter zwischen 20 und 24 Jahren wohnen im Übrigen nach wie vor bei einem oder beiden Elternteilen, bei
den 20- bis 24-jährigen Frauen sind es nur 4 von 10.

GESELLSCHAFTSPOLITISCHES ENGAGEMENT

Was das gesellschaftspolitische Engagement der Jugendlichen betrifft, kommen die Autorinnen und Autoren des Jugendradar zum Schluss, "dass wir es mit einer politisch interessierten
Generation zu tun haben", wobei das Interesse an Politik mit dem Alter steigt. Junge Erwachsene sehen sich allerdings eher weniger durch traditionelle Formen politischer Beteiligung angesprochen,
wie überhaupt die AutorInnen meinen, dass Interesse an Politik nicht mit gesellschaftspolitischem Engagement gleichgesetzt
werden sollte. Bei Mädchen und jungen Frauen ist die distanzierte Haltung gegenüber der Institutionenpolitik generell stärker ausgeprägt als bei Burschen und jungen Männern.

Insgesamt wird das eigene berufliche Umfeld von den meisten Jugendlichen und jungen Erwachsenen als Handlungsfeld
wahrgenommen, gefolgt von Vereinen. Gleichfalls ein Drittel
meint, unabhängig von einer Organisation gesellschaftlich aktiv sein zu können. Am seltensten sehen die jungen ÖsterreicherInnen in Gewerkschaften, einer Religionsgemeinschaft, in selbst organisierten Gruppen oder Projekten und in politischen Parteien für sich selbst eine Partizipationsmöglichkeit. (Schluss)

AVISO: Ausführlicher - zu den Themen Alkohol und Drogen, Freizeit und Medien sowie Konsum und Kaufverhalten - siehe Homepage des Parlaments (www.parlament.gv.at), Menüpunkt Parlamentskorrespondenz!

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