Grüne Wirtschaft/Plass: Senkung der Körperschaftssteuer nicht dringendstes Anliegen der Unternehmen

Leitls Kritik an Finz vollkommen unangebracht

Wien (OTS) Als "vollkommen unangebracht" bezeichnet Volker Plass, Sprecher der Grünen Wirtschaft, die oberlehrerhafte Zurückweisung der Steuerreformvorschläge von Staatssekretär Finz durch Wirtschaftskammerpräsident Leitl. "Finz' Vorschläge sind durchaus diskussionswürdig und seit Langem das Vernünftigste, was von der Bundesregierung zur Steuerreform zu hören war", so Plass. Bezüglich einer Senkung des Körperschaftssteuersatzes auf 25 Prozent ist die Grüne Wirtschaft mehr als skeptisch. "Der effektive Körperschaftssteuersatz liegt ohnehin im europäischen Spitzenfeld, was bei internationalen Konzernen mittlerweile bekannt ist. Die Steuer-Dumping-Angebote der östlichen Nachbarländer sind ein logisches Verhalten im internationalen Wettbewerb," so Plass weiter. "Der Aufholbedarf der Slowakei ist bei zahlreichen anderen Standortfaktoren noch derartig hoch, dass sich die österreichische Wirtschaft vor einer einzigen Benchmark nicht wirklich fürchten muss."

"Der interessanteste Reformansatz in diesem Bereich, ist die Abschaffung der Mindest-Körperschaftssteuer," meint Plass. "Eine generelle Senkung der Körperschaftssteuer nützt hingegen ausschließlich den gewinnschreibenden Unternehmen. Für die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Leitl mit dieser Maßnahme zu erreichen hofft, sind die Besteuerung des Faktors Arbeit und lohnsummenabhängige Steuern viel wichtiger. Diesbezügliche Forderungen, die weitaus mehr im Interesse der Klein- und Mittelbetriebe wären, sind in der Wirtschaftskammer mittlerweile offenbar in Vergessenheit geraten", so Plass.

Für die Grünen sei eine Senkung des nominelle Körperschaftssteuersatzes nur bei einer gleichzeitigen Verbreiterung der Bemessungsgrundlage denkbar, da Kapitalgesellschaften in Österreich schon jetzt weit weniger zum Steueraufkommen beitragen als in anderen OECD-Staaten. "Auch mit einer höheren Besteuerung des Vermögens könnte das produktive Kapital entlastet werden, aber einseitige Steuersenkungswettläufe und eine weitere Zunahme der Steuerungerechtigkeit könnten langfristig mehr Schaden als Nutzen anrichten", so Plass. "Solange die Wirtschaftskammer nicht umfassende Steuerreformkonzepte zugunsten unseres Wirtschaftsstandortes vorlegt, werden Forderungen nach einer Körperschaftssteuer-Senkung nicht mehr sein als kurzsichtiger Lobbyismus zugunsten großer Kapitalgesellschaften", so Plass abschließend.

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