"Neue Kärntner Tageszeitung" - Kommentar: Konjunktur und Vertrauen (von Michael Kuscher)

Ausgabe vom 30.10.2003

Klagenfurt (OTS) - Das bereits dritte Konjunkturpaket der schwarz-blauen Regierung wurde gestern von der Opposition und der Gewerkschaft ganz schön zerzaust. Ich will in diesen Chor hier gar nicht miteinstimmen, da mir die wirtschafts- und arbeitsmarktpolitischen Zusammenhänge lange nicht so geläufig sind wie den Experten. Nur eines frage ich mich schon: Warum wird versucht, die Konjunktur ausschließlich mit Geld anzukurbeln, wo doch die Grundvoraussetzung positiver Konjunkturentwicklung das Vertrauen ist?

Es kann nicht am Geld liegen. Erst Dienstag wurden die aktuellen Vermögensdaten der Österreicher offen gelegt. Das Finanzvermögen der privaten Haushalte beträgt 295 Milliarden Euro, das sind 37.000 Euro pro Kopf und Nase. Das tatsächlich verfügbare Nettofinanzvermögen beträgt immerhin noch 205 Milliarden Euro. Mit dem Geld ließen sich Konjunkturfestspiele veranstalten. Doch die Österreicher tun es nicht, weil ihnen das Vertrauen abhanden gekommen ist. Das Vertrauen in die Pensionen, das Vertrauen in das gesicherte Gesundheitswesen, das Vertrauen in die Regierung (6 Prozent!).

Nur wer sich auf eine sozial-solidarische Politik verlassen kann, gibt sein Geld auch konjunkturbelebend aus. Und genau dies ist nicht der Fall. Auch das neue Konjunkturpaket ist keine vertrauensbildende Maßnahme.

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