"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Transitdebakel" (Von Markus Schramek)

Ausgabe vom 30.Oktober 2003

Innsbruck (OTS) - Freie Fahrt für den Lkw-Transit über den Brenner ab 1. Jänner. Noch drückt sich Verkehrsminister Hubert Gorbach davor, diese unpopuläre Botschaft zuzugeben. Derart kleinlaut und gedrückt wie dieser Tage, hat man den Vizekanzler selten erlebt. In einem Anfall von Torschlusspanik greift er nach jedem Strohhalm. Sogar zwei Millionen Transitfahrten durch Österreich würde Gorbach tolerieren. Das sind 400.000 mehr als bisher laut Transitvertrag zulässig waren. Und so etwas bezeichnet Gorbach auch noch als Verhandlung. Ein Debakel ist das!
Zu beneiden ist Gorbach nicht. Der sonst so wortgewaltige Allemanne muss das ausbaden, was Österreichs Verkehrspolitik in den letzten zehn Jahren verbockt hat. Nie hatte man von der Tiroler Warte das Gefühl, dass Wien das Aufbegehren der Bevölkerung im Inn- und Wipptal ernst nehmen würde. Die Rechnung für diese Halbherzigkeit bekommt die Alpenrepublik jetzt präsentiert. Die Leidtragenden sind die Tiroler. Verschärft wird Tirols Lage durch die Vorzeigepolitik der Schweiz. Die Nachbarn arbeiten emsig daran, den ohnehin limitierten Lkw-Transit auf die Schiene zu verlagern. Am Lötschberg und am Gotthard entstehen zwei neue, ultramoderne Bahntunnel durch die Alpen. Und damit die Politik nur ja nicht vom Weg abweicht, hat ihr das Schweizer Volk einen Abgabetermin vorgeschrieben. Bis im Jahr 2009 muss der Straßentransit halbiert werden. Das ist kein frommer Wunsch, sondern steht so in der eidgenössischen Verfassung. Was machen also die verbliebenen Brummi-Fetischisten unter den Transporteuren? Richtig, sie fahren über den Brenner.
Der Vergleich mit der Schweiz schmerzt und macht Österreichs Dilemma offensichtlich. Man muss kein Pessimist sein, um angesichts dieser Datenlage folgende düstere Prognose zu stellen: Auf den Brenner rollt eine gewaltige Verkehrswalze zu.

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